Tränen um Timmy: «Das Traurigste, was ich bisher erlebt habe»
Mit dem Tod von Timmy endet ein wochenlanges Rettungsdrama, das Millionen Menschen in Atem hielt – und seine Initianten erschüttert zurücklässt.
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Das Wichtigste in Kürze
- Wal Timmy ist tot, vor Dänemark aufgefunden – die Millionen-Rettung ist gescheitert.
- Mediamarkt-Mitgründer Gunz ist erschüttert, würde den Einsatz aber wieder wagen.
- Umweltminister Backhaus zieht Lehren: Ostseeländer sollen sich besser vorbereiten.
Es ist das traurige Ende eines Krimis, der ganz Europa bewegt hat: Buckelwal Timmy ist tot. Sein Kadaver wurde vor der dänischen Insel Anholt entdeckt – leblos und von Möwen zerhackt. Der zuvor angebrachte Tracker an der Rückenflosse brachte am Samstag die furchtbare Gewissheit. Zweifel gab es keine mehr.
Wochenlang hatten die dramatischen Bemühungen für den Buckelwal in der Ostsee Millionen Menschen in Atem gehalten. Zuletzt blieb nur noch Hoffnung.
Im Zentrum des Wal-Dramas standen Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) sowie die private Initiative der Geldgeber: Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz (79) und Karin Walter-Mommert. Sie bestimmten in den vergangenen Wochen massgeblich über Timmys Schicksal.
Der mehrmals an der deutschen Ostseeküste gestrandete Timmy war von der Initiative mithilfe eines Lastkahns ins offene Meer gebracht worden. Am 2. Mai, rund 70 Kilometer von Skagen, wurde er schliesslich Skagerrak ausgesetzt.
Nach seiner Freilassung blieb unklar, was mit Timmy geschah – bis jetzt.
«Das Traurigste, was ich bisher erlebt habe»
Walter Gunz zeigt sich nach der Bestätigung des Tods tief erschüttert. Der Unternehmer sagte zur «Bild»: «Es ist das Traurigste, was ich bisher erlebt habe.»
Und weiter: «Wir haben es versucht, sein Leben zu retten. Auch gegen alle Widerstände. Tag und Nacht haben wir daran gearbeitet, kaum geschlafen.»

Trotz des tragischen Endes bereut Gunz den Einsatz nicht. «Ich würde es dennoch wieder tun», sagte er. Der Millionär ist überzeugt, das Richtige getan zu haben.
Minister Backhaus verteidigt sich
Auch Wal-Minister Till Backhaus äusserte sich zu Timmys Tod und verteidigte die Rettungsaktion der privaten Initiative. Der Umweltminister: «Aufgrund der privaten Initiative hatte das Tier eine letzte Chance, die Freiheit und die Gesundheit wiederzuerlangen.»

Seine Entscheidung, den Bergungsversuch zu dulden, sei keine Wissenschaftskritik. Zwar hätten ihm Wissenschaftler davon abgeraten – er sagt dennoch: «Ich halte es für absolut menschlich, auch die geringste Chance zu nutzen, wenn es um ein Leben geht.»
Und weiter: «Wer das kritisieren will, möge das tun.»
Lehren aus dem Präzedenzfall Timmy
Aus dem Präzedenzfall, wie Backhaus die Strandung nennt, will man trotzdem lernen. Die Ostseebundesländer sollen sich auf einen erneuten Fall vorbereiten. Auch mit technischen Mitteln – man wisse jetzt, was gehe und was nicht.
Backhaus stellt die Rettungsaktion als Abwägung zwischen zwei schlechten Optionen dar: Dem sicheren Tod unter Qualen oder einer letzten Chance auf Freiheit – selbst wenn dies zusätzlichen Stress bedeutet habe.
Auch die Rettungsinitiative wurde mit rund 1,5 Millionen Euro von Gunz und Walter-Mommert finanziert. In einer Mitteilung verteidigt sie den umstrittenen Versuch bis zuletzt.
Ein Sprecher: «Mit der Freilassung wurde ‹Hope/Timmy› nochmals die Möglichkeit gegeben, in Freiheit zu schwimmen und seinen natürlichen Weg im Meer fortzusetzen.»















