Badi: Tüechli-«Trick» sorgt für Spott – aber er kann abschrecken
In der Badi kein seltenes Bild: Unter Tüechli «versteckte» Rucksäcke. Das sorgt immer wieder für Spott. Aber einen Mini-Effekt kann der «Trick» wirklich haben.

Das Wichtigste in Kürze
- Viele Badigäste «schützen» ihre Wertsachen vertrauensvoll nur mit einem Badtüechli über dem Rucksack.
- Die Polizeien warnen immer wieder vor dem «Trick» – aber bringt er wirklich gar nichts?
- Tatsächlich: Die Kriminalprävention sagt, es könne allenfalls Gelegenheitsdiebe abschrecken. Profis lässt es aber kalt.
- Darum bleibt der Tüechli-«Trick» trotz diesem Mini-Effekt ein «denkbar schlechter Schutz».
Die Schweiz erlebt einen der heissesten Sommer seit Jahren – eine Hitzewelle folgt auf die nächste. Die Badis sind pumpenvoll. Mit Menschen, aber auch mit ihren Wertsachen.
Der altbekannte «Trick» gegen Diebe, auf den auch dieses Jahr wieder viele setzen: Während dem Sprung ins kühle Nass Handy und Portemonnaie im Rucksack verstauen – und den Rucksack unter dem Badtüechli «verstecken».
Klar, verborgen wird dabei nicht viel. Aber es vermittelt vielen offenbar eben doch ein erhöhtes Sicherheitsgefühl.
«Weniger grosse Einladung»
Eine Badi-Besucherin erklärt es Nau.ch so: «Ich mache das, weil es eine weniger grosse Einladung zum Stehlen ist, als wenn der Rucksack einfach herumliegen würde.» Sie pokert wie viele also darauf, dass es die Hemmschwelle der Langfinger erhöht, wenn sie erst ein Tüechli wegreissen müssten.
Der Tüechli-«Trick» ist in der Schweiz derart verbreitet, dass es sogar Comedy-Videos zum Thema gibt. Der Witz ist klar: Obwohl es niemanden wirklich vom Klauen abhalten kann, fühlen sich so viele sicherer.
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Aber ernsthaft: Bringt es wirklich gar nichts – oder erhöht es doch zumindest die Hemmschwelle?
«Dürfte höchstens Gelegenheitsdiebe hemmen» – Profis klauen trotzdem
Die schlechte Nachricht ist, dass viele Kantonspolizeien immer wieder vor dem Tüechli-«Trick» warnen. Bernhard Graser von der Kapo Aargau zum Beispiel sagt zu Nau.ch: «Wertsachen unter dem Badetuch zu verstecken, war schon immer ein denkbar schlechter Schutz vor Langfingern.»
Die Kapo Luzern hat sogar schon in einem Social-Media-Video erklärt, dass Wertsachen so nicht sicher seien.
«Erfahrungsgemäss schafft die Gelegenheit Diebe», sagt Fabian Ilg von der Schweizerischen Kriminalprävention zu Nau.ch.
«Wenn also viele Menschen unbeaufsichtigt Wertsachen liegen lassen, kann das Menschen spontan dazu bewegen, zum Gelegenheitsdieb zu werden. Andererseits gibt es Tatpersonen oder -gruppen, die gezielt Badis, See- oder Flussufer aufsuchen, um Wertsachen zu stehlen.»
Weniger eine Rolle spielen dürfte dabei, wie sichtbar die Wertsachen sind, sagt Ilg. Wenn also noch ein Tüechli auf dem Rucksack liegt, bringt das nicht viel.
Die gute Nachricht: Einen positiven Effekt könnte der Tüechli-«Trick» doch haben. Allerdings nur einen sehr kleinen, wie Ilg sagt: «Das dürfte höchstens als Hemmschwelle gesehen werden und Gelegenheitsdiebe hemmen.»
Erfahrene oder gezielt vorgehende Diebe dürfte es aber kaum abschrecken, warnt er. Darum werde es von der Kriminalprävention und den Polizeien auch nicht empfohlen.
In voller Badi merkt wohl keiner, dass sich jemand an fremdem Tüechli zu schaffen macht
Ein weiteres (auch eher schwaches) Argument für den Tüechli-Trick ist, dass Diebe laut Ilg möglichst schnell und unauffällig sein wollen.
Graser von der Kapo Aargau sagt dazu: «Klar, wenn sich jemand an einem fremden Badetuch zu schaffen macht, kann dies aufmerksamen Platznachbarn auffallen.»
Bei einer vollen Badi an einem heissen Sommertag schwinde aber wohl die Übersicht. «Dadurch fällt ein dreister Dieb unter Umständen gar niemandem auf.» Tüechli wegreissen hin oder her.
Graser sagt: «Wir können nur raten, möglichst wenig Wertsachen in die Badi zu nehmen und solche nach Möglichkeit in einem Garderobenschrank einzuschliessen.»
Eine weitere sichere Möglichkeit sei es, die mitgenommenen Wertsachen auch im Wasser auf sich zu tragen. «Dafür gibt es praktische wasserdichte Bags», sagt Ilg von der Kriminalprävention.
«Diese werden von Kantonspolizeien zum Teil sogar gratis verteilt, zum Beispiel von der Kantonspolizei Aargau», erzählt er.
Eine weitere Massnahme, die sicherer ist als der Tüechli-«Trick»: «Wenn man in Gruppen unterwegs ist, kann jeweils ein Teil der Gruppe bei den Wertsachen bleiben, während die anderen schwimmen.»
Mehr Badi-Diebstähle erwartet – teils nehmen sie «extrem» zu
Fehlt etwas, sollte unbedingt rasch die Polizei alarmiert werden, rät Ilg. «Schliesslich könnten die Diebe noch in der Badi sein und andere Gäste Opfer von Dieben werden.»
Auch, wenn man als Unbeteiligter einen Diebstahl feststelle, solle man unbedingt sofort die Polizei alarmieren und weitere Anwesende aufmerksam machen.
Übrigens: Noch ist unklar, ob es aufgrund der vielen Hitzetage diesen Sommer zu mehr Diebstählen gekommen ist. Die Kriminalstatistik wird erst nächsten Februar veröffentlicht.

Graser von der Kapo Aargau meint dazu aber: «Auf der Hand liegt, dass die Zahl der Diebstähle in Schwimmbädern im Hitzesommer 2026 höher ausfallen dürfte als 2025.»
Letztes Jahr war der Juli schliesslich recht verregnet. Auch die Stadtberner Aarebadi Marzili schlug kürzlich Alarm: Dort häufen sich Diebstähle derzeit «extrem», wie der Anlagenchef Beat Wüthrich kürzlich zur «Berner Zeitung» sagte.
Die Kapo Bern hat im Juni und Juli etwas mehr Diebstähle in Badis registriert als in den Vorjahren. Die Zahlen müssten aber mit der Anzahl der sonnigen Tage abgeglichen werden, damit sie aussagekräftig seien. Schliesslich war es zuletzt selten so heiss wie dieses Jahr.
Zusammengefasst: Es ist wohl nicht so, dass der Tüechli-«Trick» gar nichts bringt. Immerhin könnte er den ein oder anderen Gelegenheitstäter aufhalten. Die wichtigsten Tipps bleiben jedoch, nicht viele Wertsachen mit in die Badi zu nehmen und möglichst nichts unbeaufsichtigt zu lassen.












