Unfallgefahr: Risiko von E-Trottinetts wird unterschätzt

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Bern,

Bei E-Trottinett-Fahrern ist das Risiko von Schädel-Hirn-Traumata höher als bei Töff- oder Velolenkern. Doch viele Nutzer unterschätzen die Gefahr.

e trotti
E-Trottinetts sind gefährlicher als viele Lenker annehmen. - keystone

E-Trottinetts sind gefährlicher als bisher angenommen. Eine neue Studie zeigt: Wer damit stürzt, riskiert schwere Kopf- und Bauchverletzungen – und das viel öfter als auf dem Velo oder Motorrad.

«E-Trottinett-Unfälle zeigen ein ganz eigenes Verletzungsprofil», schreiben Forscherinnen und Forscher in der am Donnerstag in der Fachzeitschrift «Scientific Reports» veröffentlichten Studie. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten dafür Daten von über 15'000 E-Trottinett-, Velo- und Motorradfahrenden mit mittelschweren bis schweren Verletzungen aus 18 Städten in England und Wales.

Das Resultat: Während Velofahrende bei einem Sturz oft mit Knochenbrüchen davonkommen, schlagen E-Trottinett-Fahrende häufig mit dem Kopf auf. Das Risiko für ein schweres Schädel-Hirn-Trauma ist bei ihnen 3,45-mal höher als bei Motorradfahrern und 1,74-mal höher als bei Velofahrenden.

Wenig Helme, tückische Bauweise

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen ist die Helmtragequote extrem tief: Nur 5,9 Prozent aller verletzten E-Trottinett-Fahrenden trugen einen Helm. Bei den Motorradfahrenden lag die Quote bei 75,7 Prozent, bei den Velofahrenden bei 45,0 Prozent.

Zum anderen liegt es an der Konstruktion der Fahrzeuge. Wer auf einem E-Trottinett steht, hat einen hohen Schwerpunkt. «Bei abruptem Abbremsen wird der Körper tendenziell kopfüber über den Lenker geschleudert», heisst es in der Studie.

Auch innere Verletzungen im Bauchraum kommen fast 50 Prozent häufiger vor als bei Motorradfahrern – oft verursacht durch den ungedämpften Aufprall des starren Lenkers in die Magengrube. «Kinder sind besonders gefährdet, weil ihre dünneren Bauchwände und proportional grösseren Organe genau auf der Höhe der Lenkerstange liegen», schreiben die Autorinnen und Autoren.

Frauen stärker betroffen

Eine zusätzliche Analyse von rund 23'000 bei einem Vermieter von E-Trottinets gemeldeten Kollisionen und Beinahe-Unfällen offenbarte Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männliche Fahrer hatten ein um 36 Prozent geringeres Kollisionsrisiko als Fahrerinnen.

Fahrerinnen meldeten zudem 2,1-mal häufiger schwere Verletzungen. Die Autoren vermuten, dass dies daran liegen könnte, dass die meisten E-Trottinetts auf männliche Körperproportionen ausgelegt seien.

Auch in der Schweiz mehr Unfälle

Auch in der Schweiz spiegelt sich die Gefahr der E-Trottinetts in der Unfallstatistik des Bundesamtes für Verkehr (Astra) wider. Wurden im Jahr 2021 noch 342 E-Trottinett-Unfälle mit Personenschaden registriert, waren es im Jahr 2025 bereits 790.

Dabei verletzten sich allein im Jahr 2025 insgesamt 152 E-Trottinettfahrerinnen und -fahrer schwer, und 3 Personen verloren ihr Leben.

Die Helmtragequote bei verunfallten E-Trottinett-Fahrenden lag in der Schweiz im Jahr 2025 noch niedriger als in der Studie: Bei 4,1 Prozent. Nur 30 von 730 erfassten Personen trugen einen Helm.

Forscher empfehlen Helmpflicht

Aufgrund der Ergebnisse empfehlen die Studienautoren Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit. «Die hohe Belastung durch Kopftraumata in Verbindung mit der geringen Helmnutzung bekräftigt die Notwendigkeit einer obligatorischen Helmpflicht», schreiben die Forscher. Diese müsse bei Miet-Trottinetts durch direkt integrierte Helmsysteme unterstützt und gerade bei jüngeren Fahrenden gezielt kontrolliert werden.

Um die schweren Organverletzungen beim Aufprall auf den Lenker zu minimieren, braucht es laut der Studie zudem verbindliche Design-Vorgaben wie verformbare, energieabsorbierende Griffe und stärkere Bremsen. Da innere Verletzungen meist auf Kollisionen mit hoher Energie zurückzuführen sind, plädiert das Forschungsteam ausserdem für strengere Tempolimits.

Die Forschenden betonen, dass weitere Untersuchungen nötig seien, um die Wirksamkeit möglicher Massnahmen zu prüfen.

Mehr zum Thema:

Kommentare

User #4317 (nicht angemeldet)

Das Risiko von Rechtspopulisten und Skeptiker auch!

Weiterlesen

badi
181 Interaktionen
Badi-Diebe
Regen
204 Interaktionen
Prozession

MEHR AUS STADT BERN

8 Interaktionen
Bern
3 Interaktionen
Trotz Niederschlägen
Messer
907 Interaktionen
Polizei-Rat