Auch letztes Jahr ist der Anteil an ausländischen Ärzten in der Schweiz um 1,1 Prozent gestiegen. Der Berufsverband fordert deshalb mehr Medizinstudienplätze.
Ärzteverband
Die Abhängigkeit der Schweiz von Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland hat gemäss dem Ärzteverband im Jahr 2020 zum sechsten Mal in Folge zugenommen. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/GAETAN BALLY

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemäss der Ärztestatistik ist der Anteil an ausländischen Ärzten um 1,1 Prozent gestiegen.
  • Der Berufsverband fordert nun mehr Medizinstudienplätze und bessere Arbeitsbedingungen.

Die Abhängigkeit der Schweiz von Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland ist im vergangenen Jahr gestiegen. Zum sechsten Mal in Folge. Aus Sicht des Berufsverbands der Ärztinnen und Ärzte (FMH) braucht es in der Schweiz mehr Medizinstudienplätze.

Die Corona-Krise habe gezeigt, welche zentrale Bedeutung die Versorgungssicherheit im Gesundheitswesen einnimmt. Dies schreibt der Berufsverband FMH am Mittwoch in einer Mitteilung.

Bislang hätten gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte dazu beigetragen, eine hochstehende Patientenversorgung auch im Krisenfall sicherzustellen.

Mehr Studienplätze und gute Arbeitsbedingungen

Diesem «qualitativ hochstehenden Gesundheitswesen» gelte es, Sorge zu tragen. Der FMH denkt dabei etwa an die Schaffung von Medizinstudienplätzen sowie den Erhalt von guten Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte.

Gemäss der Ärztestatistik waren im Jahr 2020 insgesamt 38'502 Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz tätig. Davon hatten 37,4 Prozent ihr Studium nicht in der Schweiz absolviert und abgeschlossen. Das sind 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2014 betrug der Anteil noch 31 Prozent.

Diese Auslands-Abhängigkeit ist gemäss FMH im internationalen Vergleich hoch. Das liege an der hohen Lebensqualität in der Schweiz, den guten Arbeitsbedingungen und der Angrenzung an mehrere Länder. Auch die Mehrsprachigkeit ist ein Vorteil.

Arzt
Auch 52 Ärztinnen und Ärzte haben an der «grössten Wissenschaftlichen Zusammenarbeit aller Zeiten» teilgenommen. - Keystone

Der Verband gibt zu bedenken, dass diese Ärztinnen und Ärzte in ihren Herkunftsländern fehlen. Der Grossteil der Fachkräfte kommt aus Deutschland (52,6 Prozent), gefolgt von Italien (9,1 Prozent). Anschliessend Frankreich (7,1 Prozent) und Österreich (6 Prozent).

Insgesamt hat die Anzahl der Fachkräfte im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr nur leicht zugenommen. Um 620 Personen oder - gerechnet in Vollzeitstellen - um 0,03 Prozent, wie es weiter heisst. Der Frauenanteil belief sich auf knapp 44 Prozent.

Karriereförderung für Frauen und Teilzeitarbeit für Männer

Der Anteil der Ärztinnen hat sich zwischen 2000 und 2018 zwar deutlich von 29,1 Prozent auf 43,2 Prozent erhöht. Damals hatte die Schweiz aber unter sechs Vergleichsländern in Europa den tiefsten Frauenanteil. Ein Vergleich zum aktuellen Jahr liegt nicht vor.

Die FMH geht davon aus, dass sich der Frauenanteil in der Ärzteschaft in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter erhöhen wird. Dadurch würden die Gesamtarbeitsstunden abnehmen, weil Frauen ein tieferes Arbeitspensum aufweisen würden.

Es sei daher besonders wichtig, dass der Arztberuf besser mit Familie und Weiterbildungen vereinbar sei. Beispielsweise mit einer besseren Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen. Zudem müsse die Karriereförderung gezielter auf Frauen ausgerichtet werden und Teilzeitarbeit bei Männern gefördert werden.

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