16 Millionen Menschen: Braucht die Schweiz Hochhäuser auf dem Land?
Die Schweiz lehnt die SVP-10-Millionen-Initiative ab. Eine Expertin sagt, dass man auf eine 16-Mio.-Schweiz zusteuert. Doch hat es hier wirklich genug Platz?

Das Wichtigste in Kürze
- Die 10-Millionen-Initiative wurde vom Schweizer Stimmvolk abgelehnt.
- Die Raumplanerin Sibylle Wälti sagt: Die Schweiz hat Platz für 16 Millionen Menschen.
- Dafür muss aber Raum entwickelt werden, damit diese Menschen gut leben können.
- Hochhäuser auf dem Land? Die falsche Lösung, so Wälti, besser nach innen verdichten.
Die SVP argumentierte mit Themen wie Wohnungsnot, steigenden Mieten oder überlasteter Infrastruktur. Trotzdem sagt die Schweiz nein zur 10-Millionen-Initiative.
Es gibt also keinen Bevölkerungsdeckel, auch wenn die 10-Millionen-Marke erreicht ist. Doch für wie viele Menschen hat die Schweiz noch Platz?
Die Raumplanerin Sibylle Wälty sagt zu Nau.ch: «Es passen gut auch 16 Millionen Menschen in die Schweiz.»
Als Raumplanerin setzt sie sich mit verschiedenen Entwicklungen auseinander. «Die 16-Millionen-Schweiz ist kein Extremszenario, sondern ein Weiter-wie-bisher-Szenario.»
Die Zahl der Menschen sei nicht das Problem, sagt die ETH-Forscherin. «Sondern, wohin wir sie planen. Die Frage ist, wie wir den Raum entwickeln, damit diese Menschen gut leben.»
«Hochhäuser auf dem Land wären die falsche Antwort»
Der 10-Millionen-Einwohner-Deckel fand unter anderem Anklang auf dem Land. An Orten, wo es kaum Dichtestress gibt. Vielmehr gibt es dort offenbar den Wunsch, die ländliche Idylle zu wahren.

Es stellt sich auch die Frage: Müssen diese Menschen nun Angst haben, dass bald Schluss damit ist? Und auch auf dem Land Hochhäuser gebaut werden?
«Mehr Hochhäuser sind nicht die Antwort. Hochhäuser auf dem Land wären sogar die falsche Antwort», verneint Wälty.
In diesen Quartieren sollen mehr Menschen wohnen
Es ginge nicht um Höhe an beliebiger Stelle, sondern um die richtige Dichte am richtigen Ort. Das ist dort, wo die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr gut ist, so Wälty.

«Das sind die Zentren und die gut erschlossenen Lagen an Bahnhöfen. Sogenannte 10-Minuten-Nachbarschaften, wie es sie heute schon gibt: Im Breitenrain in Bern, am Lindenplatz in Zürich oder in Vevey am Bahnhof.»
Auch in der Gemeinde Flawil könnte das Ortszentrum dereinst eine solche Nachbarschaft werden. In der laufenden Ortsplanung sollen die Grundlagen dafür geschaffen werden.
In 10 Minuten von zuhause zu Coiffeur und Lebensmitteln
10-Minuten-Nachbarschaften haben einen Radius von 500 Metern und verfügen über vieles, was man für das tägliche Leben braucht. Die meisten Angebote kann man zu Fuss in 10 Minuten erreichen.
Der Wohnraum soll dort wachsen, wo viele arbeiten, ihre Freizeit verbringen. Kurze Wege im Alltag sollen es sein.

Mehr Wohnraum soll also vor allem in Städten entstehen: Durch Siedlungsentwicklung nach innen.
«Hohe Dichte braucht nicht zwingend Hochhäuser – auch eine gute Blockrandbebauung erreicht hohe Dichte», sagt Wälty. Wie die erforderlichen Dichten erreicht werden, sei standortabhängig. «Das Hochhaus ist ein Werkzeug und kein Ziel.»
So lange dauert es noch bis zur 16-Millionen-Schweiz
Zurück zur 16-Millionen-Schweiz. Wann ist es soweit? Ende des ersten Quartals 2026 hatte die Schweiz rund 9,14 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen.
Die Geburtenrate in der Schweiz ist zwar rückläufig. Das Wachstum in der Schweiz folgt aber dem Wirtschaftswachstum, so Wälty. Heisst: Solange Wirtschaft und Arbeitsplätze wachsen, wächst die Bevölkerung per Zuwanderung.
«Die Schweiz wird voraussichtlich weiter wachsen.» Die Expertin rechnet vor: «Wenn das Wachstum so weitergeht wie in den vergangenen rund sechzig Jahren, erreichen wir in etwa hundert Jahren 16 Millionen.»















