Lago Maggiore: Bub (5) überlebt – verliert ganze Familie

    Simon Binz
    Simon Binz

    Italien,

    14 Menschen sind am Sonntag beim Seilbahnunglück am Lago Maggiore in Norditalien gestorben. Der einzige Überlebende ist ein fünfjähriger Junge.

    Seilbahnunglück Lago Maggiore
    Bei dem Seilbahnunglück in Norditalien starben insgesamt 14 Menschen. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Beim Seilbahnunglück in Norditalien starben 14 der 15 Insassen.
    • Das jüngste Opfer war nur zwei Jahre alt – der einzige Überlebende ist ein Fünfjähriger.
    • Er hat bei dem Unglück seine Eltern, seinen Bruder und seine Grosseltern verloren.

    Es ist eine unglaubliche Tragödie, die sich gestern Sonntag um 12.30 Uhr in Norditalien abspielte: Bei einem Absturz einer Pendelbahn am Lago Maggiore hatten 13 Menschen auf der Stelle ihr Leben verloren. Zwei schwer verletzte Kinder wurden per Hubschrauber in eine Klinik in Turin geflogen, wo eines von ihnen noch am Sonntagabend starb und sich so die Zahl der Toten auf 14 erhöhte.

    Gemäss Berichten von italienischen Zeitungen hatte das neunjährige Kind mehrere Brüche sowie ein Schädel- und Brustkorbtrauma erlitten und musste erst mehr als sechs Minuten reanimiert werden. Auf der Intensivstation setzte dann sein das Herz aus.

    Das zweite Kind, laut Medienberichten ein fünfjähriger Junge, der schwere Frakturen an den Beinen sowie Verletzungen am Kopf, an der Brust und am Bauch erlitten hatte, wurde am Abend operiert und stabilisiert.

    14 der 15 Insassen sind tot

    Nach und nach gibt es mehr Informationen zu den Todesopfern. Wie die italienische Tageszeitung «La Repubblica» berichtet, sind zwei befreundete Familien aus Varese (Lombardei) und eine Familie aus Paia (Lombardei) mit israelischer Herkunft unter den Todesopfern. Zu der Familie gehört auch das jüngste Opfer, ein zweijähriger Junge.

    Bei den beiden Jungen, die ins Spital gebracht wurden, handelte es sich um die Kinder der israelischen Familie. Der Überlebende 5-jährige hat laut der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» seine Eltern, seinen Bruder und seine Grosseltern verloren.

    Lago Maggiore
    Das Unglück am Lago Maggiore kostete mehreren Familien das Leben. - EPA/ITALIAN FIRE AND RESCUE SERVICE

    Der Direktor der Kinderchirurgie am Spital Regina Margherita in Turin, Fabrizio Gennari, sagte, er schwebe weiterhin in Lebensgefahr. Seine einzigen Worte bislang seien gewesen: «Lasst mich in Ruhe, ich habe Angst».

    Um ihn zu stabilisieren, habe man ihn sediert. «Wir haben keine Chance, weitere Worte mit ihm zu wechseln», sagt der Chirurg.

    Zwei weitere Opfer sind laut dem Bericht aus Cosentino, zwei der Toten stammten demnach aus Castel San Giovanni (Emilia-Romagna) und ein Todesopfer aus Vedano Olona (Lombardei).

    Pendelbahn erst seit kurzem wieder in Betrieb

    Wie es zu der Tragödie kommen konnte, war zunächst unklar. Ein Ermittler der Carabinieri sagte Nachrichtenagenturen, ein Stahlseil habe sich gelöst. Dass die Kabine überlastet war, scheint ausgeschlossen, da sie mehr als 30 Passagiere aufnehmen kann. Die Staatsanwaltschaft der Gemeinde Verbania in der Region Piemont hat die Ermittlungen übernommen.

    Fühlen Sie sich in Gondeln sicher?

    Die Gondel war auf dem Weg zwischen dem kleinen Ort Stresa am Westufer des belieben Sees und dem Monte Mottarrone unterwegs. Zum Unglück kam es vor dem letzten Masten etwa 300 Meter von der Bergstation entfernt. Von den Rettern hiess es, die Absturzstelle sei schwer zugänglich gewesen. Fotos der Feuerwehr und der Polizei zeigten die völlig verbeulte Kabine an einem steilen Hang in einem Waldstück.

    Norditalien Seilbahnunglück
    Ein Polizist salutiert vor einem vorbeifahrenden Leichenwagen auf einer Strasse. - Keystone

    Das Unglück löste in Italien und International grosse Bestürzung aus. Die Seilbahn hatte den Betrieb erst am 24. April nach mehrmonatiger Corona-Schliessung wieder aufgenommen. Die Bürgermeistern der Stadt Stresa sagte, das Unglück sei «eine schreckliche Tragödie für die Menschen und eine Tragödie für das Territorium».

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