Ikkimel polarisiert den Berner Gurten mit «Fotzenrap»

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Bern,

Mit ihrem «Fotzenrap» hat die deutsche Musikerin Ikkimel am Freitagabend die Hauptbühne des Berner Gurtenfestivals aufgemischt. Das jüngere Publikum zeigte sich textsicher, das ältere schien etwas verloren.

ikkimel
Die deutsche Rapperin Ikkimel trat am Freitag beim Gurtenfestival auf. (Archivbild) - keystone

Vor der Gurten-Hauptbühne wurde es eng, als Ikkimel ihre Show mit dem Song «Was jetzt» eröffnete. Das Gewitter des Vorabends schien den Gurtengängerinnen und -gängern nicht zugesetzt zu haben. Tausende waren gekommen, um sogenannten Fotzenrap zu hören.

Mit über zwei Millionen monatlichen Hörerinnen und Hörern auf der Streamingplattform Spotify ist die Berlinerin eine der prägendsten Figuren dieses Subgenres. Es zielt mit sexualisierter und vulgärer Sprache bewusst darauf ab, Tabus zu brechen – und Sexismus in Selbstermächtigung zu verwandeln.

Wenn sich Ikkimel als «Berliner Schlampe» bezeichnet und übers «Ficken» rappt, eignet sie sich also jene Ausdrucksweise an, die Männer – im Rap, aber nicht nur – nach wie vor weit verbreitet gegen Frauen verwenden. Und sie setzt noch einen drauf.

In Bern schienen darauf nicht alle gefasst zu sein. Zwar rappte das junge Publikum in den vorderen Reihen textsicher mit. Selbst, als «Mama Ikki» die Täter-Opfer-Umkehrung mit einer Mordfantasie auf die Spitze trieb: «Frauen brauchen kein Schimpfwort, unsere Waffe heisst Giftmord.» Für Euphorie sorgte auch die Live-Premiere des gleichentags veröffentlichten Tracks «Kein Kokain».

Die schnelle Hiphop-Hyperpop-Mischung in Kombination mit grellen Inhalten kam aber nicht überall gut an: Die Ü40-er-Fraktion warf sich fragende Blicke zu. Eine spätere Auftrittszeit auf der etwas atmosphärischeren Zeltbühne hätte der Resonanz wohl nicht geschadet.

Für Schlagzeilen gesorgt hatte Melina Gaby Strauss, wie Ikkimel bürgerlich heisst, zuletzt mit der Situationskomik ihres Auftritts beim ZDF-Morgenmagazin. Selbst in den USA wurde die Performance gefeiert, nachdem die Rapperin Doechii einen Ausschnitt davon auf ihrem Tiktok-Kanal geteilt hatte.

Die 29-Jährige sang dabei Zeilen wie «Fussballmänner alles Penner. Bierbauch, Bratwurst, leckerschmecker» und verabschiedete sich mit «Danke, wir freuen uns auf die Frauen-WM nächstes Jahr». Das Publikum der Live-Sendung blickte der Sängerin so verwirrt entgegen, dass sie sich das Lachen nicht verkneifen konnte.

Der Moderator versuchte im Nachgang, zu entschärfen: «Liebe Fussballmänner, nicht beleidigt sein. Das ist Provokation und Kunst und trifft gerade so richtig einen Nerv bei der Gen Z.» Am Freitagabend auf dem Gurten war das nicht anders.

Kommentare

User #5195 (nicht angemeldet)

Link$ und trotzdem kreativ. Hehehe. LOL.

Weiterlesen

Waldbrandgefahr Feuerwerk 1. August
523 Interaktionen
Es regnet, aber…
Badi
435 Interaktionen
Sprangen auf Badende

MEHR AUS STADT BERN

a
3 Interaktionen
Interview
SBB
778 Interaktionen
Bernerin
5 Interaktionen
Risiko zu hoch