In der Schweiz steigen die Ansteckungen mit dem Coronavirus wieder. Für einige ist die Vorstellung eines neuen Lockdowns halb so wild – sie vermissen ihn gar.
Coronavirus
Die meisten sind froh, ist der wegen des Coronavirus verordnete Lockdown vorbei. Doch einige vermissen die Zeit. (Symbolbild) - Pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Einer deutschen Studie zufolge vermissen manche Menschen Aspekte des Lockdowns.
  • Auch in der Schweiz ist das Phänomen bekannt.
  • Eine Psychologin erklärt, warum sich einige mit den Einschränkungen so wohl fühlten.

Während sich die einen angesichts steigender Fallzahlen mit dem Coronavirus um wiedergewonnene Freiheiten sorgen, vermissen andere den Lockdown. Besonders Menschen mit sozialen Ängsten nahmen die virus-bedingte Zeit im Homeoffice entschleunigend wahr.

Homeoffice
Wegen des Coronavirus haben viele ihre Arbeit ins Homeoffice verlegt. Und vermissen dies nun teilweise. - DPA

Laut einer deutschen Studie trauern etwa zehn Prozent der über 40-Jährigen bestimmten Dingen aus dem Lockdown nach. Acht Prozent der 26- bis 39-Jährigen würden ihren Corona-Alltag am liebsten ganz beibehalten. Bei den über 56-Jährigen sind es sieben Prozent.

Auch hierzulande ist das Phänomen bekannt – und schafft es oft in die Praxis von Psychologin Jacqueline Frossard. «Ich höre immer wieder, dass Menschen gewisse Lockdown-Momente vermissen», sagt sie gegenüber Nau.ch. Ihr werde aber auch viel Dankbarkeit über jede Öffnung, die möglich wird, zugetragen.

Coronavirus brachte Menschen mit Sozial-Phobie Erholung

Gut hingegen tat die Zeit denjenigen, die sie am meisten genossen, nicht unbedingt. «Besonders für Menschen mit einer sozialen Phobie oder Angststörung war der Lockdown eine Erholungsphase. Allerdings eine trügerische. Denn danach wird der Kontakt mit den Mitmenschen noch schwieriger als er schon vorher war», führt die Psychologin aus.

Coronavirus
Wegen des Coronavirus mussten wir zu Hause bleiben – einigen kam das gelegen. (Symbolbild) - Pixabay

Häufig vermisst wird laut Frossard die Entschleunigung, die das Coronavirus und der damit eingehende Lockdown brachten. «Es kehrte eine Ruhe ein, die von vielen geschätzt wurde. Auch wenn sie sich das zu Beginn des Lockdowns nicht hätten vorstellen können.»

Psychologin: «Einige befürchteten, kommunizieren verlernt zu haben»

Nun könnte sich der eine oder andere fragen: Wieso trauern diese Leute den Corona-Einschränkungen nach? Es hindert sie ja niemand daran, weiterhin mehr zu Hause zu bleiben, oder?

So einfach sei das nicht, erklärt Frossard. «Gerade begeisterungsfähige Menschen haben Mühe, zu Hause zu bleiben, wenn draussen das Leben pulsiert. Viel einfacher ist das im Gleichklang mit den anderen.»

Vermissen auch Sie Aspekte des Lockdowns?

Einige haderten mit der Rückkehr zur Normalität. «Sie befürchteten, das zwischenmenschliche Kommunizieren verlernt zu haben», schildert die Psychologin.

Anderen wiederum graute es beim Gedanken daran, dass nun die «ewige Küsserei» wieder anfange. «Glücklicherweise konnten diese Art der Befürchtungen in der Regel gut überwunden werden.»

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