Als Bundeswirtschaftsminister hatte der FDP-Politiker Martin Bangemann keinen leichten Stand. In der EU hingegen war er ein angesehener Kommissar. Am Dienstag ist er in Frankreich gestorben.
Martin Bangemann auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1986. Der frühere Bundeswirtschaftsminister ist im Alter von 87 Jahren gestorben.
Martin Bangemann auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1986. Der frühere Bundeswirtschaftsminister ist im Alter von 87 Jahren gestorben. - Jörg Schmitt/dpa

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und EU-Kommissar Martin Bangemann (FDP) ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren. Nach Angaben seines früheren Pressesprechers war Bangemann in seinem Haus im französischen Département Deux-Sèvres am Dienstag einem Herzinfarkt erlegen.

«Als überzeugter Liberaler hat sich Martin Bangemann über Jahrzehnte für Europa und für Deutschland leidenschaftlich engagiert und in zahlreichen Funktionen grosse Verantwortung übernommen», teilte der FDP-Bundeschef Christian Lindner mit. «Er war ein leidenschaftlicher Liberaler, ein Streiter für die Soziale Marktwirtschaft und vor allem ein grosser Europäer», schrieb Lindner auf Twitter.

Der am 15. November 1934 in Wanzleben in Sachsen-Anhalt geborene Bangemann trat 1963 in die FDP ein und arbeitete als Rechtsanwalt in Baden-Württemberg. Im dritten Anlauf gelang ihm 1972 der Sprung in den Bundestag. 1974 wurde der promovierte Jurist Generalsekretär der FDP, allerdings gab er das Amt nach einem Jahr bereits wieder ab.

Von 1974 bis 1978 war Bangemann FDP-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg und von 1985 bis 1988 Bundesvorsitzender der Freien Demokraten. Als Parteichef konnte er jedoch nicht aus dem Schatten seines charismatischen Vorgängers Hans-Dietrich Genscher treten.

Als Bundesminister für Wirtschaft war er zwischen 1984 und 1988 Mitglied der Bundesregierung. Probleme wie die hohe Arbeitslosigkeit sowie die Stahl-, Kohle- und Werftenkrisen belasteten seine Amtszeit. Er verzichtete schliesslich auf Minister- und Parteiamt und wechselte nach Brüssel.

Ein Jahrzehnt für die EU

Dort hatte Bangemann, der als Genussmensch bekannt war, deutlich mehr Fortüne. Von 1989 bis zum geschlossenen Rücktritt der Europäischen Kommission 1999 gestaltete er als EU-Kommissar den Europäischen Binnenmarkt, die EU-Industriepolitik, die europäische Informationsgesellschaft und die Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte.

Dann wechselte Bangemann 1999 aus der Europapolitik direkt als Berater zum spanischen Telekommunikationskonzern Telefónica. Dies stiess in der Öffentlichkeit und auch innerhalb der FDP auf scharfe Kritik. Die Vorwürfe möglicher Interessenskonflikte wies er jedoch zurück.

Bangemann hinterlässt nach Angaben des ehemaligen Sprechers eine Frau, Kinder und Enkelkinder. Die Trauerfeier finde im engsten Familienkreis in Frankreich statt.

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