In der Schweiz gehen Spitäler langsam zum Normal-Modus über. Viele Mitarbeiter müssen nun aber wegen des Coronavirus unverschuldete Minusstunden abarbeiten.
Coronavirus
Pflegerinnen in einer Klinik. - dpa/AFP/Archiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • Wegen der Beruhigung der Corona-Krise kehren die CH-Spitäler in den Normal-Modus zurück.
  • Wer während der Pandemie nicht zum Einsatz kam, hat jetzt natürlich einige Minusstunden.
  • Diese müssen in vielen Spitälern abgearbeitet werden – der Frust beim Personal ist gross.

Die Krise rund um das Coronavirus in der Schweiz hat sich etwas beruhigt. Deshalb kehren hierzulande auch die Spitäler aus dem Pandemie-Modus zurück.

Für viele Pflegende, die während der Krise nicht im Einsatz standen, heisst es nun plötzlich: Unverschuldete Minusstunden abarbeiten!

Ein Bericht des «Kassensturz» zeigt: Der Frust darüber ist beim Pflegepersonal verständlich gross. Viele berichten etwa, dass sie schon im Normalbetrieb physisch und psychisch an ihre Grenzen gehen.

Minusstunden abarbeiten sei empörend, sagt etwa eine Betroffene. Sich gegen die Ungerechtigkeit zu wehren, wagt jedoch aber kaum jemand. Zu gross sei die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, heisst es in dem Bericht.

Erik Grossenbacher Coronavrirus
Laut Erik Grossenbacher, Geschäftsleiter des Berufsverbands der Pflegenden Aargau Solothurn, fehlt es bei den Spitälern an Wertschätzung. - Screenshot/SRF

Der Unmut bei den Berufsverbänden ist aber entsprechend gross. Erik Grossenbacher, Geschäftsleiter des Berufsverbands der Pflegenden Aargau Solothurn: «Man setzt sich ein mit Kraft, Energie und Herzblut. Zum Dank muss man das unternehmerische Risiko tragen.»

Auch Edith Wohlfender, Geschäftsführerin des Berufsverbands der Pflegenden in der Ostschweiz, ärgert sich: «Ich stelle fest, dass auf dem Buckel der Pflegenden gespart wird.» Sie als Sozialpartner würden bei solchen Entscheidungen nicht eingeladen, so Wohlfender.

Minusstunden sollten wegen Coronavirus nicht anfallen

Der «Kassensturz» hat bei 30 Spitälern in der Schweiz nachgefragt. Viele haben den Entscheid wie folgt begründet: Der Abbau von Minusstunden per Überstunden trage zur Arbeitsplatzsicherheit bei.

Nur drei Spitäler haben laut dem Bericht gesagt, dass Minusstunden nicht auf das Personal übergewälzt werden. Letztere gehen gemäss renommierten Rechtsgelehrten den korrekten Weg.

Minusstunden Coronavirus
Von 30 angefragten Spitälern in der Schweiz, sagten lediglich drei ganz klar: Minusstunden wegen des Coronavirus werden nicht auf das Personal überwälzt. - Keystone

Fachanwalt und Arbeitsrechtdozent Roger Hischier sagt: «Wenn Minusstunden im Zusammenhang mit dieser Pandemie aufgelaufen sind, dann darf man diese nicht nacharbeiten lassen.»

Man müsse in solchen Fällen, wie jetzt mit dem Coronavirus, den Lohn zahlen, das sei das Risiko des Arbeitgebers. «Und dieser hat dafür einzustehen», so Hischier.

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