Putins Krieg treibt Russen in die Panik vor Mobilisierung
Im Krieg braucht Russland dringend Soldaten. Der Kreml schweigt, dementiert – und beschleunigt damit die Gerüchteküche.

Laut Wolodymyr Selenskyj plant der Kreml nach den Duma-Wahlen im September eine neue Einberufungswelle von bis zu 500'000 Soldaten. Damit solle Russland seine hohen Verluste im Krieg gegen die Ukraine ausgleichen, so wie «T-Online» berichtet.
Der Personalmangel an der Front ist gravierend: Laut ukrainischen Angaben mobilisierte der Kreml im laufenden Jahr rund 220'000 neue Rekruten für den Krieg. Im gleichen Zeitraum soll die russische Armee jedoch 225'000 Soldaten verloren haben, darunter rund 131'000 Getötete.
Die Verluste haben sich dabei laut dem US-Institut für Kriegsstudien (ISW) zuletzt deutlich beschleunigt. Im Juni verlor Russland laut dem «Tagesspiegel» pro gewonnenem Quadratkilometer ungefähr 1300 Soldaten; ein Jahr zuvor seien es 68 gewesen.
Kreml testet die Stimmung im Krieg
Das Center for European Policy Analysis (CEPA) erklärt laut «T-Online», dass öffentliche Äusserungen zu einer Mobilisierung kein Zufall seien. Demnach fänden regelmässig Treffen zwischen Regierungsbeamten und Medienvertretern statt, um Botschaften abzustimmen und die Volksstimmung zu testen.
Kremlpropagandist Wladimir Solowjow rief auf, sich für den Kriegsdienst zu melden. Kurz darauf beklagte er sich über angebliche Panikmache russischer Militärblogger und forderte deren strafrechtliche Verfolgung.
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Staatsduma, Andrej Kartapolow, erklärte: «Ich halte nichts von diesen Gerüchten», und betonte, es bestehe «keine Notwendigkeit zur Mobilmachung». Viele Russen erinnern sich: 2022 versicherte Kartapolow dasselbe – einen Tag vor der Mobilmachung.
Medwedew nennt Gerüchte eine «Lüge des Feindes»
Selbst der frühere Kremlchef Dmitri Medwedew meldete sich zur Debatte: Es bestehe «keinerlei Notwendigkeit für eine Mobilmachung», sagte er laut dem «Tagesspiegel» in einer Videobotschaft auf Telegram. Er bezeichnete Berichte über eine geplante Einberufungswelle als gezielte «Lüge des Feindes» vor den Parlamentswahlen.
Das oppositionelle Medium «Verstka» zitiert laut dem «Tagesspiegel» Beamte, die den Herbst 2026 als «Zeit neuer unpopulärer Entscheidungen» bezeichnen. Manche Beamte befürworteten demnach die Idee, künftig wieder Männer für den Krieg zu verpflichten.

Das ISW verweist zudem auf Massnahmen, die eine Mobilisierung administrativ vereinfachen würden. Laut dem «Tagesspiegel» unterzeichnete Putin am 26. Juli ein Gesetz, das dem Verteidigungsministerium Zugang zu Registern über Militärpersonal verschafft.
Stimmung in Russland ist angespannt
In der Bevölkerung sind die Nerven blank, wie der SRF-Russland-Korrespondent Calum MacKenzie beschreibt.
In Russland sei ein Gefühl von Frust und Pessimismus spürbar, selbst bei bisherigen Putin-Unterstützern. Die Wirtschaft stockt, Drohnen treffen Raffinerien – der Krieg ist für viele Russen laut «SRF» längst spürbar.
Nach der letzten Mobilmachung 2022 brachen landesweit Proteste aus; rund 1300 Menschen wurden festgenommen, wie «T-Online» berichtet. Zehntausende verliessen damals das Land, um dem Kriegsdienst zu entgehen.
















