Seit Montag gilt in ganz Österreich ein Lockdown für Ungeimpfte. Wird die Schweiz nachziehen? Virologe Andreas Cerny fände dies grundsätzlich sinnvoll.
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Andreas Cerny, Virologe, hält den Lockdown für Ungeimpfte für sinnvoll. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In Österreich gilt seit Beginn der Woche ein Lockdown für Ungeimpfte.
  • Virologe Andreas Cerny findet diesen Beschluss sinnvoll.
  • Er erklärt, wieso und was die Schweiz in Sachen Massnahmen jetzt tun muss.

Kein Kino, kein Restaurant, keine Treffen mit Freunden. Auch alle Schweizer kennen diese Einschränkungen aus dem ersten und zweiten Lockdown. In Österreich sehen sich Ungeimpfte derzeit mit einem Déjà-Vu konfrontiert. Für sie gilt seit Montag erneut ein Lockdown.

Coronavirus: Impfung führt nicht durch fünfte Welle

Der Schweizer Virologe Andreas Cerny findet die Massnahme gut. «Sie ist durchaus sinnvoll», sagt er zu Nau.ch. Man kenne solche Verfahren bereits von Pandemien oder Krankheitsausbrüchen der Vergangenheit. «Wie schon früher zum Beispiel in Zeiten der Pest war die Trennung von Kranken und Gesunden ein gängiges Verfahren.»

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Kino, Clubs oder Shopping – wegen des Lockdown für Ungeimpfte in Österreich nicht mehr möglich. - Keystone

Dennoch würde Cerny die Regel in der Schweiz nicht gleich anwenden wie in Österreich. Quasi-Ausgangsverbote für Ungeimpfte findet er für die Schweiz etwas zu radikal. «Eine solche Beschneidung des Alltags wird hier wohl nicht eingeführt», so der Virologe. Durchaus denkbar seien aber eine erweiterte Maskenpflicht oder eine 2G-Regel für spezifische Orte oder Veranstaltungen.

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Andreas Cerny ist Virologe in der Privatklinik Moncucco in Lugano TI. - Screenshot SRF

Sowieso, findet Cerny, sei es nun wieder an der Zeit für schärfere Massnahmen.

Der Haken daran: «Diese schränken auch unsere Freiheit weiter ein.» Dennoch: Besonders an den Schulen müsse man sich über den Umgang mit der Pandemie Gedanken machen. Das Virus komme derzeit von Norden und Osten her in die Schweiz. Häufig infizierten sich Kinder und Jugendliche.

«In den Schulen der verschiedenen Kantone sehen wir derzeit einen Flickenteppich bei der Maskenpflicht. Da gibt es noch Potenzial nach oben», so Cerny. Als geeignete Vorlage zieht der Virologe den Massnahmen-Katalog Österreichs herbei.

Was halten Sie von einem Lockdown für Ungeimpfte?

Dort werden Schulkinder ab sechs Jahren dreimal wöchentlich getestet. Sind die Tests negativ, wird der sogenannte «Ninja-Pass» ausgestellt. Dieser gilt beim Absolvieren aller drei Tests auch fürs Wochenende.

Cerny will Maskenpflicht verschärfen

Weiter müsste gemäss Cerny die Maskenpflicht wieder vermehrt eingeführt werden. Etwa bei Sportveranstaltungen wie Eishockey-Spielen oder überall dort, wo viele Menschen zusammenkommen. «Man sieht jetzt schon, dass Besucherinnen und Besucher solcher Veranstaltungen dies bereits spontan tun. Sie haben den Ernst der Lage erkannt», sagt Cerny.

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2G-Regeln und eine erweiterte Maskenpflicht hält Andreas Cerny für sinnvoll im Kampf gegen das Coronavirus. - Keystone

Länder wie Österreich oder Italien würden viel schneller und effizienter reagieren, so Cerny. Das Verfahren der Vernehmlassung hierzulande sei zu träge, findet er. «Top-Down-Verfahren sind in akuten Krisen effizienter.»

Hierzulande sehe man derzeit viele Covid-Patienten, die keinen Impfschutz mehr hätten. «Die dritte Impfung wird derzeit verabreicht. Aber das geht noch zu langsam vor sich.»

Althaus ebenfalls für mehr Massnahmen

Auch Epidemiologe Christian Althaus spricht sich in einem Interview mit der «NZZ» für eine Ausweitung der Maskenpflicht und Homeoffice aus. Stärkere Massnahmen seien aber nur noch schwierig zu rechtfertigen, von 2G hält er nicht viel. «Es darf nicht sein, dass die Ungeimpften die Gesellschaft in Geiselhaft nehmen», so Althaus.

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