Die zweite Amtszeit soll sich von der ersten unterscheiden, findet Emmanuel Macron. Seine Gegner konzentrieren sich auf die Parlamentswahlen im Juni.
Emmanuel Macron
Der französische Präsident Emmanuel Macron steht am Präsidentenpalast Elysee während seiner Amtseinführung nach seiner Wiederwahl am 24. April. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Heute fand in Paris die zweite Amtseinführung für Emmanuel Macron statt.
  • Der wiedergewählte Präsident versprach den Gästen einen Neuanfang.
  • Derweil bereiten sich die Linken auf die Parlamentswahlen im Juni vor.

Streichmusik von Händel, Hunderte Gäste und etliche Kanonenschüsse haben Frankreichs wiedergewählten Präsidenten Emmanuel Macron bei seiner zweiten Amtseinführung begleitet. Der so oft als arrogant kritisierte Macron war bemüht, einen Neuanfang und kein Weiter so zu signalisieren.

«Dieses neue Volk, das anders ist als vor fünf Jahren, hat einem neuen Präsidenten ein neues Mandat anvertraut», sagte der 44-Jährige, der sich vor zwei Wochen gegen die Rechtsnationale Marine Le Pen durchgesetzt hat, bei der Investiturfeier am Samstag im Élyséepalast. Konkret will der Mitte-Politiker etwa Schulen inklusiver gestalten, das Gesundheitssystem zugänglicher machen und einen neuen Frieden in Europa erbauen.

Viele mit Emmanuel Macron unzufrieden

An die Jugend gerichtet versprach er, einen lebenswerteren Planeten und ein lebendiges, stärkeres Frankreich zu hinterlassen. Man müsse unerlässlich handeln, um ein unabhängigeres Frankreich zu schaffen, sagte Emmanuel Macron.

Viele waren mit Macrons erster Amtszeit unzufrieden. Die Stichwahl gegen Le Pen gewann er letztlich, weil Linke und Konservative die Rechte als Präsidentin verhindern wollten und ihm zähneknirschend die Stimme schenkten.

Emmanuel Macron
Frankreichs wiedergewählter Präsident Emmanuel Macron will eine bessere zweite Amtszeit. - Keystone

Trotz der gesellschaftlichen Mobilisierung lag Macron mit einem Wahlergebnis von 58,55 Prozent zu 41,45 Prozent wohl knapper vor Le Pen, als seinem Lager lieb gewesen wäre. Der Ausgang wurde als Warnschuss für Macron auch mit Blick auf die Parlamentswahlen im Juni in dem gesellschaftlich tief gespaltenen Land gewertet.

Neben Ministern, Ex-Präsidenten und anderen institutionellen Vertretern lud Emmanuel Macron auch Gesundheitspersonal und Kinder zu der Amtseinführung ein, wohl als Zeichen der Anerkennung. Er wisse, dass es zahlreiche Ängste und Spaltungen gebe, sagte Macron. Gemeinsam müsse man eine neue Methode erfinden, um einen neuen Gesellschaftsvertrag zu erschaffen. Er wolle Frankreich zusammenbringen, vom ländlichen Raum zu den Arbeitervierteln und vom Festland bis nach Übersee.

Linke schaffen Allianz für Parlamentswahlen im Juni

Während Macron sich im Herzen von Paris als neuen Präsidenten feiern liess, machten sich vor den Toren der Stadt schon die bereit, die ihm die Macht strittig machen wollen. Frankreichs bisher zersplittertes linkes Lager hat es nach zähen Verhandlungen in den vergangenen Wochen geschafft, eine Allianz zu bilden: die Nouvelle Union Populaire Écologique et Sociale, kurz Nupes. Mit dabei sind Linke, Grüne, Sozialisten und Kommunisten.

Bei den Parlamentswahlen im Juni treten sie unter diesem Banner nun geschlossen gegen Macron an. Sollten sie die Mehrheit in der Nationalversammlung holen, wäre Macron faktisch gezwungen, einen Premier aus ihren Reihen zu ernennen, was seine Macht erheblich schmälern würde. Der Altlinke Jean-Luc Mélenchon, der den Einzug in die Endrunde um die Präsidentschaft nur knapp verpasste, steht bereits in den Startlöchern, auch wenn unklar ist, ob sein Lager Macron tatsächlich das Wasser wird reichen können.

Macron steht nun vor der schwierigen Aufgabe, auch seine widerwilligen Wähler mit einer neuen Regierungstruppe mild zu stimmen und so bei der Parlamentswahl zu punkten – oder sie zumindest nicht weiter gegen ihn aufzubringen und in die Hände seiner Gegner und an die Wahlurnen zu treiben.

Mehr zum Thema:

Marine le Pen Wasser Grüne Emmanuel Macron