Crans-Montana-Ermittler wollen Opfer-Rechte einschränken

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Crans-Montana,

Bei den Einvernahmen im Fall Crans-Montana sitzen Dutzende im Raum. Experten warnen vor Verzögerungen und möglichen Einflussnahmen.

Crans-Montana
Christian Pidoux, Vater eines der Opfer der Brandkatastrophe, spricht vor der Anhörung der Barbesitzer am 12. Februar mit den Medien. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Verfahren zu Crans-Montana gerät wegen überfüllter Einvernahmen in Kritik.
  • Kritiker warnen: Das verzögert Verfahren und kann Aussagen beeinflussen.
  • Trotz Reformdruck pochen Politiker weiter auf faire Rechte für alle Beteiligten.

Im Fall der Brandkatastrophe von Crans-Montana sorgt das Strafverfahren für Kritik. Bei Einvernahmen sind zahlreiche Beteiligte anwesend – was die Verfahren verlängert und beeinflussen könnte, wie SRF berichtet.

Auslöser der Debatte ist auch der Auftritt von Christian Pidoux, Vater eines Opfers. Er erschien Mitte Februar zu einer Anhörung mit dem Foto seines verstorbenen Sohnes auf dem T-Shirt. Er wolle, dass die Verantwortlichen «die Augen der Väter, Brüder und Schwestern» der Opfer sehen.

Einvernahmen werden zu «Grossveranstaltungen»

Die Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft entwickeln sich zu Grossveranstaltungen. Bei einer Anhörung der Barbetreiber waren Dutzende Angehörige und über 50 Opferanwälte anwesend.

Kritik kommt von Christian Brenzikofer, Kommandant der Kantonspolizei Bern und Vizepräsident der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten. «Es ist nur schon ein logistisches Problem», sagt er gegenüber SRF.

Viele Beteiligte erschwerten die Terminplanung und verlängerten die Verfahren. Zudem könnten Beschuldigte Aussagen anderer mithören und ihre eigenen entsprechend anpassen. Auch die Präsenz zahlreicher Zuhörer könne Befragte beeinflussen.

«Ein Missstand» – Kritik an langen Verfahren wächst

Auch Staatsanwälte und Parlamentarier sehen Reformbedarf. Barbara Steinemann sagt: «Die Ermittlungs- und Strafverfahren dauern seit 2011 rund 50 Prozent länger. Das ist ein Missstand.»

Gleichzeitig gibt es Widerstand gegen Einschränkungen der Verfahrensrechte. Ein Versuch, die Rechte von Beschuldigten und Opfern zu beschränken, war bereits vor wenigen Jahren erfolglos.

Sollten bei den Einvernahmen zum Fall Crans-Montana weniger Leute anwesend sein?

Mitte-Nationalrat Philipp Matthias Bregy betonte damals: Es gehe «darum, allen – ob schuldig oder unschuldig – ein faires Verfahren zu garantieren». Auch Min Li Marti (SP) warnt: «Es braucht eine gewisse Waffengleichheit.»

Reform soll Verfahren straffen – ohne Fairness zu gefährden

Trotzdem arbeitet Brenzikofer an einem neuen Vorschlag im Rahmen einer Berner Standesinitiative. Künftig könnten Beteiligte etwa nicht mehr bei jeder Einvernahme anwesend sein, sondern nur einmal Fragen stellen.

Die Einvernahmen im Fall Crans-Montana werden Anfang April fortgesetzt – erneut mit zahlreichen Beteiligten. Die juristische Aufarbeitung steht weiterhin am Anfang.

Kommentare

User #8048 (nicht angemeldet)

Das Ganze wird zur Show! Wie im Mittelalter. Anhörungen haben hinter verschlossenen Türen zu erfolgen. Ohne Emotionen und Tamtam.

User #4104 (nicht angemeldet)

Super, Geschädigte dürfen im Fall Crans Montana nur noch einmal eine Frage stellen. Das nächste Mal wenn ein Polizist mir mehrere Fragen stellt wie: "kann ich den Führerschein haben" nachdem er schon den Fahrzeugausweis verlangt hat, sage ich auch, nein nur eine Frage, das dauert sonst zu lange.

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