Nach der Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg flüchteten viele. Im Moment werde die Ausreise toleriert – doch nicht alle können sich diese leisten, so ein Experte.
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Im Ukraine-Krieg kämpfende russische Soldaten auf dem Weg ins Stahlwerk in Mariupol. - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Russen ergreifen nach der Ankündigung der Teilmobilmachung die Flucht.
  • Flüchten können aber nicht alle – oft fehlt es am Pass oder an finanziellen Mitteln.
  • Wichtiger als die Zahl der Mobilisierten sei die Kampfmoral, ordnet ein Experte ein.

In einer Fernsehansprache kündigte Wladimir Putin am Mittwoch eine Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg an. Von der Massnahme sind vorerst 300'000 Reservisten betroffen. Doch weit nicht alle Russen sind mit dem Plan ihres Präsidenten einverstanden.

Zwar sind die Aufnahmen von Stau an der Grenze zu Finnland nicht aktuell. Das stellt die finnische Grenzbehörde am Donnerstag klar.

Doch viele haben kurz nach der Ankündigung das Land via Flugzeug verlassen. Preise für Flüge ins Ausland steigen in astronomische Höhen.

Was passiert mit potenziellen Reservisten, die auf der Flucht erwischt werden?

Noch nicht viel, wie Russland-Experte Ulrich Schmid gegenüber Nau.ch sagt: «Es ist erst ein Problem, wenn den Reservisten der Stellungsbefehl bereits ausgehändigt wurde. Im Moment wird die Ausreise noch toleriert

Ukraine-Krieg: Kampfmoral wichtiger als Anzahl der Mobilisierten

Flüchten können ohnehin nicht alle: «Nur 25 Prozent der Russen haben überhaupt einen Pass.» Ausserdem setze eine Flucht «finanzielle Mittel» voraus, betont der Experte.

Nach wie vor sei «unklar, wie erfolgreich die Teilmobilmachung» sein werde. «Die offizielle Begründung lautet, dass die 300'000 Reservisten nur einen kleinen Bruchteil der Personen ausmachen, die mobilisiert werden können.» Aber: «Wichtiger als die Anzahl der Mobilisierten ist ihre Kampfmoral, die nicht hoch ist.»

Russen gehen nach der Ankündigung der Teilmobilmachung auf die Strasse. Die Polizei geht mit aller Härte gegen die Demonstranten vor. - Twitter

Nicht nur mit der Flucht wehren sich die Russen gegen einen Einsatz im Ukraine-Krieg. Viele haben demonstriert. Dass der Kreml freie Meinungsäusserung nicht toleriert, ist bekannt. Auch bei den Protesten gegen die Teilmobilmachung greift die Polizei mit voller Härte ein. Es gab über 1500 Festnahmen in einer Nacht.

Müssen sich festgenommene Demonstranten also vor Konsequenzen fürchten? Nicht unbedingt, erklärt der Experte: «Meistens werden sie nach einigen Tagen Haft mit einer Geldstrafe wieder freigelassen.» Trotzdem sei nicht auszuschliessen, dass das «eine oder andere Exempel statuiert wird».

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Eine Überwachungskamera hält fest, wie Russen mit dem Auto nach Finnland fahren. Das Foto wurde nicht, wie ursprünglich berichtet, am Mittwoch aufgenommen. Es handelt es um eine ältere Aufnahme.
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Im Bild: Stau vor Georgien. Laut dem Russland-Experten Ulrich Schmid besitzen nur 25 Prozent der Russen einen Pass.
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Auch mit dem Flugzeug flüchten viele, die es sich leisten können. Denn die Flugticket-Preise sind hoch und die «finanziellen Mittel» nicht für alle verfügbar.
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Wladimir Putin bei seiner Fernsehansprache, in der er die Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg verkündet.
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Laut Schmid braucht es Mut, um in Russland gegen den Krieg zu demonstrieren.
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Viele Russen sträuben sich gegen einen Einsatz im Ukraine-Krieg. (Symbolbild)

«Die Menschen sind eingeschüchtert, es braucht heute enorm viel Mut, um gegen den Krieg zu protestieren.» Dass trotzdem demonstriert werde, «zeugt von der Empörung einzelner Demonstrantinnen und Demonstranten», so Schmid.

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