Wegen des Coronavirus hat der Bundesrat die Zertifikatspflicht ausgeweitet. Eine Ethik-Expertin warnt nun vor einer Radikalisierung der Befürworter und Gegner.
Coronavirus Impfung
Die Impfkampagne gegen das Coronavirus ist immer noch am Laufen. Doch es sind längst nicht alle Impf-Befürworter. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab kommendem Montag wird die Covid-Zertifikatspflicht ausgedehnt.
  • Dieser Ausweitung sieht Ethik-Expertin Ruth Baumann-Hölzle kritisch entgegen.
  • Es drohe eine Radikalisierung von Befürwortern und Gegnern.

Der Bundesrat zieht die Schraube für Ungeimpfte an und verschärft die bestehenden Corona-Massnahmen.

Ab kommendem Montag stehen die Innenbereiche von Restaurants, Kinos, Zoos oder Fitnesszentren nur noch Geimpften, Genesenen und Getesteten offen.

Coronavirus Zertifikat
Nicht nur Maskenpflicht: Bundesrat Alain Berset weitet die Zertifikatspflicht wegen des Coronavirus aus. - keystone

Grund dafür ist die angespannte Lage in den Spitälern: Dort seien die Intensivstationen wegen des Coronavirus wieder sehr stark ausgelastet, warnte Gesundheitsminister Alain Berset während einer Medienkonferenz.

Coronavirus: Ethik-Expertin kritisiert Zertifikatsausweitung

Nicht alle sind mit der Ausdehnung der Zertifikatspflicht einverstanden. So wird der Bundesrats-Entscheid etwa von Gastrosuisse kritisiert: «Die Zertifikatsausweitung führt zu einer krassen Ungleichbehandlung in der Bevölkerung», schreibt der Gastronomieverband auf Anfrage.

Auch Ruth Baumann-Hölzle, Leiterin von Dialog Ethik, sieht der Ausdehnung problematisch entgegen. Vor allem gegenüber der Aufhebung der Gratis-Tests hat sie grosse Bedenken: «Es haben jetzt nur noch jene die Wahlfreiheit zwischen Impfung und Test, die es sich leisten können.»

Ruth Baumann-Hölzle
Ruth Baumann-Hölzle ist - zvg

Das sei eine klare Ungleichbehandlung, welche die Spaltung der Gesellschaft weiter verschärfen werde: «Damit riskieren wir eine Radikalisierung von Impfgegnern, aber auch von Befürwortern der Massnahmen», sagt die Ethik-Expertin.

Ethik-Expertin: «So etwas darf es in einem Rechtsstaat nicht geben»

Das zeige auch das jüngste Beispiel des Zürcher Alba-Festivals, welches kurzfristig von den Behörden abgesagt wurde. Gleichzeitig konnte die Pride-Parade aber stattfinden, die «mehr als eine Kundgebung war und sehr wohl auch Festcharakter hatte», findet Baumann-Hölzle.

«So etwas darf es in einem Rechtsstaat nicht geben. Das wirkt wie Gift auf die Gesellschaft», sagt die Ethikerin.

Pride Zürich Alba-Festival
Das Alba-Festival musste die Zelte abbrechen, die Pride Zürich durfte stattfinden. - Keystone

Solche kontroversen Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus hätten nämlich direkten Einfluss auf die Stimmung der Bevölkerung: «Damit setzen die Behörden das Vertrauen der Bevölkerung aufs Spiel, was wiederum eine Radikalisierung anheizt.»

Was halten Sie von der Zertifikatsausweitung?

Genau das gelte es aber jetzt zu verhindern: «Die Politik sollte sich hinterfragen, was erforderlich ist, damit wir friedlich miteinander leben können und entsprechend zu handeln.» Aus ihrer Sicht sei das im Moment eine zumindest ebenso wichtige Frage, wie über Zertifikatsausweitungen zu diskutieren.

Bilder von einer Demonstration gegen die Corona-Massnahmen am Mittwoch in Bern stellen die bereits fortgeschrittene Radikalisierung in den Vordergrund. Ein Skeptiker zeigt den Hitlergruss in Richtung der Gegendemonstranten. Die Polizei hat inzwischen Abklärungen eingeleitet.

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Ein Mann zeigt den Hitlergruss an einer Demo gegen die Massnahmen zum Coronavirus in Bern. - Screenshot Twitter

Ebenfalls an der selben Demonstation wurde ein Plakat sichergestellt, welches ein Hakenkreuz zeigte.

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