34 der 40 Opfer starben auf zu enger Treppe

Beim Feuer in der Bar in Crans-Montana starben 40 Menschen, über 100 wurden verletzt. Im Ticker bleibst du über die neusten Entwicklungen im Bild.

Crans-Montana
Bei den Sanierungsarbeiten der Bar «Le Constellation» im Jahr 2015 wurde der untere Teil der Treppe massiv verengt. - x/Chance

Das Wichtigste in Kürze

  • In Crans-Montana läuft die Aufarbeitung der Feuer-Katastrophe im «Le Constellation».
  • Bei der Tragödie am Neujahrstag starben 40 Menschen, über 100 wurden verletzt.
  • Im Ticker hält dich Nau.ch auf dem Laufenden.

Nach der Feuer-Tragödie in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana mit 40 Toten steht die Aufarbeitung im Zentrum. Der Bar-Inhaber sitzt in Untersuchungshaft, seine Frau und Mit-Inhaberin ist auf freiem Fuss. Derweil kommen immer mehr Details über das Ehepaar ans Licht.

Im Ticker von Nau.ch bleibst du auf dem Laufenden.

80 Verletzte noch immer in Spitalpflege

20.25: 80 Verletzte befinden sich nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana noch immer in Spitälern in der Schweiz und im Ausland. Das sagte der Walliser Staatsrat Mathias Reynard am Sonntag im Westschweizer Fernsehen RTS. Zehn von ihnen seien in Walliser Gesundheitseinrichtungen untergebracht.

Für das medizinische Personal sei die Situation „kompliziert und schwierig“, sagte Reynard. Er dankte den Pflegepersonal für dessen Engagement.

Mathias Reynard
Der Walliser Staatsrat Mathias Reynard. - keystone

In einigen Wochen würden die Verletzten die Verbrennungszentren verlassen und in die Spitäler zurückkehren, insbesondere im Wallis. Es sei daher wichtig, sich auch um das Pflegepersonal zu kümmern.

Für die Familien und Personen, die von der Tragödie betroffen sind, soll eine Hotline eingerichtet und direkte finanzielle Hilfe gewährt werden, kündigte er an.

Reynard betonte, dass es die Aufgabe der Justiz sei, nach den Verantwortlichen für das Drama von Crans-Montana zu suchen. Es müssten aber auch auf allen politischen Ebenen Massnahmen ergriffen werden.

34 Opfer sollen auf der Treppe gestorben sein

17.25: 34 der 40 Todesopfer sind auf der engen Treppe gestorben, wie die italienische Zeitung «Il Giornale» berichtet. Dies geht aus einem Bericht von italienischen Ermittlern, der dem Innenministerium und der Staatsanwaltschaft Rom vorliegt, hervor.

Crans-Montana
Bei den Sanierungsarbeiten im Jahr 2015 wurde der untere Teil der Treppe massiv verengt. - x/Chance

«34 Lei­chen wurden am Fusse der Treppe gestapelt gefunden», heisst es in dem Report. Erst im Jahr 2015 wurde bei der Sanierung des Lokals die Treppe schmaler gemacht. Die vorher drei Meter breite Treppe war seither nur noch 1,37 Meter breit.

In dem Bericht heisst es weiter, dass der Holzhandlauf im panischen Gedränge abgerissen worden sei.

Zudem seien drei Lei­chen vor dem verschlos­senen Ausgang im Rau­cherraum gefunden worden. Drei weitere seien auf dem Trottoir vor dem Club entdeckt worden.

Brandopfer: «Frohes neues Jahr Mama, ich liebe dich über alles»

14.05: Trystan Pidoux (†17) ist eines der 40 Todesopfer der Brand-Katastrophe von Crans-Montana. Gegenüber dem «Tagesanzeiger» erzählt seine Mutter, was Trystans letzte Nachricht an sie war.

In der Silvesternacht schrieb er ihr: «Frohes neues Jahr Mama, ich liebe dich über alles. Sag auch allen anderen, dass ich sie liebe.»

Trystan sei ein hilfsbereiter junger Mann gewesen und habe sich für Schwächere eingesetzt. Das zeigte er als Teenager, als er sich für ein karitatives Projekt seines Götti engagierte. Er sammelte Brillen für Menschen in Afrika. Und statt der geforderten 50 Brillen sammelte er insgesamt 5000 davon.

Crans-Montana
Die Tragödie in Crans-Montana kostete 40 Menschen das Leben. - keystone

Ihr Sohn sei nicht nur hilfsbereit und ehrgeizig, sondern auch kreativ und sportlich gewesen, erzählt seine Mutter dem «Tagesanzeiger». Er reparierte gerne Elektronik und betrieb Bogenschiessen sowie Kampfsport als Hobby.

Aber am meisten hat Trystan die Zeit mit seinen Freunden genossen. Sie seien ihm sehr wichtig gewesen und stünden immer an erster Stelle in seinem Leben, so seine Mutter.

Wallis ermittelte bereits gegen Bar-Inhaber Moretti

07.30: Nach der Brand-Katastrophe in Crans-Montana ermitteln die Behörden gegen die Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti. Bereits bekannt war, dass Jacques Moretti in Frankreich wegen Zuhälterei verurteilt worden war. Nun schreibt die «Sonntags Zeitung», dass die Morettis auch im Wallis bereits mehrfach ins Visier der Justiz gerieten.

Erstmals untersuchten Walliser Behörden das Ehepaar 2020 im Zusammenhang mit einem Covid-Überbrückungskredit von 75’500 Franken. Kurz nach der Auszahlung kauften die Morettis einen Maserati im Wert von über 33’000 Franken. Das veranlasste die Walliser Kantonalbank dazu, die Justiz zu informieren.

Die Untersuchung wegen möglicher Zweckentfremdung des Kredits wurde jedoch eingestellt, da laut Behörden keine Straftat vorlag. Der Wagen war als Geschäftsvermögen der Bar deklariert. 2022 folgten weitere Abklärungen wegen Beschwerden von Mitarbeitenden über Arbeitsbedingungen in ihren Betrieben, deren Resultate nicht öffentlich bekannt sind.

Ex-Kellnerin kündigte wegen Sicherheitsbedenken

03.15: Im Rahmen der Untersuchungen rücken die Sicherheits- und feuerpolizeilichen Massnahmen in den Fokus. Was ehemalige Angestellte des «Le Constellation» sagen, erhöht den Druck auf das Inhaber-Paar weiter.

Gegenüber französischen Medien sagte Sarah, sie habe einst für dort gearbeitet, jedoch nach wenigen Monaten gekündigt. «Ich weigerte mich, viele der Dinge zu tun, die sie verlangten.»

Crans-Montana
Im «Le Constellation» kommt es in der Silvester-Nacht zu einem Drama. - keystone

So hätten die Kellnerinnen versuchen sollen, Kunden von den Champagnerflaschen mit den Wunderkerzen zu überzeugen, was sie für gefährlich hielt. Sie habe sich auch geweigert, mit der Flasche auf den Schultern einer anderen Angestellten zu sitzen. Es sei gefährlich mit all den betrunkenen Leuten, sie habe Angst um ihre Haare gehabt.

Zudem seien die Notausgänge immer verschlossen gewesen. Sie habe die Türe nur öffnen dürfen, um in die Wohnung darüber zu gehen. Die Feuerlöscher seien in einem Büro gewesen, das ebenfalls oft verschlossen gewesen sei.

Maxime, ein weiterer ehemaliger Kellner im «Le Constellation» bestätigt das. «Es bestand definitiv ein Risiko, die Feuerschutzmassnahmen waren mangelhaft.» Die Angestellten seien nicht instruiert worden, die Ausgänge seien verschlossen oder blockiert gewesen.

Charlie Hebdo empört mit Karikatur

00.30: Das Satire-Magazin «Charlie Hebdo» fällt immer wieder mit provokanten Karikaturen auf. So auch im Nachgang an die Feuer-Tragödie in Crans-Montana.

Die Zeichnung zeigt schwarze Skifahrer, die in Crans-Montana den Berg hinunterfahren, einige Flammen sind zu sehen. Dazu steht: «Les bronzés font du ski» (zu Deutsche etwa «Die Sonnengebräunten fahren Ski»). Es sei die «Komödie des Jahres».

charlie hebdo
Die Meinungen zu dieser Karikatur von Charlie Hebdo sind gemischt. - x

Auf X, vormals Twitter, hagelt es Kritik für die Zeichnung, sie sei nicht Meinungsfreiheit oder schlechter Geschmack, sondern «absolute Unmenschlichkeit». Andere User finden es schrecklich, sich über 14-jährige Kinder lustig zu machen, die unter Qualen gestorben sind. Es wäre besser, mit den Karikaturen auf die Betreiber oder die Behörden als auf die Opfer zu zielen.

Andere Nutzer hingegen verteidigen die Zeitschrift: Sie habe schon immer provokative Zeichnungen veröffentlicht, es dürfe in diesem Bereich keine Grenzen geben.

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