Gewalt

    Bund will mehr Opfer sexueller Gewalt zu Anzeigen bewegen

    Keystone-SDA
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    Bern,

    Die Zahl der von Opfern angezeigten Sexualstraftaten soll steigen. Das Vertrauen der Opfer in die Behörden sei dabei wichtig, so der Bund.

    Sexueller Übergriff
    Die Zahl der Fälle sexueller Gewalt in Konflikten ist seit 2022 um die Hälfte gestiegen. (Symbolbild) - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Bund will mehr Opfer sexueller Gewalt zu Anzeigen bewegen.
    • «Viele Frauen haben Angst vor dem Verfahren», so Bundesrätin Keller-Sutter.

    Das Vertrauen der Opfer von sexueller Gewalt in die Behörden ist wichtig, um Täter und Täterinnen verurteilen zu können. Die zuständigen Stellen bei Bund und Kantonen haben den Dialog «Sexuelle Gewalt» lanciert, in dessen Zentrum die Begleitung der Opfer, die vereinheitlichte Ausbildung der Behörden und die Verbesserung der Datenlage stehen.

    Am ersten Treffen am Montag nahmen Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Kantonen sowie von Polizeien und Strafverfolgungsbehörden eine erste Bestandesaufnahme vor.

    Bund vertieft drei Handlungsfelder

    Es seien drei Handlungsfelder definiert worden, die nun vertieft würden, berichtete Justizministerin Karin Keller-Sutter nach dem Treffen in Bern vor den Medien.

    Zuerst einmal solle die Datenlage geklärt werden, etwa zur Zahl der Anzeigen und Verurteilungen. Das zweite Feld seien die Begleitung und Unterstützung der Opfer im Strafprozess und das dritte vereinheitlichte Aus- und Weiterbildungen zum Thema sexuelle Gewalt bei Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten.

    Karin Keller-Sutter
    «Die Fortschritte, für die wir jahrzehntelang gekämpft haben, sind nun in zu vielen Ländern gefährdet», so die Bundespräsidentin. (Archivbild) - sda

    Das Parlament debattiert derzeit die Revision des Sexualstrafrechts. Umstritten ist, ob künftig «Nur Ja heisst Ja» oder aber «Nein heisst Nein» im Gesetz verankert werden soll. Je nachdem begeht eine Straftat, wer eine sexuelle Handlung an einer Person ohne deren Zustimmung oder trotz deren ausdrücklicher Ablehnung vornimmt.

    «Viele Frauen haben Angst vor dem Verfahren»

    Die laufende Revision werde so oder so eine Etappe sein, sagte Keller-Sutter. Damit aber effektiv mehr Delikte angezeigt würden als heute, sei es wichtig, die Opfer zu beraten und zu begleiten und ihre Erwartungen und Ängste ernst zu nehmen. «Viele Frauen haben Angst vor dem Verfahren», so Keller-Sutter.

    Die Statistik zeige, dass nur wenige Sexualstraftaten zu einer Anzeige führten, sagte der Tessiner Staatsrat Norman Gobbi namens der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD). «Das macht uns Sorgen.» Gründe für die Zurückhaltung der Opfer könnten Beziehungen zu Tätern oder Abhängigkeit von ihnen sein.

    Keller-Sutter hob ein Angebot des Universitätsspitals Lausanne als gutes Beispiel hervor. Opfer von Sexualstraftaten könnten sich dort untersuchen lassen, und die Befunde würden danach aufbewahrt. Sollte das Opfer sich später für eine Anzeige entscheiden, stünden die erhobenen Beweise für das Verfahren zur Verfügung.

    Die Datengrundlagen zu Anzeigen von Sexualstraftaten seien nicht sehr ausgegoren, sagte Keller-Sutter. Es gebe grosse Differenzen zwischen den Kantonen. «Hier müssen wir präziser werden.»

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