Kein Konsumzwang: Immer mehr Beizen bieten Gratis-WCs an

    Aaron Studer
    Aaron Studer

    Oberwallis,

    Ob «Nette Toilette» in Bern, «iischers WC» in Brig-Glis oder «ZüriWC» in Zürich: In vielen Städten gibt es immer mehr Gratis-WCs.

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    Immer mehr Beizen bieten ihre WCs gratis an – dafür gibts einen Zustupf von den Städten. - pexels

    Das Wichtigste in Kürze

    • Über 400 Städte und Gemeinden zeigen in der App «Nette Toilette» Orte an, an denen WCs kostenlos genutzt werden können.
    • Bern und Basel zahlen den teilnehmenden Betrieben jährlich ein Entgelt.
    • In Zürich setzt man auf eigene öffentliche WC-Anlagen.

    Wenn die Blase drückt, ist die nächste öffentliche Toilette oft weit entfernt – oder zumindest nicht kostenlos. Verschiedene Gemeinden setzen deshalb seit Jahren auf eigene Konzepte.

    Dabei stellen Beizen ihre WCs gratis der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung – also ohne Konsumzwang. Im Gegenzug erhalten sie von der Stadt eine Entschädigung.

    Beispielsweise zeigt die App «Nette Toilette» grundsätzlich nur Toiletten an, die kostenlos genutzt werden können.

    Insgesamt nehmen mittlerweile rund 400 Städte und Gemeinden in der Schweiz, Österreich und Deutschland an diesem Projekt teil.

    Zahl der Gratis-WCs in Berner Beizen verdoppelt

    In der Bundesstadt Bern startete das Projekt im Jahr 2016 mit 14 Betrieben. Zehn Jahre später beteiligen sich 29 Betriebe. Damit hat sich die Zahl der Teilnehmenden hier mehr als verdoppelt.

    Norbert Esseiva von der Orts- und Gewerbepolizei der Stadt Bern sagt zu Nau.ch: «Jeder Interessierte kann einen Antrag stellen. Nach der Prüfung wird zwischen der Stadt Bern und dem Betriebsleiter eine Vereinbarung unterzeichnet.»

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    In Basel erhalten die Beizen mehr fürs Zurverfügungstellen ihrer WCs als in Bern. - keystone

    Aber: Es gebe immer wieder Betriebe, die schlechte Erfahrungen machten und deshalb aus dem Projekt ausstiegen. Auch die jährliche Entschädigung, welche die Stadt Bern zahlt, könne den Ausstieg nicht immer verhindern.

    Basler zahlen Beizen mehr als Berner

    In Basel beteiligen sich aktuell 25 Betriebe an dem Projekt. «Die Netten Toiletten sind eine Ergänzung zum ausgebauten Netz öffentlicher WC-Anlagen», sagt Carmen Jeker von der Stadt.

    Einen Unterschied zu Bern gibt es jedoch: In Basel erhalten die teilnehmenden Betriebe jährlich 2500 Franken. In Bern sind es nur 1000 Franken.

    Was hältst du vom Konzept?

    Das Modell habe sich in den vergangenen zehn Jahren bewährt und werde auch weiterhin aktiv beworben, so Jeker.

    Konzept «bewährt sich» im Berner Oberland

    Auch in Thun BE gibt es das «Nette Toilette»-Konzept seit zehn Jahren, bestätigt Daniela Lüpold von der Stadt.

    Sie betont: «Die Kombination aus öffentlichen Toiletten sowie den beteiligten Gastronomiebetrieben hat sich bewährt.»

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    In Thun gibt es das Konzept der «Nette Toilette» schon seit zehn Jahren. - www.nette-toilette.de

    In der App sei zudem ersichtlich, ob eine Toilette über einen Wickeltisch verfügt. Oder ob sie barrierefrei zugänglich sei.

    Brig-Glis VS führt WC-Konzept neu ein

    Neu ist das Konzept im Wallis: Die Stadtgemeinde Brig-Glis hat das Projekt «iischers WC» am 29. Juni 2026 offiziell lanciert. Es wurde als Reaktion auf Rückmeldungen aus der Bevölkerung und von Gästen eingeführt, die sich mehr öffentlich zugängliche Toiletten wünschten.

    Die Stadtgemeinde schaffe dadurch ein unkompliziertes Angebot – und verbessere so die Aufenthaltsqualität. Weitere Geschäfte und Restaurants seien eingeladen, sich der Aktion anzuschliessen, heisst es auf der Webseite der Gemeinde.

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    Das Projekt «iischers WC» wurde am 29. Juni 2026 in Brig-Glis offiziell lanciert. - www.brig-glis.ch

    Die Stadt sagt: «Teilnehmende Betriebe werden mit dem Sticker ‹iischers WC› gekennzeichnet.» Zusätzlich können die Standorte über Google Maps eingesehen werden.

    Angst vor Verschmutzung: Zürcher Wirte machen nicht mit

    Zürich hingegen geht einen anderen Weg, wie Sina Lou Ravasio von der Stadt gegenüber Nau.ch erklärt. Die Projektleiterin von «ZüriWC» sieht beim Thema WCs andere Anforderungen an eine Stadt in der Grösse von Zürich.

    Es brauche vor allem Toiletten, die rund um die Uhr zugänglich, barrierefrei und robust seien, sagt sie. 100 Stück gibt es bereits in der ganzen Stadt.

    Den Versuch, ein ähnliches Projekt wie die «Nette Toilette» in Zürich einzuführen, habe es bereits gegeben. Laut Ravasio scheiterte dieser jedoch: «Aus Angst vor Verschmutzungen und unsachgemässer Nutzung, womit wir bei unseren öffentlichen Toiletten vermehrt konfrontiert sind.»

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    Kommentare

    User #2583 (nicht angemeldet)

    Also ich gebe dann jeweils dem Service-Personal trotzdem 1-2 Franken, wenn sie so nett sind und man das WC benützen darf ohne Konsumzwang.

    User #3255 (nicht angemeldet)

    In Australien gibt es überall gratis und extra saubere WC, an jedem Grillplatz stehen WC und zum Teil auch Duschen zur Verfügung. Da gibt es keine Hauswandpinkler. Dies soll ein Vorbild für unsere „saubere Schweiz“ sein, welche sie schon lange nicht mehr ist.

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