Das Seilbahn-Unglück im grenznahen Stresa (I) löst Erschütterung aus – und bei einigen auch Unsicherheit. Schweizer Seilbahn-Betreiber beschwichtigen.
Pendelbahn
Die komplett zerstörte Gondelbahn nach dem tragischen Unglück mit 14 Toten in Stresa (I). - Vigili del Fuoco/AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Pfingstwochenende stürzten 14 Menschen in Italien mit einer Gondel in den Tod.
  • Bei Nau.ch-Lesern löst der tragische Unfall Verunsicherung aus.
  • Die Betreiber der Schweizer Seilbahnen beruhigen aber.

Der Schock sitzt noch immer tief: Am Sonntag stürzte eine Gondel am Lago Maggiore ab, 14 Menschen sind tot. Als Unfallursache wird ein Seilriss auf der Höhe der letzten Säule der Strecke vermutet.

Ein technisches Problem ist wahrscheinlich. Aber: Wie die Zeitung «La Repubblica» berichtet, könnte das Unglück auch auf menschliches Versagen zurückzuführen sein.

Auch wenn man selbst schon Hunderte Male sicher Seilbahn gefahren ist – die Horror-Bilder aus Stresa (I) können verunsichern. Das macht auch eine Umfrage von Nau.ch deutlich: Mehr als die Hälfte der Leser sind Gondeln gegenüber misstrauisch.

GOndel
Eine Leserumfrage von Nau.ch hat ergeben, dass sich viele in Gondeln nicht sicher fühlen. - Nau.ch

Doch wie sicher sind Gondeln und Sessellifte in der Schweiz also wirklich? Nau.ch hat bei einem Betreiber im Touristen-Hotspot Zermatt VS nachgefragt, wie oft die Bahnen gewartet werden – und was sie für Passagiere unbedenklich macht.

Seilbahn-Betreiber: «Letzter Unfall war 2002»

Mathias Imoberdorf von der Zermatt Bergbahnen AG erklärt: «Die Seilbahnen werden jedes Jahr nach einem strikten Wartungsprotokoll gewartet, zum Teil sogar zweimal jährlich.» Diese Wartungen würden immer während der Zwischensaison durchgeführt – «die letzten wurden also gerade gemacht oder sind noch im Gange».

Das entsprechende Wartungsprotokoll gebe vor, in welchen Abständen welche Bestandteile kontrolliert, gewartet oder ausgetauscht werden müssen. «Zudem wird der Betrieb streng überwacht und es finden morgendliche Testfahrten statt», betont Imoberdorf.

Gondeln
Gondeln der Bergbahnen in Zermatt VS.
Zermatt
Die Seilbahnen in Zermatt werden nach einem strengen Protokoll gewartet.
Seilbahn
Die Wartungen finden teilweise sogar zweimal im Jahr statt.

«Die moderneren Anlagen verfügen des Weiteren über hochtechnische Sensorik, die anzeigt, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte. So können Zwischenfälle vermieden werden.»

Verstehen Sie die Verunsicherung nach dem Gondel-Unglück?

Der letzte Unfall ist Jahre her – Tote gab es keine. «Im Frühling 2002 ist aufgrund eines Defekts an einer Stütze eine leere Gondel abgestürzt», sagt der Sprecher. Zum Zeitpunkt des Absturzes befanden sich keine Insassen in der Kabine. «Deshalb gab es glücklicherweise weder Verletzte noch Tote. Mehrere Leute konnten als Folge darauf erfolgreich evakuiert werden.»

Gondeln
Der Unglücksort in Stresa (I). Laut einem Seilbahn-Experten seien Unfälle mit Gondeln so selten, dass sie jedes Mal internationale Aufmerksamkeit erregen würden. - Keystone

Auch der Brienzer Seilbahn-Experte Reto Canale gibt gegenüber dem italienischsprachigen Newsportal «Tio.ch» Entwarnung. «Seilbahnen sind, ähnlich wie Flugzeuge, viel sicherere Verkehrsmittel als zum Beispiel Autos.» Unfälle seien so selten, dass sie jedes Mal internationale Aufmerksamkeit erregen würden.

Canale kann dabei besonders gut für das Tessin sprechen: Bis 2012 war er Sicherheitsdirektor der kantonalen Seilbahnen. Er versichert: «Die betriebenen Seilbahnen mit kantonaler oder eidgenössischer Bewilligung haben einen sehr hohen Sicherheitsstandard.»

Seilbahn Mottarone
Eigentlich sollte eine Bremse am Tragseil (oben) die Gondel im Falle eines Risses des Zugseils zum Stehen bringen. - Lago Maggiore Fun

In Italien wird derweil fieberhaft nach der Unfallursache ermittelt. Man geht davon aus, dass das Zugseil der Bahn gerissen ist. Eigentlich müssten in diesem Fall eingebaute Fangbremsen die Kabine am Trageseil zum Stehen bringen. Das geschah allerdings nicht – offenbar hat die Bremse versagt.

Die Behörden haben ein Überwachungsvideo sichergestellt, das zeigt, wie die Gondel nach unten rast. Zu hoffen ist, dass diese Aufnahmen Klärung bringen.

Mehr zum Thema:

Bahn