Vor der Entscheidung über einen Truppenabzug aus Afghanistan hat die Nato die radikalislamischen Taliban aufgefordert, ihre Verpflichtungen aus der Friedensvereinbarung mit den USA einzuhalten.
Nato-Generalsekretär Stoltenberg
Nato-Generalsekretär Stoltenberg - POOL/AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Stoltenberg: «Grosse Sorge» wegen jüngstem Anstieg von Gewalt.

Das Bündnis werde «sehr sorgfältig bewerten», ob es sich tatsächlich bis Mai zurückziehen könne, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstag. Der jüngste Anstieg der Gewalt löse «grosse Sorge» im Bündnis aus.

Stoltenberg verwies bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem belgischen Ministerpräsidenten Alexander de Croo in Brüssel auf eine Zunahme von Anschlägen auf Mitglieder der afghanischen Zivilgesellschaft wie Journalisten. Das Bündnis verlange eine Abnahme der Gewalt als Voraussetzung für den Abzug, sagte er. Zudem müssten die Taliban «alle Beziehungen zu internationalen Terroristen einschliesslich Al-Kaida abbrechen».

Die Nato-Verteidigungsminister wollen Mitte Februar über die Zukunft des Einsatzes in Afghanistan beraten. Hier stehe das Bündnis vor einem «echten Dilemma», sagte Stoltenberg. «Wenn wir entscheiden abzuziehen, gefährden wird den Friedensprozess.» Afghanistan könne dann wieder «ein sicherer Hafen für internationale Terroristen werden». Bleibe die Nato aber, «gehen wir das Risiko erhöhter Gewalt ein - auch gegen Nato-Truppen».

Die USA hatten den Taliban in einem Friedensabkommen Ende Februar 2020 den Abzug aller internationalen Truppen in Aussicht gestellt. Bedingung war, dass die islamistische Miliz die Gewalt deutlich reduziert und Al-Kaida und anderen extremistischen Organisationen keine Zuflucht gewährt. Ausserdem verpflichteten sich die Taliban zu direkten Gesprächen mit der Regierung in Kabul. Diese sind bisher aber ohne Ergebnis.

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