Bundesgericht

    Bundesgericht: Obergericht hat bei Brian unzureichend begründet

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Lausanne,

    Das Obergericht Zürich habe zwei Privatgutachten von Brian nicht ausreichend in die Begründung ihres Entscheids einbezogen. Das sagt das Bundesgericht.

    brian bundesgericht
    Seit Jahren im Clinch mit der Justiz: Der 25-jährige «Carlos», der eigentlich Brian heisst. Mittlerweile möchte er in den Medien mit seinem richtigen Namen bezeichnet werden. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/Linda Graedel

    Das Wichtigste in Kürze

    • Laut Bundesgericht hat das Obergericht Zürich bei Brian unzureichend begründet.
    • Es geht um den Entscheid zur Verlängerung der Sicherheitshaft bis zum Strafvollzugsbeginn.
    • Die Beschwerde von Brian wurde somit gutgeheissen.

    Das Obergericht Zürich hat seinen Entscheid zur Verlängerung der Sicherheitshaft von Brian bis zum Beginn des Strafvollzugs unzureichend begründet. Dies hat das Bundesgericht entschieden. Es hat eine Beschwerde des 25-jährigen Mannes teilweise gutgeheissen.

    Man habe zwei von Brian eingereichte Privatgutachten nicht ausreichend in die Begründung ihres Entscheids einbezogen. Das führt das Bundesgericht in einem am Dienstag veröffentlichten Urteil aus. Damit habe sie den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Bei den Privatgutachten ging es um die psychischen und sozialen Auswirkungen des strikten Haftregimes.

    Bundesgericht fordert vertiefte Auseinandersetzung

    Der von den Medien ursprünglich als «Carlos» benannte Brian ist in der Sicherheitsabteilung der Justizvollzugsanstalt Pöschwies ZH untergebracht. 23 Stunden pro Tag ist er in einer Einzelzelle eingesperrt. Beim täglichen, einstündigen Spaziergang hat er keine sozialen Kontakte zu anderen Gefangenen. Er wird lediglich vom Sicherheitspersonal begleitet.

    schweizerisches bundesgericht
    Das Bundesgericht in Lausanne. - Keystone

    Dieses strikte Regime verlangt laut Bundesgericht eine vertiefte Auseinandersetzung, was das Zürcher Obergericht nicht gemacht habe. Es sei zu erwarten, dass sich grundsätzliche Überlegungen zur weiteren Unterbringung des Mannes und zu Lockerungen der Haftbedingungen gemacht werden.

    Es bedürfe einer Perspektive. Dies könne eine Haftverlängerung allenfalls zulässig machen, auch wenn das Haftregime nicht sofort gelockert werde.

    Hängiges Verfahren

    Das Zürcher Obergericht verurteilte Brian im Juni zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und vier Monaten. Es befand ihn der Körperverletzung, Beschimpfung, Drohung, mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie der Sachbeschädigung für schuldig.

    brian
    Der berühmteste Häftling der Schweiz kommt unerwartet bereits am Freitag frei. - SRF

    Der 25-Jährige war angeklagt, weil er in 29 Fällen Mitarbeiter und Mithäftlinge im Gefängnis Pöschwies angegriffen und teilweise verletzt hatte. Brian und die Zürcher Staatsanwaltschaft haben das Urteil ans Bundesgericht weitergezogen, wo der Fall hängig ist.

    Der Uno-Sonderberichterstatter für Folter, der Schweizer Jurist Nils Melzer, intervenierte im Juni wegen der Haftbedingungen von Brian beim Aussendepartement. Er verlangte eine schriftliche Stellungnahme zur unterdessen rund drei Jahre andauernden Isolationshaft. Eine solche darf gemäss Uno-Standards nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen und in keinem Fall länger als 15 Tage dauern.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    brian
    36 Interaktionen
    Fall «Carlos»
    brian
    156 Interaktionen
    40'000 Franken
    brian
    42 Interaktionen
    Fall «Carlos»

    MEHR IN NEWS

    andrea bauer
    Apropos
    Roger Pitton (GLP)
    Roger Pitton (GLP)
    Aemtlerwiese bleibt umkämpft
    Zürich
    Miami

    MEHR BUNDESGERICHT

    donzallaz
    14 Interaktionen
    Nach Leak
    Schweizerisches Bundesgericht
    2 Interaktionen
    Bern

    MEHR AUS LAUSANNE

    a
    6 Interaktionen
    Nach 1,5 Jahren
    Lausanne
    1 Interaktionen
    Lausanne
    Hacker
    1 Interaktionen
    Lausanne
    Sophie Michaud Gigon
    8 Interaktionen
    Lausanne