Crans-Montana: Flucht dauerte laut Simulation fast 7 Minuten
Warum konnten so viele Menschen die Unglücksbar «Le Constellation» in Crans-Montana nicht rechtzeitig verlassen? Eine neue Simulation könnte Antworten liefern.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Evakuierung der Bar «Le Constellation» dauerte laut einer Simulation sieben Minuten.
- Das Modell geht vom wahrscheinlichsten Szenario mit einem Fluchtweg aus.
- Mehr Notausgänge hätten die Evakuierungszeit womöglich deutlich verringert.
Bei der Aufarbeitung der Brandkatastrophe von Crans-Montana gerieten rasch die vermutlich unzureichenden Fluchtmöglichkeiten in den öffentlichen Fokus. Nun zeigt eine neue Simulation: Mehr Notausgänge hätten die Evakuierungszeit deutlich verringern können.
Was sich genau nach Ausbruch des Feuers in der Bar ereignet hat, ist unklar. Medienberichte und Zeugenaussagen lassen jedoch darauf schliessen, dass die Evakuierung nicht schnell genug verlaufen ist.
Schmale Treppe bildete tödliches Nadelöhr
Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass es in der Unglücksnacht nur einen Fluchtweg aus der brennenden Bar gab. Dieser führte über eine schmale Treppe ins Erdgeschoss und von dort über die Terrasse nach draussen.
Die Brandschutzfirma BIQS hat dieses Szenario mit einer Simulation rekonstruiert. Dies unter der Annahme, dass sich in der Kellerbar, sowie im Erdgeschoss je 150 Personen aufhielten.
Wie Geschäftsführer Florent Lushta gegenüber SRF erklärt, dauerte die Evakuierung gemäss der Simulation fast sieben Minuten. Ein Nadelöhr war dabei wohl vor allem die Treppe, die aus der brennenden Bar ins Erdgeschoss führte.

Davor bildete sich vermutlich ein grosser Stau. Der Brandschutzexperte vermutet, dass die Menschen zwischen 70 und 90 Sekunden vor der Treppe ausharren mussten. Dort wurden auch die meisten der 40 Todesopfer gefunden.
Mehr Fluchtwege hätten Evakuierungszeit verkürzen können
Laut SRF gab es womöglich einen zweiten Fluchtweg über das Untergeschoss. Dieser war in der Unglücksnacht aber mutmasslich verschlossen. Das Modell von BIQS zeigt: Mit diesem, zweiten Fluchtweg, hätte die Evakuierung des Lokals nur vier Minuten gedauert.
Die Brandschutzfirma hat noch ein drittes Szenario durchgespielt. Dieses geht von einem vorschriftsgemäss erforderlichen dritten Fluchtweg über eine Seitentüre im Erdgeschoss aus. In diesem Szenario hätten alle 300 Besucher die Bar innerhalb von 2 Minuten und 20 Sekunden verlassen können.
Wichtig ist: Hierbei handelt es sich um ein simuliertes Modell, welches die Realität nicht vollständig widerspiegelt. Möglicherweise gab es weitere Faktoren, welche die Flucht erschwert haben könnten.
Die Simulationen zeigen aber: Mit einem zweiten oder dritten Fluchtweg hätten die Opfer der Feuerhölle deutlich schneller entkommen können.

















