Alexandre Ineichen ist neuer Abt von St-Maurice VS
Die Abtei St-Maurice im Wallis hat einen neuen Abt: Alexandre Ineichen wurde am Donnerstag offiziell als 96. Vorsteher der traditionsreichen Institution eingesetzt. Die Segnungsmesse in der Basilika St-Maurice zog fast 1000 Gläubige an und dauerte rund zwei Stunden. Ineichen tritt die Nachfolge des zurückgetretenen Jean Scarcella an.

Die Weihe wurde von Martin Krebs, apostolischer Nuntius und Vertreter des Papstes in der Schweiz, geleitet. Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg sowie Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, und Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten, zelebrierten die Feier gemeinsam. Auch der Walliser Staatsrat Stéphane Ganzer war anwesend.
Der 58-jährige Ineichen wurde in Bern geboren, stammt aus dem luzernischen Inwil und wuchs im Chablais, der Region am Genfersee, auf. Er trat 1988 in die Gemeinschaft ein und wurde 1994 zum Priester geweiht. Seit 1996 unterrichtete er am Lycée-Collège St-Maurice, das er ab 2007 während 19 Jahren als Rektor leitete. Ab August will er wieder unterrichten – zwei bis drei Stunden pro Woche Ethik und Religion.
Seine Wahl durch die 24 Chorherren war am 31. Oktober vergangenen Jahres von Papst Leo XIV. bestätigt worden. Mit der Segnung ist der Ernennungsprozess abgeschlossen.
Die Abtei St-Maurice war zuletzt durch einen Missbrauchsskandal belastet worden. Ein Bericht von 2025 stellte Versäumnisse im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs fest, worauf Abt Jean Scarcella zurücktrat.
Ineichen kündigte an, die Gemeinschaft auf Vertrauen, Einheit und Authentizität auszurichten. «Ich gehe dieses Amt mit Demut an, mit dem Bewusstsein bestimmter Verantwortlichkeiten und dem Wunsch, mich von der Vorsehung leiten zu lassen», sagte er zu Keystone-SDA. Die Erwartungen der Bevölkerung an die Abtei seien heute grösser als in der Vergangenheit. Entscheidungen wolle er im Dialog treffen und anschliessend gemeinsam tragen.
Am Nachmittag leitete Ineichen die Vesper und gedachte dabei auch der Missbrauchsopfer, insbesondere im Zusammenhang mit der Abtei. In einer Fürbitte und einer Ansprache betonte er, die Anerkennung der Opfer und ihres Leids sei ein entscheidender Schritt.
Eine echte Erneuerung sei nur möglich, wenn die Missbräuche anerkannt und die schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit aufgearbeitet würden, sagte er. Diese Worte seien nicht als Abschluss, sondern als Beginn eines Prozesses zu verstehen.
Eine eigens eingesetzte Beratungskommission zur Aufarbeitung und Reform werde ihre Arbeit in den kommenden Wochen aufnehmen. Das Mandat ist auf drei Jahre angelegt und kann bei Bedarf verlängert werden.
Die Abtei wird ihre Aufgaben in Bildung, Pfarreiverwaltung und Missionen fortführen. Zudem soll der Empfang von Pilgerinnen und Pilgern ausgebaut werden.
Bei der Segnung erhielt Ineichen die Regel des heiligen Augustinus sowie Ring, Mitra und Stab als Insignien seines Amtes.










