Der menschengemachte Klimawandel lässt die Erdtemperaturen kontinuierlich steigen. Folgen sind unter anderem mehr Hitzetote – auch in der Schweiz.
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Der anthropogene Klimawandel lässt die Erdtemperaturen steigen und führt zu mehr Hitzetoten. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Forscher untersuchten die Auswirkungen des Klimawandels auf Todesfälle durch Hitze.
  • Rund ein Drittel der Hitzetode weltweit sind auf den Klimawandel zurückzuführen.
  • Die Werte in den untersuchten Ländern liegen zwischen 21 und 76 Prozent.

Weltweit lässt sich rund ein Drittel der hitzebedingten Todesfälle auf den menschengemachten Klimawandel zurückführen. Besonders vom Klimawandel betroffen sind demnach Menschen in Ländern Süd- und Mittelamerikas sowie Südostasiens.

Die Klimaerwärmung wirkt sich direkt auf die menschliche Gesundheit aus, und extreme Hitze kann Menschenleben fordern. Ein internationales Forschungsteam untersuchte, wie sich der Klimawandel in den letzten drei Jahrzehnten auf die durch Hitze verursachten Todesfälle niederschlug.

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Immer mehr Menschen erkennen den Klimawandel als dringendes Problem. Die Folgen können für viele Menschen gefährlich sein. - keystone

Demnach schätzen sie, dass durchschnittlich 37 Prozent der hitzebedingten Todesfälle auf die menschengemachte Klimaerwärmung zurückzuführen sind. Dabei liegen die Werte in den untersuchten Ländern zwischen 21 und 76 Prozent.

Zum Forschungsteam gehört einerseits Umweltepidemiologin Ana Maria Vicedo-Cabrera von der Universität Bern. Mit ihr nahm Antonio Gasparrini von der London School of Hygiene & Tropical Medicine an der Studie teil. Erschienen ist diese im Fachmagazin «Nature Climate Change».

Daten aus 43 Ländern

Die Forschenden trugen die Mortalitäts- und Temperaturdaten der jeweils wärmsten vier Monate zwischen den Jahren 1991 und 2018 zusammen. In die Berechnungen flossen Informationen aus 732 Orten in 43 Ländern weltweit ein.

In einer Mitteilung der Uni Bern äussert Vicedo-Cabrera Bedenken. Man denke, «dass der Anteil der hitzebedingten Todesfälle weiterwächst, wenn wir nichts gegen den Klimawandel unternehmen oder uns anpassen».

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Hitzewellen nehmen durch den Klimawandel zu. - AFP/Archiv

Denn die ermittelten Zahlen gelten für eine Welt, die sich zur vorindustriellen Zeit verglichen durchschnittlich um 1 Grad erwärmt hat. Die Gesundheitsbelastung würde selbst verschärft werden, wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllt werden. Jene Ziele wollen die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzen.

Demgegenüber sollte mit der Klimaerwärmung die Rate an Todesfällen durch Kälte sinken. Allerdings wird ohne entschiedenen Klimaschutz bis zum Ende des 21. Jahrhunderts die erwartet höhere Todesrate durch Hitze nicht durch weniger kältebedingte Todesfälle ausgeglichen.

Verletzlichkeit an Hitze und Klimawandel ortsabhängig

Es ist nicht nur die Temperatur, die das Risiko, an Hitze zu sterben, bestimmt. Die Verletzlichkeit der Menschen unterscheidet sich von Ort zu Ort. Sie ist dabei abhängig von mehreren Faktoren: unter anderem von der Altersstruktur, dem sozioökonomischen Status und dem Gesundheitszustand der Bevölkerung, dem Gesundheitssystem und der Infrastruktur.

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Hitzewellen könnten mit dem fortschreitenden Klimawandel heftiger ausfallen. - dpa-infocom GmbH

Am stärksten betroffen von der durch die menschengemachte Erderwärmung verursachte Hitze sind Menschen in vielen Ländern in Süd- und Mittelamerika. Auch in Südostasien sowie Iran und Kuwait sind die Folgen gravierender.

Hitzestress auch in der Schweiz

Für die Schweiz flossen Daten aus acht Städten in die Berechnungen mit ein. Demnach schätzen die Autoren, dass hierzulande die Klimaerwärmung für rund 30 Prozent der Hitzetote verantwortlich ist.

Die Studienautoren merken jedoch an, dass sich ihre Schätzungen nicht unbedingt auf ein ganzes Land übertragen lassen. Denn in die Berechnungen sind nur die Daten von einzelnen Städten oder Regionen eingeflossen.

Globale Analyse nicht möglich

Zudem liess sich keine globale Analyse erstellen, da für viele Länder keine oder nur lückenhaft Daten verfügbar sind. Das gilt insbesondere für den afrikanischen Kontinent und Südasien. Diese Länder gehören allerdings oft zu den ärmsten und dem Klimawandel gegenüber verletzlichsten Regionen.

Besorgniserregend sei, dass dort zudem die grössten «Hotspots» für den prognostizierten zukünftigen Bevölkerungszuwachs liegen würden.

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