Lagarde verlässt EZB vorzeitig - Wechsel zum WEF?
Nach monatelangen Gerüchten schafft EZB-Präsidentin Christine Lagarde Klarheit: Die Französin verlässt die Notenbank zum 7. Februar 2027. Über ihren Rücktritt habe Lagarde den Rat der Europäischen Zentralbank sowie den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, informiert, teilte die EZB in Frankfurt kurz vor ihrem Zinsentscheid mit.

Regulär wäre die achtjährige Amtszeit von Lagarde, die am 1. Januar 71 Jahre alt wird, bis Ende Oktober nächsten Jahres gelaufen. Für die Zentralbank kommt Lagardes Rückzug in schwierigen Zeiten: Der Iran-Krieg hat die Inflation im Euroraum mit 3,8 im September auf den höchsten Stand seit drei Jahren getrieben. Das Ziel der Notenbank, stabile Preise bei mittelfristig 2,0 Prozent Teuerung zu garantieren, ist vorerst in weite Ferne gerückt.
Die Staats- und Regierungschefs der 21 Eurostaaten sind nun gefordert, die Nachfolge der Französin früher zu regeln. Der Abtritt Lagardes ermöglicht es dem scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Kanzler Friedrich Merz, noch vor der Wahl in Frankreich im April 2027 die Neubesetzung eines der wichtigsten Spitzenposten in Europa zu klären.
Lagardes Rückzug kommt nicht überraschend. Bereits im Februar 2026 hatte die «Financial Times» berichtet, Lagarde wolle sich vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich zurückziehen. Hintergrund seien Sorgen, dass eurokritische Rechtspopulisten um Marine Le Pen die Wahlen in der zweitgrössten Euro-Volkswirtschaft gewinnen könnten, was die Neubesetzung der EZB-Spitze erschweren würde.
Mit dem vorzeitigen Rückzug von Lagarde kann Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der als Pro-Europäer gilt, noch Einfluss nehmen. Macron darf bei der Präsidentschaftswahl nicht mehr antreten. Im September bestätigte Lagarde in einem Interview erstmals selbst Überlegungen, sie könnte bei der EZB «ein paar Monate» früher abtreten.
Als Favoriten für die Lagarde-Nachfolge gelten der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos, der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist. Auch Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, hat Interesse an Lagardes Nachfolge bekundet.
Deutschland, die grösste Volkswirtschaft Europas, stellte in der mehr als 25-jährigen Geschichte der EZB noch nie deren Präsidenten. Nagels Chancen dürften allerdings gering sein: Mit Ursula von der Leyen steht bereits eine Deutsche an der Spitze der Europäischen Kommission. Eine weitere europäische Schlüsselinstitution unter deutscher Führung dürfte politisch schwer durchzusetzen sein.
Wie es für Lagarde selbst nach ihrem Rücktritt weitergeht, liess sie zunächst offen. Sie gilt als Favoritin für die neue Leitung des Weltwirtschaftsforums (WEF). Gründer Klaus Schwab hatte das Forum im April 2025 verlassen.
Der Stiftungsrat des WEF wird derzeit von Blackrock-Chef Larry Fink und Roche-Vizepräsident André Hoffmann gemeinsam geleitet. Lagarde gehört dem Gremium bereits seit mehreren Jahren an. Gemäss Medienberichten könnte die Ernennung Lagardes zur Vorsitzenden des Stiftungsrats bereits Anfang November erfolgen.














