Ex-SBB-Kadermann kommt 55 Monate hinter Gitter
Er zweigte Millionen ab – jetzt ist das Urteil da: Ein ehemaliger SBB-Kaderangestellter muss für vier Jahre und sieben Monate ins Gefängnis.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein ehemaliger SBB-Manager wurde zu 4 Jahren und 7 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er die SBB betrogen hat.
- Er soll mit gefälschten Rechnungen rund 9 Millionen Franken erbeutet haben.
- Mit dem Geld kaufte er Häuser, teure Autos und Waffen und finanzierte seinen aufwendigen Lebensstil.
Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat am Donnerstag den Hauptangeklagten im SBB-Betrugsprozess zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 7 Monaten verurteilt.
Der 54-Jährige soll das Bahnunternehmen über Jahre hinweg um rund 8,7 Millionen Franken erleichtert haben. Er habe seinen Arbeitgeber «arglistig getäuscht», sagte der vorsitzende Richter bei der Urteilseröffnung.
Die Strafkammer befand den Beschuldigten der mehrfachen ungetreuen Amtsführung, des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Geldwäscherei und der mehrfachen Urkundenfälschung schuldig.
Vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Waffengesetz wurde er freigesprochen.
Die drei als Gehilfen mitangeklagten Personen kommen mit Strafen von 19 bis 26 Monaten davon. Die Schwester des Angeklagten wurde freigesprochen.
Die Bundesanwaltschaft hatte für den Ex-Manager eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und fünf Monaten gefordert. Denn: Dieser habe die SBB seit 2007 «als Selbstbedienungsladen» missbraucht.
Er habe bei der SBB «einen beachtlichen Lohn» gehabt. Er lag 2010 bei 118'000 Franken und stieg bis 2023 auf knapp 147'000 Franken an, so der Staatsanwalt weiter.
Der Ex-SBB-Kadermann sagte vor Gericht, seine frühere Frau hätte viele Schulden mit in die Ehe gebracht. Das habe sein ganzes Vermögen aufgebraucht.
«Ich habe dann eine völlig blöde Lösung gesucht, wie ich das Problem auffangen kann. Und habe dann ‹damit› begonnen», resümiert der heute 54-Jährige.
Fiktive Rechnungen
Der Ex-Manager begann im Alter von 23 Jahren bei der SBB zu arbeiten und stieg nach und nach auf. Im Jahr 2019 wurde er laut Anklageschrift der Bundesanwaltschaft Abteilungsleiter.
Ab September 2007 soll der Beschuldigte nicht nur an seiner Karriere, sondern auch an seinem Betrugssystem gearbeitet haben.
Er holte Personen an Bord, über deren Firmen fiktive Rechnungen an die SBB erstellt wurden. Für die ausgestellten Rechnungen erhielt die SBB keine Gegenleistung beziehungsweise keine tatsächlich benötigten Materialien.
Das Spiel flog lange nicht auf, weil der Angeklagte im SBB-System zwei Funktionen innehatte. Er konnte in der Rolle einer Person auftreten, die einen Bedarf hat. Und gleich auch die Bestellung machen, obwohl er nicht im Einkauf tätig war.
Affäre und Darlehen werden zum Verhängnis
Dass er dann aufflog, lag laut dem «Tages-Anzeiger» an einer zerbrochenen Männerfreundschaft. Der Ex-SBB-Kadermann war mit dem späteren Whistleblower über zehn Jahre eng befreundet, gab diesem sogar ein Darlehen über 200’000 Franken.
Doch: Der Ex-SBB-Mann begann eine Affäre mit dessen Ehefrau – und zog dann sogar an dessen Stelle ein. Die Retourkutsche gab es dann, als der 54-Jährige im Sommer 2024 via Schlichtungsbehörde das Darlehen einforderte.
Denn der ehemalige Freund nahm Kontakt mit der SBB auf und schickte ihr den Ausschnitt aus einem Chat von 2020: «Könntest du mir Material verkaufen für 400’000 Franken, das nicht allzu lange haltbar ist? Natürlich fiktiv», soll der Ex-SBB-Kadermann darin geschrieben haben.
Häuser, teure Autos und Waffensammlung
Ende September 2024 reichte die SBB Strafanzeige ein. Gut zwei Monate später wurde der heute 54-jährige Beschuldigte festgenommen.
Wegen der Verjährungsfrist von 15 Jahren können nur die Taten ab dem 1. April 2011 strafrechtlich verfolgt werden.
Damit reduziert sich auch die Schadenssumme auf rund 5 Millionen Franken. Diese fordert die SBB als Privatklägerin jedoch zurück.
Der SBB-Angestellte finanzierte laut Bundesanwaltschaft mit dem abgezweigten Geld ein Haus im Kanton Solothurn und eines in den USA.
Zudem gönnte er sich zahlreiche Autos – darunter ein Ford Mustang Shelby, zwei Porsches und ein Lamborghini. Dieser kostete allein fast 400'000 Franken. Daneben floss das Geld in einen üppigen Lebensunterhalt und eine Waffensammlung.



















