Taliban

    Siegeszug der Taliban gibt Islamisten weltweit Auftrieb

    Benedikt Theiler
    Benedikt Theiler

    Afghanistan,

    Die Kämpfer der Taliban übernehmen im Eiltempo Kabul. Der Westen ist geschockt, Islamisten jubeln. Sie eint der Hass gegen den Westen.

    taliban
    Taliban-Kämpfer sitzen in einem Raum des Präsidentenpalastes. - sda - Keystone/AP/Zabi Karimi

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der überstürzte Abzug der US- und Nato-Truppen wird in muslimischen Kreisen bejubelt.
    • Der symbolträchtige Taliban-Sieg könnte vor allem auf Islamisten inspirierend wirken.
    • Insbesondere arabische Regimes und Regierungen dürften sich bedroht fühlen.

    Es ist ein gewaltiger Siegeszug der Taliban. Und einer, der in die ganze Welt getragen wird. Die grosse «Besatzungsmacht» aus dem Westen wurde aus dem Hindukusch vertrieben. Zum zweiten Mal, nachdem sich bereits 1989 mit den Sowjets eine Supermacht aus Afghanistan zurückziehen musste.

    Taliban
    Kämpfer der Taliban feiern den Fall der Hauptstadt Kabul. - Keystone

    Es ist eine Signalwirkung, die insbesondere bei Islamisten auf der ganzen Welt Jubel ausgelöst hat. So lobte der bekannte ägyptische Salafist Asem Abdel Maged den Taliban-«Sieg» auf Twitter: «Heute freut sich jeder Gläubige.»

    Auch aus den Reihen der Al-Qaida gab es Applaus. Ebenso von der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah. Gruppierungen, die sich sonst spinnefeind sind.

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    Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah freut sich über die Niederlage der USA in Afghanistan. (Archivbild) - AL-MANAR TV/AFP

    Kampf gegen westliche Dominanz eint die Islamisten

    Denn was Islamisten auf der ganzen Welt eint, ist der Hass auf den Westen und deren dominante abendländisch-christliche Kultur. Denn nach ihrer Vorstellung sollte ihr «gottgegebener» Islam die dominante Religion und Kultur sein.

    Diese «Unterdrückung» aus Sicht der muslimischen Extremisten gilt es nach dieser Auffassung zu bekämpfen. So erzeugt jede Schmach für den Westen Beifall in islamistischen Kreisen. Selbst wenn sie sich untereinander feindlich gesinnt sind.

    Soldaten Afghanistan
    US-Soldaten in Afghanistan. - AFP/Archiv

    So löst die blitzartige Machtübernahme der Taliban in Afghanistan Begeisterung unter den Islamisten aus. Schliesslich waren es nicht die Waffen, die den Unterschied ausgemacht haben. Es war die Geduld der Taliban und «Gottes Wille».

    Sieg der Taliban von «Gott ermöglicht»

    So meint dann auch Ahmed Sayyed Ahmed vom Ahram-Zentrum für strategische Studien in Kairo gegenüber «Tagesschau.de», dass es zwar starke ideologische Unterschiede unter den verschiedenen Strömungen der Islamisten gäbe.

    Trotzdem könne der symbolträchtige Sieg der Taliban inspirierend und motivierend auf sie wirken. Besonders auf Islamisten, die keine Gewalt anwenden, etwa die Salafisten oder Muslimbrüder.

    Finden sie den Abzug der US- und Nato-Truppen aus Afghanistan richtig?

    Der Taliban-Sieg verstärke bei den islamistischen Bewegungen die Überzeugung, dass er von Gott ermöglicht wurde, ist Ahmed Sayyed Ahmed überzeugt. Ihr fester Glaube habe ihnen Gotteskraft gegen den Feind verliehen und ihre Glaubensstärke habe am Ende zum Siegen verholfen.

    Bedrohung für arabische Regimes

    Insbesondere arabische Regimes und Regierungen dürften sich ob des Taliban-Triumphs bedroht fühlen. Nicht von den Taliban selbst, sondern von ihren eigenen Leuten. Viele junge frustrierte und desillusionierte Menschen leiden unter den teils korrupten und autokratischen Herrschern. Viele haben das Vertrauen in «Demokratie» und «Wahlen» verloren.

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    Islamisten protestieren gegen Mohammed-Karrikaturen. (Archivbild) - dpa

    Sie könnten sich ob des Siegeszugs der Taliban radikalisieren. Eine Entwicklung, die es aus Sicht dieser Regierungen zu verhindern gilt.

    So schreibt etwa das ägyptische Ministerium für islamische Stiftungen in einer «wichtigen Mitteilung» warnend: «Angesichts der regionalen und internationalen Herausforderungen dürfen extremistische Gruppierungen keine Gelegenheit erhalten, sich in irgendeiner Weise neu zu bilden oder zu reorganisieren … Unter der Asche lodert das Feuer.»

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    Kommentare

    User #6306 (nicht angemeldet)

    Die wissen wie es geht

    User #4545 (nicht angemeldet)

    Nun können sie sich beweisen. Bin gespannt auf welcher Seite der grössere Schaden entsteht.

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