Eigentlich sind die Bergregionen auf Unfallpatienten aus dem Wintersport eingestellt. Doch im Berner Oberland setzt das Coronavirus dem Spitalbetrieb zu.
Coronavirus Spital Interlaken
Das alpine Notfallzentrum in Interlaken. - Spitäler FMI
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Das Wichtigste in Kürze

  • Spital-Geschäftsführer Urs Gehrig warnt: Die Lage im Berner Oberland spitzt sich zu.
  • Die Kapazitäten sind aufgrund des Coronavirus weitgehend ausgeschöpft.
  • Die Überweisung der Wintersport-Patienten in andere Spitäler wäre ein letzter Ausweg.

Schweizweit schlagen die Spitäler Alarm. Das Universitätsspital Zürich warnte heute an einer Pressekonferenz, dass es an seine Kapazitätsgrenze stösst. In Graubünden überlegt die Kantonsregierung, Wintersport-Unfallpatienten in den Herkunftskantonen behandeln zu lassen. Die Spitäler in den Bergregionen sind durch den Skitourismus und das Coronavirus gleich doppelt belastet.

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Die Idylle beim Spital Frutigen trügt: Das Coronavirus macht dem Berner Oberland zu schaffen. (Archivbild) - Spitäler FMI

Die Situation verschärft sich – das bestätigt auch Urs Gehrig, CEO der Spitäler fmi. Mit Standorten in Frutigen und Interlaken gehört das östliche Berner Oberland und dessen Skigebiete in das Einzugsgebiet der Spitäler.

Berner Oberland an Belastungsgrenze

«Die Covid-Fälle nehmen in der Region zu», erklärt Gehrig auf Anfrage. «Wir sind an der Kapazitätsgrenze und haben deshalb den Betrieb heruntergefahren.»

Es würden bereits nur noch dringliche Eingriffe uns Notfälle behandelt, darunter fallen auch Unfälle im Wintersport. Diese sind mit dem Beginn der Skisaison für einen deutlichen Mehraufwand in den Spitälern verantwortlich. Die Rega flog nach eigenen Angaben am vergangenen Wochenende schweizweit 20 Rettungseinsätze für verunfallte Wintersportler.

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Die Rega fliegt wie jeden Winter viele Rettungseinsätze in den Skigebieten. Normalerweise sind die Spitäler genau dafür ausgelegt – nun werden die zusätzlichen Unfallpatienten zur Belastung. - Keystone

Dass die Lage bereits seit längerem angespannt ist, merken die Spitäler zusätzlich. Gewisse nicht-dringliche Eingriffe werden mit der Zeit zu dringlichen: «Es entstehen Schäden, weil die Behandlung zu weit aufgeschoben werden muss», so Gehrig.

Verlegung der Patienten als letzter Ausweg

«Wir befürchten, dass sich mit den aktuellen Massnahmen die Lage nicht verbessert», warnt Gehrig. «Das würde bedeuten, dass wir bald gar keine freien Betten mehr haben.»

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Sind die Kapazitäten aufgebraucht, müssen Patienten verlegt werden. Erste Anlaufstelle sind oft die städtischen Universitätsspitälter. Doch in Zürich das Universitätsspital ebenfalls vor Auslastung. - Keystone

Lassen sich keine Kapazitäten mehr schaffen, müssten Patienten unter Umständen in andere Spitäler verlegt werden, beispielsweise Unfall-Patienten in ihre Heimatkantone. Mit dieser Überlegung steht der Kanton Graubünden also nicht alleine da. «Auch das ist natürlich schwierig», gibt Gehrig angesichts der angespannten Situation in der ganzen Deutschschweiz zu bedenken.

Schliessung der Skigebiete als mögliche Folge

Aus finanzieller Sicht sind die Wintersportler für die marktwirtschaftlich agierenden Spitäler der Bergregionen eine wichtige Einnahmequelle. «Unsere Region ist auf Touristen ausgerichtet. Wir wären nicht glücklich, wenn man die Skigebiete schliessen müsste», so Gehrig.

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Das Spital in Interlaken. - Spitäler FMI

Gleichzeitig vermutet Gehrig jedoch, dass durch den zunehmenden Touristen-Aufenthalt in der Region auch die Infektionen mit dem Coronavirus zunehmen. «Wir sind bisher in der Region relativ glimpflich davongekommen. Das sieht mittlerweile nicht mehr so aus.»

Daneben sieht sich das Spital mit einem zunehmenden Personalmangel konfrontiert: Zahlreiche Fachkräfte fallen aufgrund von Krankheit oder Quarantäne aus. «Mit diesem Verständnis der Situation sollten auch härtere Massnahmen in den Skigebieten gelten.»

Entspannung mit der Impfung gegen das Coronavirus?

Eine Besserung sieht Gehrig mit den kommenden Impfungen. «Wir bereiten derzeit ein eigenes Impfzentrum für die Impfung gegen das Coronavirus vor.» Mittelfristig erhoffe man sich damit eine Entspannung der Situation.

Bis dahin dürften jedoch noch einige Monate vergehen. Bis dahin dürften die Spitäler – gerade in den Bergregionen – noch eine schwierige Zeit vor sich haben.

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