Wer positiv auf das Coronavirus getestet wurde, musste bis vor Kurzem auch ohne Symptome in Isolation. Betroffene sind aber nicht so ansteckend, wie angenommen.
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Positiver Test? Lange bedeutete das auch ohne Symptome tagelange Isolation. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Isolationspflicht galt bis vor wenigen Monaten auch für symptomfreie Corona-Positive.
  • Viele Experten glaubten bislang, sie seien gleich infektiös wie Kranke.
  • Eine Studie zeigt nun, dass Betroffene deutlich weniger ansteckend sind als angenommen.

Die Lockdowns wegen des Coronavirus galten – zumindest zunächst – für alle. Infizierte mussten bis vor wenigen Monaten in Isolation, auch wenn sie keine Symptome aufwiesen. Eine neue Studie der Universität Bern zeigt aber nun: Positiv Getestete ohne Symptome sind deutlich weniger ansteckend als angenommen.

Experten gingen bislang davon aus, dass asymptomatische Infizierte gleich infektiös sind wie Erkrankte. Sich bei Betroffenen anzustecken, ist aber um 69 Prozent weniger wahrscheinlich als bei einer Person mit Symptomen.

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Viele Experten gingen bislang davon aus, dass asymptomatische Covid-Infizierte gleich ansteckend sind wie symptomatische.
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Die Isolationspflicht in der Schweiz galt bis vor wenigen Monaten auch für Infizierte ohne Symptome.
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Eine aktuelle Studie zeigt nun aber, dass Asymptomatische deutlich weniger ansteckend sind als Symptomatische.
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Demnach ist die Wahrscheinlichkeit, sich bei einer infizierten Person ohne Symptome anzustecken, um 69 Prozent geringer als bei einer Person mit Symptomen.
Nicola Low
Die Epidemiologin Nicola Low, die an der Studie beteiligt war, mahnt, die Zahl mit Vorsicht zu geniessen.
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Fest steht für sie jedoch: «Menschen mit einer wirklich asymptomatischen Infektion sind weniger ansteckend als solche mit einer symptomatischen Infektion.»

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die acht Studien zu 11'664 Covid-Fällen zwischen April 2020 und Juli 2021 analysiert hat. «Sie wurde also geführt, ehe besorgniserregende Varianten wie Omikron auftauchten», so Co-Autorin Nicola Low zu Nau.ch.

Forscherin will sich nicht auf einzelne Zahl zum Coronavirus stützen

Zwischen 14 und 50 Prozent aller Infektionen verlaufen laut der Studie asymptomatisch. Das wahre Ausmass an asymptomatischen Fällen des Coronavirus sei schwer zu berechnen.

Die Epidemiologin erklärt: «Einzelne der analysierten Studien könnten den Anteil echter asymptomatischer Infektionen überbewerten, da sie Personen nur zu einem Zeitpunkt untersuchten.» So bestehe das Risiko, dass Infizierte fälschlicherweise als asymptomatisch erfasst wurden, obwohl sie später noch Symptome entwickelten.

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Beim ersten positiven Test auf das Coronavirus haben viele noch keine Symptome. Später treten diese dann auf. - Keystone

Fest steht jedoch: «Menschen mit einer wirklich asymptomatischen Infektion sind weniger ansteckend als solche mit einer symptomatischen Infektion.»

Isolationspflicht war laut Expertin trotz Ergebnissen nicht übertrieben

Dennoch glaubt Low nicht, dass Isolationspflicht und Lockdowns für asymptomatische Personen als Schutzmassnahmen übertrieben waren. «Wissenschaftliche Erkenntnisse unterstützen diese These aus zwei Gründen nicht», sagt sie zu Nau.ch.

«Erstens: Auch Menschen mit einer anhaltend asymptomatischen Infektion können Sars-CoV-2 übertragen – nur in geringerem Masse.»

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Zweitens beziehe sich die Studie nur auf Personen, die während des ganzen Infektionsverlaufs keine Symptome bemerken. «Eine solche anhaltend asymptomatische Infektion kann erst nach dem Ende der Infektionsperiode festgestellt werden. Viele Menschen, die beim ersten positiven Test keine Symptome haben, entwickeln später Symptome.»

Betroffene nenne man präsymptomatisch. «Als wir das Ansteckungsrisiko von präsymptomatischen mit symptomatischen Personen verglichen, war es gleich hoch.»

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