Hunderttausende Menschen protestierten in Frankreich gegen den Impfzwang. Die Polizei verhaftete 19 Personen.
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Auch in Paris versammelten sich die Demonstrierenden. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In Frankreich ist es wiederum zu Grossdemonstrationen gekommen.
  • Über 180 Protestaktionen wurden im ganzen Land gezählt.
  • Es steigt die Angst, dass sich eine zweite «Gelbwesten»-Bewegung formiert.

Erneut hat es in Frankreich Massenproteste gegen eine Verschärfung der Corona-Regeln gegeben. Nach Angaben des Innenministeriums gingen am Samstag etwa 204'000 Menschen auf die Strasse. Sie demonstrierten gegen eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal und eine Ausweitung der Corona-Nachweispflicht.

Landesweit gab es demnach mehr als 180 Protestaktionen. Es ist bereits das dritte Wochenende in Folge, dass es im ganzen Land grosse Corona-Proteste gibt. Am vergangenen Samstag hatten sich mehr als 160'000 Menschen daran beteiligt.

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Hunderttausende Menschen strömten am Samstag auf die Strassen Frankreichs.
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Sie protestierten gegen den Impfzwang und das Corona-Zertifikat.
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Doch auch Staatschef Macron war Ziel der Demonstranten.
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Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort.
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Vereinzelt kam es auch zu Ausschreitungen und Verhaftungen.

Staatschef Emmanuel Macron hatte angesichts steigender Infektionszahlen Mitte Juli die neuen strengeren Hygienevorschriften angekündigt. Die Impfpflicht und Ausweitung der Nachweispflicht über einen Corona-Test, eine Genesung oder eine Impfung stört nicht nur Impfgegnern und Corona-Leugner. So mischten sich bei den Demonstrationen Menschen verschiedenster Strömungen.

Diese Heterogenität und die Grösse der landesweiten Proteste schüren in Frankreich auch Ängste vor einer neuen «Gelbwesten»-Bewegung. Die «Gilets Jaunes» («Gelbe Westen») hatten ihre Demonstrationen 2018 als regionale Bewegung gegen die Erhöhung der Benzinpreise begonnen.

Erhebliches Polizeiaufgebot, 19 Verhaftungen

Schnell weiteten sich ihre Themen zu einer Kritik an der Reformpolitik der Mitte-Regierung und des Präsidenten Macron aus. Bei den Protesten war es immer wieder zu Verwüstung und Gewalt gekommen, auch etwa auf der Pariser Prachtstrasse Champs-Élysées. Ein Demonstrationszug der Anti-Corona-Proteste auf der Strasse wurde am Samstag von einem erheblichen Polizeiaufgebot begleitet.

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«Wir müssen in Richtung einer Impfung aller gehen, weil das vorerst der einzige Weg zurück zu einem normalen Leben ist», so Präsident Macron. Foto: Michel Euler/Pool AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Vereinzelt kam es zu Ausschreitungen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die Polizei in Paris Wasserwerfer einsetzte. Dem Innenministerium zufolge wurden 19 Menschen festgenommen. Drei Polizisten wurden demnach bei den Protesten verletzt.

Das Gesetz mit den neuen Regelungen soll bereits zum 9. August in Kraft treten. Ab dann muss ein Nachweis für den Besuch von Bars, Cafés, Restaurants sowie Fahrten mit dem Fernzug erbracht werden.

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