Sie haben eines gemeinsam: Das Coronavirus und die Affenpocken sind vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Doch die Gründe für ihre Verbreitung sind verschieden.
1000 Affenpocken Fälle
Eine Frau arbeitet im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, wo erstmals in Deutschland bei einem Patienten das Affenpockenvirus zweifelsfrei nachgewiesen wurde. - Martin Bühler/Bundeswehr/dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Erst das Coronavirus, jetzt die Affenpocken: Ein neues Virus beschäftigt Europa.
  • Beide Viren sind vom Tier auf den Menschen übergesprungen.
  • Mit dem Klimawandel nimmt die Gefahr solcher Zoonosen zu.
  • Die Affenpocken scheinen sich jedoch primär durch Reiseaktivitäten zu verbreiten.

Anfang 2020 hat sich das Coronavirus allmählich ausgebreitet. Schon bald hielt es die ganze Welt in Atem: Regierungen verhängten Lockdowns, die Wirtschaft brach ein, und gelernt und gearbeitet wurde nur noch von zu Hause aus.

Inzwischen hat die Corona-Pandemie jedoch an Schrecken verloren. Doch gerade jetzt, wo die Massnahmen gegen das Coronavirus gerade abgeschafft wurden, scheint uns eine neue gefährliche Viruserkrankung zu drohen: Die Affenpocken sind in Europa auf dem Vormarsch.

coronavirus
Das Coronavirus verbreitete sich schnell auf der ganzen Welt. Der Klimawandel macht es gefährlichen Viren einfacher, sich auszubreiten. (Symbolbild) - dpa

Nachdem zunächst in mehreren anderen europäischen Ländern Fälle registriert wurden, hat die Krankheit jetzt auch die Schweiz erreicht. Am Samstag vor einer Woche bestätigte die Berner Gesundheitsdirektion den ersten Affenpocken-Fall hierzulande.

Klimawandel erleichtert Tierkrankheiten die Verbreitung

Wie bei Corona handelt es sich bei den Affenpocken um eine Zoonose. Also eine Erkrankung, die vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist. Und der Klimawandel macht es solchen Viren einfacher, sich zu verbreiten.

US-Forschende von der Georgetown University warnen in einer neuen in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlichten Studie: Die neuartige artenübergreifende Übertragung von Viren könne sich in gewissen Regionen schätzungsweise um das 4000-Fache erhöhen.

malaria
Ein Stich der weiblichen Anopheles-Mücke reicht aus, um den Malaria-Parasiten auf den Menschen zu übertragen.
zecken
Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen. (Archivbild)

Grund dafür sind zuvor geografisch isolierte Tierarten, die mit dem Klimawandel in neue Gebiete vordringen. Vor allem in hohen Lagen und Hotspots der biologischen Vielfalt dürften viele Arten in neuen Kombinationen aufeinandertreffen. Dasselbe gilt für Gebiete mit hoher Bevölkerungsdichte in Asien und Afrika.

Die tropischen Regionen würden derzeit am meisten Zoonosen beherbergen. Mit einer raschen Erderwärmung drohe sich deren Verbreitungsgebiet jedoch zu verschieben.

Coronavirus verglichen mit anderen Viren «harmlos»

Auch Josef Settele, Professor am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle (D), warnte bereits im Dezember 2020: «Die nächste Pandemie wird kommen. Hat die Menschheit Pech, wird sie weitaus tödlicher als Corona sein.»

Prof. Josef Stettele.
Prof. Josef Settele: «Wir zerstören die Basis unseres Wohlstandes, unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen und Wohnqualität.» - zVg

Denn Mücken, Zecken und Co können sich dank des Klimawandels in Gebieten ansiedeln, in denen sie früher den Winter nicht überlebt hätten. Sie bringen Krankheiten nach Europa, die bis anhin nur von Reisenden aus fernen Ländern eingeschleppt wurden.

Die Verbreitung der Affenpocken sei jedoch wohl primär auf Reiseaktivitäten zurückzuführen, sagt Settele nun gegenüber Nau.ch.

Fürchten Sie sich vor den Affenpocken?

Affenpocken würden bislang eine «weitaus geringere Dynamik als Covid-19» aufweisen – bislang hätten wir keine Pandemie vor uns. Trotzdem warnt er: «Das Auftreten weist uns doch darauf hin, dass wir uns nie zu sicher fühlen sollten.»

Es zeige, dass es stets zu neuen Entwicklungen kommen kann. «Und das mit kürzeren Zeitintervallen als in den letzten Jahrzehnten, wo die Häufigkeit auch schon zugenommen hat.»

Mehr zum Thema:

Klimawandel Studie Coronavirus