Besitzer tracken ihre Büsis mit Airtags – Apple warnt
Immer mehr Halter rüsten ihre Haustiere mit Airtags & anderen Bluetooth-Trackern aus. Während Tierschützer klare Vorteile sehen, rät Hersteller Apple davon ab.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Aushang warnt, eine Katze nicht zu füttern – sie werde per Airtag überwacht.
- Haustier-Tracking boomt. Das zeigen etwa die steigenden Absätze von Zubehör bei Galaxus.
- Eine Tierschützerin sieht Tracker positiv, aber auch Unterschiede und Sicherheitsrisiken.
- Apple selbst rät von Airtags für Haustiere ab.
Katzenhalter sehen es in der Regel nicht gern, wenn ihre Lieblinge auswärts verköstigt werden. Besonders deutlich zeigt dies ein anonym verfasster Aushang, der kürzlich auf Reddit veröffentlicht wurde.
Zu sehen ist eine Katze auf einem Bett, darunter in fetten Lettern der Hinweis an die Nachbarschaft: Man solle sie weder füttern noch in die Wohnung lassen. Denn der Stubentiger benötige Spezialfutter – «anderes Futter kann seine Gesundheit gefährden! »
Um ihrer Bitte Nachdruck zu verleihen, verweisen die Besitzer auf einen Airtag, den der Kater auf sich trägt: «Daher können wir jederzeit nachvollziehen, wo er sich befindet.» Sollten die Hinweise ignoriert werden, behalte man sich weitere Schritte vor und informiere «gegebenenfalls die Polizei».
Haustier-Tracker erleben einen Boom
Das Beispiel steht exemplarisch für einen Trend: Handelsübliche Bluetooth-Tracker wie Apples Airtag werden zunehmend auch zur Ortung von Haustieren eingesetzt.
Das zeigen etwa die stark steigenden Absätze von Zubehör-Artikeln beim Online-Riesen Galaxus. 2025 seien «rund 140 Prozent mehr Tracking-Halsbänder» verkauft worden als noch vor zwei Jahren, sagt Sprecher Tobias Heller. Gegenüber 2024 betrage das Plus rund 70 Prozent.
Halsbänder und Halterungen für Airtags machten 2025 laut Heller «rund ein Viertel aller Verkäufe» in diesem Segment aus.
Besonders in den Sommermonaten steigen die Verkäufe, so der Sprecher. Dann sind Tiere häufiger draussen unterwegs, begleiten ihre Besitzer auf Wanderungen oder Reisen. «Mit den Trackern können sie jederzeit sehen, wo sich ihr Liebling gerade befindet, und haben so ein beruhigendes Sicherheitsgefühl.»
Tierschützerin: Tracker grundsätzlich sinnvoll – aber auch mit Nachteilen
Doch wie sieht es aus Sicht des Tierwohls aus?
Für Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Netap, überwiegt klar der Nutzen. Die Chance, ein entlaufenes Tier wiederzufinden, sei ungleich höher. «Wir empfehlen Haltern, den Katzen einen Tracker anzuziehen, wenn diese unkontrollierten Freigang geniessen», sagt Geisser.
Gleichwohl hätten alle Systeme ihre Vor- und Nachteile, räumt sie ein. Geräte mit kurzer Batterielaufzeit müssten häufig geladen werden. «Das ist ein grosser Nachteil, insbesondere wenn man nicht umgehend reagiert, sollte die Katze einmal nicht nach Hause kommen.»
Andere Modelle wie der Airtag, sagt Geisser, «halten zwar sehr lange, senden aber ihre Position nicht immer. Und die Genauigkeit ist, soweit ich weiss, auch nicht perfekt.»

Peilgeräte wiederum seien unabhängig von einem Netz, «reichen dafür aber nicht so weit». Es lohne sich, die verschiedenen Systeme genau zu prüfen und den individuellen Bedürfnissen entsprechend auszuwählen.
Entscheidend sei zudem, dass der Tracker an einem Sicherheitshalsband montiert sei. Eine Halterung also, die sofort aufgeht, wenn das Tier irgendwo hängen bleibt. «Ist das nicht der Fall, kann sich die Katze im schlimmsten Fall zu Tode strangulieren», so die Tierschützerin.
Die Gefahr des Verschluckens, vor der zuweilen gewarnt wird, relativiert Geisser. Fremdkörper seien für Hunde zwar grundsätzlich ein Risiko. Aber: «Deshalb keinen Tracker zu verwenden, ist unsinnig.»
Wichtig sei, ihn so zu montieren, dass er nicht abgekaut werden könne. Für Katzen seien die Geräte in der Regel zu gross zum Verschlucken.
Apple rät von Airtag-Gebrauch für Haustiere ab
Interessant: In einer Ende Januar veröffentlichten Mitteilung zur neusten Airtag-Generation rät Apple von der Nutzung der Geräte für Haustiere ab. Diese seien «ausschliesslich für die Ortung von Gegenständen und nicht von Personen oder Haustieren entwickelt worden».
Auf Anfrage von Nau.ch wollte Apple diese Position nicht begründen. Sie dürfte sich jedoch aus technischen und funktionalen Einschränkungen ableiten lassen.
Erstens läuft der Airtag über Bluetooth, nicht GPS. Er hat weder eine eigene Satellitenortung noch eine Mobilfunkverbindung.
Der Standort wird nur übermittelt, wenn sich ein Apple-Gerät in der Nähe befindet. Das kann gerade in abgelegenen Gebieten unzuverlässig sein.

Zweitens bietet das Gerät keine echte Live-Verfolgung. Der Airtag sendet seine Position nicht fortlaufend, sondern nur punktuell. Heisst: Für ein Tier, das sich ständig bewegt, kann das ungenau oder zeitverzögert sein.
Und drittens sind die integrierten Sicherheitsfunktionen nicht auf Haustiere ausgelegt. Airtags geben unter Umständen Signaltöne ab oder lösen Warnmeldungen aus, wenn sie sich längere Zeit mitbewegen. Diese Mechanismen sollen unerwünschtes Personen-Tracking verhindern – können bei einem Tier jedoch störend wirken.
Kurz gesagt: Für Schlüssel, Taschen oder Koffer mag ein Airtag praktisch sein. Wer jedoch sein Haustier zuverlässig orten will, sollte genau prüfen, ob ein speziell dafür entwickelter GPS-Tracker nicht geeigneter ist.















