Claire's-Chef wehrt sich gegen Schliessungs-Gerüchte

Rowena Goebel
Rowena Goebel

Bern,

Lange wurde gemunkelt, ob in der Schweiz das definitive Aus für die Kult-Schmuckkette Claire's droht. Der neue Chef erklärt Nau.ch exklusiv, was damit passiert.

Claire's
Die neueste Schliessung: Auch für die Filiale von Claire's in der Marktgasse von Bern ist es aus und vorbei. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Schmuckhändler Claire's steckte lange in der Krise, viele Filialen gingen zu.
  • Nun trifft es auch den Claire's-Laden in Bern – das Logo ist inzwischen verschwunden.
  • Mit den Schliessungen ist es jetzt vorbei, verspricht der neue Claire's-Chef.
  • Er hat einen Plan, wie es weitergehen soll – sowohl in Europa, als auch in der Schweiz.

Ohrringe, Handyhüllen, Glitzer und Einhörner – lange war Claire's DER Hotspot für Teenie-Meitli. Doch der US-Schmuckhändler steckt seit Jahren in der Krise. 2025 meldete er bereits zum zweiten Mal Insolvenz an, erstmals tat er das 2018.

Das US-Business ist inzwischen komplett vom europäischen Teil abgetrennt und musste zahlreiche Läden schliessen. In Europa ging Claire's in einigen Ländern Konkurs.

In der Schweiz zwar nie – doch auch hier lief es nicht mehr rund.

Vor wenigen Monaten folgt der Lichtblick: Der französische Investor Julien Jarjoura hat die Niederlassungen in der Schweiz, Österreich, Frankreich, Spanien und Portugal übernommen.

Gegenüber der britischen «Times» erklärt er, das Geschäft sei es wert, zu retten. Doch in der Schweiz zeichnet sich zunächst ein anderes Bild.

Filialen gehen zu – Gerüchte: Droht das Aus?

Denn: Mehrere Filialen schliessen – etwa das Claire's an der Zürcher Bahnhofstrasse und zwei Filialen in Bern. Ende 2025 geht zudem der Laden im Shoppingzentrum Pizolpark Mels SG zu.

Kurz nach dem Besitzerwechsel im Oktober berichtete SRF, dass Gutscheine nicht mehr eingelöst werden können.

Findest du es schade, dass viele Filialen geschlossen haben?

Im März wird bekannt, dass die beiden Tessiner Filialen in Grancia und Lugano schliessen. Und jetzt im April verschwindet das violette Claire's-Logo auch über der Tür des Ladens in der Berner Marktgasse.

In der Filiale im Zürcher Hauptbahnhof prangen überall rote Schildchen, die auf 70-Prozent-Rabatte hinweisen.

Claire's
Das Claire's im Zürcher Hauptbahnhof wirbt (an der Wand hinten) mit Rabatten von bis zu 70 Prozent. - Nau.ch

Die vielen Schliessungen und Rabatte befeuern die Gerüchteküche: Droht der Schmuckkette in der Schweiz jetzt doch das komplette Aus?

Claire's äusserte sich bislang nicht dazu. Doch jetzt bricht der neue Chef sein Schweigen.

«Von rund 40 Filialen mussten wir etwa 20 schliessen»

CEO Julien Jarjoura verrät Nau.ch exklusiv, was er mit der Schmuckkette in der Schweiz vorhat. Es ist sein erstes Interview dazu.

«Von rund 40 Filialen in der Schweiz mussten wir etwa 20 schliessen», erklärt er. Zu gingen beispielsweise die ganz teuren Standorte. Aber auch «zu grosse», wie die an der Zürcher Bahnhofstrasse oder zuletzt an der Berner Marktgasse.

«Aber dieser Prozess ist jetzt abgeschlossen.»

Weitere Filialen gehen also nur zu, wenn beispielsweise Mietverträge nicht verlängert werden. Aber die Schliessungs-Welle sei vorbei.

«Wir wollen in der Schweiz definitiv weitermachen. Schliessen ist keine Option», betont Der neue Chef.

Claire's hatte die Mieten sechs Monate lang nicht bezahlt

Jarjoura, ursprünglich aus Frankreich, heute aber in der Schweiz wohnhaft, ist seit 20 Jahren im Mode- und Schmuckbusiness tätig. Seit letztem Herbst gehören ihm mit seiner Firma in Thalwil ZH alle Schweizer Claire's-Stores.

Aktuell fehlen ihm nur noch die Läden in Italien und dem Vereinigten Königreich. Dann hat er das gesamte alte europäische Claire's-Netz wieder beisammen. In den beiden letzten Ländern laufen aktuell die Verhandlungen.

claire's
Eine der Filialen, die überlebt hat: Der Store im Tourismusort Interlaken BE. - Instagram/claires.interlaken

«Es ist ein aufwändiger Prozess», sagt er. Früher wurde Claire's in Europa nur von Birmingham in Grossbritannien aus gesteuert. «Dort haben sie aber alle Mitarbeitenden entlassen.»

Viel Know-How ist also verloren gegangen. Und Aufräumen war schwierig. «Sie hatten die Mieten fünf oder sechs Monate lang nicht bezahlt», berichtet Jarjoura.

«Haben jetzt gesundes Unternehmen»

In der Branche ist es nicht leicht – die Konkurrenz ist gross und die Kundschaft teilweise ins Internet abgewandert. Chinesische Billigst-Anbieter wie Temu kennt inzwischen auch in der Schweiz jeder.

«Claire's hatte früher rund 900 Filialen in ganz Europa. Heute sind es noch etwa 300.» Das sei aber richtig so, erklärt Jarjoura. «Jetzt haben wir ein gesundes Unternehmen.»

Kaufst du Accessoires lieber im Netz oder vor Ort im Geschäft?

Sein Plan: Neues Angebot, günstigere Preise, klare Fokussierung auf die Zielgruppe Meitli und Teenager. Kurz: Die Kette sowohl in der Schweiz als auch im Rest von Europa wieder profitabel zu machen.

Und zwar langfristig. «Ich habe für die nächsten zehn Jahre das Recht, den Namen Claire's in Europa zu verwenden», sagt er.

Der neue CEO will sich künftig stärker auf Ohrlochstechen und das Einkaufserlebnis im Geschäft konzentrieren. Dinge, die man nicht im Netz bestellen kann.

CEO will Kunden nicht mehr zum Mehr-Kaufen drängen

Der nächste Schritt ist es, als Fast-Fashion-Marke neue, eigene Produkte in die Läden zu bringen. Beispielsweise koreanische Make-up-Produkte, Strass-Steinchen zum Aufkleben und abwaschbare Tattoos.

Dass die neuen Produkte bald kommen sollen, erklärt auch die 70-Prozent-Rabatte in der Zürcher Filiale. Der Restbestand muss weg.

Jarjoura, selbst Vater von zwei Kindern, stellt klar: «Wir verkaufen wieder Produkte speziell für Mädchen. Mit Taschen für die Mutter oder die Grossmutter, die es zuletzt bei Claire's auch gab, ist es vorbei.»

Auch Schluss sei mit der «Kauf vier, zahle drei»-Strategie.

«So wird die Kundschaft dazu gedrängt, mehr zu kaufen, als sie vielleicht möchte. Als Vater merke ich mir das und gehe das nächste Mal nicht wieder hin», sagt er.

Stattdessen will er die Preise für alle Produkte um 30 Prozent senken. «So kann ich einfach etwas kaufen, wenn ich nur eine Sache will. Aber ich kann auch zwei, drei, vier Dinge zu einem günstigen, aber fairen Preis kaufen.»

All das soll in den nächsten Monaten allmählich umgesetzt werden. Längerfristig plant Julien Jarjoura dann, auch alle Filialen passend zu den neuen Produkten zu renovieren.

«Es braucht zwar etwas Zeit, aber Claire's ist hier, um zu bleiben», sagt er.

Kommentare

User #3037 (nicht angemeldet)

Es wird etwas schreckliches passieren.

User #2700 (nicht angemeldet)

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