Melanie Mettler: «Der Angriff auf die beste Demokratie der Welt»

Melanie Mettler
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Bern,

Zur Bewahrung der Schweizer Konsensdemokratie braucht es keine Neuerfindung, sondern lediglich eine Rückbesinnung. Eine Kolumne von Melanie Mettler (GLP).

Frau Porträtfoto Kette Holzsitze
Melanie Mettler (GLP) ist seit 2025 Gemeinderätin der Stadt Bern und leitet die Direktion für Finanzen, Personal und Informatik. - zVg

Wer Ferien hat, geniesst die Hitze, die durchs Land wabert und alles ein bisschen verlangsamt. Wir sehen die sorgfältige Langsamkeit unseres Landes gerne als Stabilität. Doch unsere politische Kultur ist nicht nur verlangsamt, sondern ins Stocken geraten – und zwar nicht nur in Bern, sondern auf allen föderalen Ebenen, bis zur kleinsten Gemeindeversammlung.

Der Grund dafür ist kein individuelles Versagen, sondern globaler, digitaler Beschuss. Auf allen Kanälen prasselt täglich polarisierender Müll ein, der Empörung und individuelle Befindlichkeiten über Kompromissbereitschaft stellt. Ohne Kompromissfähigkeit riskieren wir aber, dass konstruktives Ringen um Lösungen durch engstirnige Betroffenheitspolitik ersetzt wird.

Braucht es in der Gesellschaft wieder mehr Kompromissbereitschaft?

Das blockiert die Demokratie, die auf geteilte Verantwortung setzt. Dass wir uns den Stillstand überhaupt leisten können, liegt an unserem wirtschaftlichen Wohlstand – wir finanzieren die kompromisslose Blockade quasi aus den Reserven der Zukunft. Doch Geld schützt die Schweiz nicht ewig vor globalen Krisen.

Dabei haben wir das beste Rezept gegen diese Spaltung längst erfunden. Die Schweizer Konsensdemokratie ist das stabilste System der Weltgeschichte, das wie kein anderes Wohlstand und Sicherheit für die Bevölkerung bietet. Ihr Geheimnis?

Bundeshaus in Bern
«Sind wir bereit, die individuelle moralische Überlegenheit für gute gesellschaftliche Zusammenarbeit zu opfern?», fragt Melanie Mettler. - keystone

Sie erzwingt durch das Teilen von Macht das echte Gespräch auf Augenhöhe und macht den reifen Kompromiss zur höchsten Tugend. Die gute Nachricht ist: Wir haben die Fähigkeit, diesen historischen Schatz zu bewahren. Das erfordert keine Neuerfindung, sondern eine Rückbesinnung.

Sind wir bereit, die individuelle moralische Überlegenheit für gute gesellschaftliche Zusammenarbeit zu opfern? Können wir interessierten, offenen Dialog wieder über Social-Media-Empörung stellen?

Eine erneuerte Konsensreife macht uns fit für die Zukunft. Wir haben bewiesen, dass wir Brücken bauen können – wir müssen es jetzt nur wieder tun. Es liegt ganz bei uns, diese Stärke neu zu beleben.

Zur Autorin

Melanie Mettler (*1977), Mitglied der GLP, ist seit 2025 Gemeinderätin der Stadt Bern und leitet die Direktion für Finanzen, Personal und Informatik.

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