«Tierquälerei»: Hätte die Wal-Rettung gar nie stattfinden dürfen?
Wal «Timmy» ist tot. Das ist seit Samstag klar. Es stellt sich die Frage: Warum wurde der Wal in seinen letzten Lebenstagen durch eine «Rettung» gequält?

Das Wichtigste in Kürze
- Der gestrandete und danach gerettete Buckelwal «Timmy» ist tot.
- Tierschützer kritisieren bei Nau.ch die Rettung des todkranken Wals.
- Meeresbiologe Thilo Maack findet: Die Rettung des Tieres habe an «Tierquälerei» gegrenzt.
Seit Samstagnachmittag gibt es traurige Gewissheit: Der gestrandete und danach gerettete Ostsee-Buckelwal Timmy lebt nicht mehr.
Bereits zuvor wurde vermutet, der Meeressäuger sei kurz nach seiner Freilassung am 2. Mai in der Nordsee verendet.
Als danach ein Wal-Kadaver vor der Küste Dänemarks auftauchte, schien bereits klar zu sein, dass «Timmy» gestorben ist. Später wurde bestätigt, dass es sich um den aufwändig «geretteten» Meeressäuger handelt.
Experten sahen «Rettung» kritisch
Timmys Tod war laut vielen Expertinnen und Experten ohnehin unvermeidlich. Sie warnten schon vor der Rettungsaktion für den Wal davor, dass das Tier zu geschwächt sei.
Auch an der Rettung selbst gab es Kritik: Diese habe den ohnehin bereits kranken und geschwächten Wal zusätzlich gestresst.
War die versuchte Rettung einer privaten Initiative am Ende also nur das Quälen eines schwer angeschlagenen Meeressäugers?
Biologe: Todkrankes Tier lediglich von einem Ort zu anderem gebracht
Thilo Maack von Greenpeace war zu Beginn der Strandung selbst beim Wal vor Ort. Der Meeresbiologe erklärt gegenüber Nau.ch: «Wir hatten damals als Teil des Expertenkreises empfohlen, den Wal in Ruhe und der Natur ihren Lauf zu lassen.»

Dabei sei Greenpeace auch von internationalen Expertinnen und Experten unterstützt worden. So beispielsweise von einer speziellen Arbeitsgruppe der internationalen Walfangkommission.
Dem pflichtet auch der WWF bei, der operativ nicht beteiligt war. «Es ist davon auszugehen, dass jede Intervention bei einem gestrandeten Grosswal mit erheblichem Stress für das Tier verbunden ist.»
Zum Einsatz der privaten Rettungsinitiative meint Thilo Maack von Greenpeace: «Die selbsterklärte Rettungsinitiative hat lediglich ein todkrankes Tier von einem Ort zu einem Ort gebracht. Und hat es dann in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt.»
Rettungsaktion «grenzte an Tierquälerei»
Auch zu den Vorgängen während der vermeintlichen Walrettung findet der Meeresbiologe klare Worte. «Die Aktion wurde live gestreamt und vieles von dem, was dort zu sehen war, grenzte meines Erachtens nach an Tierquälerei.»
Der Buckelwal sei beispielsweise mehrfach an seiner Fluke (der Schwanzflosse) gezogen worden. Am Ende habe man das schwer verletzte Tier schliesslich mithilfe von Seilen aus seinem Transportkahn gerissen.
Maack erklärt weiter: «Bei der sicherlich gut gemeinten Aktion wurde das Leid des Tieres sehr vermenschlicht.»
Es sei schliesslich gar nicht mehr um das Wohl des Tieres gegangen, so der Meeresbiologe. «Sondern um das Bedienen von Geschichten und der Pflege von Egoismen.»
Denn: «Dem Wal wäre viel Leid erspart geblieben, wenn man ihn in Ruhe und Würde hätte sterben lassen.»





















