Comédie de Genève entlässt Direktorin Séverine Chavrier
Die Generaldirektorin des Theaters Comédie de Genève, Séverine Chavrier, ist entlassen worden. Chavrier hatte bereits angekündigt, dass ihr Mandat nach Juni 2027 nicht verlängert werde. Nun beendet die Stiftung das Arbeitsverhältnis mitten in der laufenden Kontroverse vorzeitig.

Der Entscheid wurde am Freitagmorgen mehrheitlich vom Stiftungsrat gefällt, wie die Fondation d’art dramatique (FAD) am Nachmittag mitteilte. Den Vorsitz hat seit dieser Woche Philippe Juvet inne, der auf die zurückgetretene Lorella Bertani folgt.
Laut FAD wurde die Belegschaft informiert, nachdem Chavrier selbst über die Entscheidung in Kenntnis gesetzt worden war. Weitere Stellungnahmen machte die Stiftung zunächst nicht.
Die Entlassung erfolgt kurz vor der Veröffentlichung eines HR-Audits zum Arbeitsklima, an dem rund 150 Personen beteiligt waren. Chavriers Anwalt Romain Jordan hatte jedoch per superprovisorischer Verfügung ein Publikationsverbot für den Bericht erwirkt.
In einer Mitteilung reagierte Jordan scharf: «Die FAD betreibt Mobbing auf höchster Ebene, funktioniert nicht mehr richtig und schreckt vor keiner Persönlichkeitsverletzung zurück.» Der Präsident habe bestätigt, dass man seine Mandantin «um jeden Preis loswerden» wolle.
Jordan kündigte zudem eine Beschwerde beim Genfer Stadtrat an und forderte dringliche Massnahmen. Die FAD sei «nicht mehr in der Lage, dieses Dossier korrekt zu führen».
Chavrier war im November nach Vorwürfen aus der Belegschaft von ihren operativen Aufgaben entbunden worden. Die FAD hatte daraufhin eine Untersuchung zum Arbeitsklima angeordnet. Parallel dazu verlangte die Stadt Genf ein Governance-Audit durch den Rechnungshof.
Die Franco-Schweizerin blieb zunächst künstlerische Direktorin. Sie hatte sich gegen die Nichtverlängerung ihres Mandats juristisch gewehrt und nach eigenen Angaben weiterhin breite Unterstützung innerhalb der Institution genossen. Ihr Anwalt kritisierte die Audits als «einseitig» und «intransparent» und plädierte stattdessen für eine externe Mediation.
Die Affäre führte auch innerhalb des Stiftungsrats zu Turbulenzen. Neben Präsidentin Lorella Bertani traten mehrere Mitglieder zurück, darunter Vizepräsidentin Anne-Marie Gisler.










