Kardinal Ruini gestorben – Papst Leo XIV. ehrt «weisen Hirten»
Kardinal Camillo Ruini galt als eine der prägenden Stimmen der italienischen Kirche. Papst Leo XIV. würdigte ihn im Petersdom als Hirten mit Weitblick.

Mit Kardinal Camillo Ruini verliert die katholische Kirche eine ihrer einflussreichsten Persönlichkeiten der jüngeren Geschichte. Der langjährige Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz starb am 16. Juni im Alter von 95 Jahren in Rom.
Bei der Trauermesse im Petersdom würdigte Papst Leo XIV. den Verstorbenen als weisen und verantwortungsvollen Hirten. Wie das «Domradio» schreibt, hob das Kirchenoberhaupt Ruinis Fähigkeit hervor, die Kirche in herausfordernden Zeiten zu führen.
Leo XIV. betonte zudem, Ruini habe kirchliche und gesellschaftliche Entwicklungen nachhaltig geprägt. Seine Initiativen hätten sowohl die kirchliche Gemeinschaft als auch das öffentliche Leben beeinflusst.
Ruini: Jahrzehnte an der Spitze der Kirche
Ruini wurde 1931 in Modena geboren und entwickelte sich zu einer zentralen Figur der italienischen Kirche. Von 1991 bis 2007 leitete er die Italienische Bischofskonferenz, wie die «Vatican News» berichtet.
Parallel dazu wirkte er von 1991 bis 2008 als Generalvikar des Papstes für die Diözese Rom. Laut «Katholisch.de» gehörte er damit zu den engsten Mitarbeitern von Papst Johannes Paul II. und später von Papst Benedikt XVI.
Papst Leo XIV. erinnerte bei der Trauerfeier an Ruinis enge Verbindung zu bedeutenden Persönlichkeiten der Kirchengeschichte. Er verwies dabei auf die Päpste Paul VI. und Johannes Paul II.
Einfluss auf Politik und Gesellschaft
Während Ruinis Amtszeit erlebte Italien tiefgreifende politische Veränderungen. Dazu gehörte der Zerfall der christdemokratischen Partei, die lange als politische Stütze der Kirche galt, berichtet «Katholisch.de».
Nach diesem Umbruch setzte Ruini auf eine stärkere kulturelle Präsenz katholischer Werte in Staat und Gesellschaft. Er engagierte sich für den Beitrag der Kirche in religiösen und gesellschaftlichen Bereichen.
Ausserdem analysierte er gesellschaftliche Wandlungsprozesse intensiv. Er vertrat die Auffassung, dass kulturelle Veränderungen auf Basis christlicher Werte begleitet werden sollten.
Enge Verbindung zu Benedikt XVI.
Besondere Bedeutung erhielt seine Zusammenarbeit mit Kardinal Joseph Ratzinger. Wie die «Vatican News» berichtet, verband beide eine enge theologische Übereinstimmung in zentralen Fragen der europäischen Kultur und Ethik.
Nach der Wahl Ratzingers zu Papst Benedikt XVI. blieb Ruini eine wichtige Stimme innerhalb der italienischen Kirche. Laut «Katholisch.de» galt er als einer der wichtigen Unterstützer der Wahl Joseph Ratzingers zum Papst im Jahr 2005.
Im Jahr 2010 beauftragte Benedikt XVI. den Kardinal mit der Leitung einer Untersuchungskommission. Diese sollte die Vorgänge im Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina prüfen.
Papst Leo XIV. würdigt Ruinis Lebenswerk
Auch nach seinem Rückzug aus den höchsten Ämtern äusserte sich Ruini regelmässig zu aktuellen Fragen des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens. Er blieb dem öffentlichen Diskurs der Kirche eng verbunden.
Er verfolgte die Entwicklungen in Kirche und Politik aufmerksam. Auch im hohen Alter kommentierte er zentrale Themen der katholischen Welt.

In seinem Beileidstelegramm würdigte Papst Leo XIV. den Verstorbenen als tiefgläubigen Kirchenmann mit Weitblick und grosser Hingabe. Laut «Katholisch.de» hob der Papst insbesondere Ruinis langjährigen Dienst für die Kirche hervor.














