Gleich in der ersten Party-Nacht nach 15 Monaten Club-Schliessung wegen des Coronavirus kam es in Enschede (NDL) zu einem Superspreader-Event.
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Dj Reinier Zonneveld legt im «Music Venue Paradiso» in Amsterdam auf. Seit dem 26. Juni 2021. sind die Clubs wieder offen, nachdem sie 15 Monaten wegen der Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus schliessen mussten. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • 165 von 650 Clubbesuchern wurden 10 Tage nach der ersten Party-Nacht positiv getestet.
  • Die Niederlande setzt für Clubs auf ein ähnliches Covid-Zertifikat wie die Schweiz.

Der Club Aspen Valley in der niederländischen Stadt Enschede war wegen des Coronavirus 15 Monate lang geschlossen. Am vorletzten Samstag fand nun die erste Party-Nacht mit rund 650 Personen statt. Zehn Tage später wurden bereits 165 der Besucher positiv getestet.

Dass eine Feier in einem geschlossenen Raum mit Hunderten Menschen zu einem Superspreader-Event werden kann, ist bekannt. Erstaunlich ist allerdings, dass dies auch geschieht, wenn der Eintritt an ein Covid-Zertifikat gebunden ist.

Schweizer Covid-Zertifikat ist vergleichbar

Das niederländische Covid-Zertifikat ist vergleichbar mit dem Schweizer Pendant: Ausgestellt wird es nur an Geimpfte, Getestete oder Genesene. Bei der Überprüfung des Zertifikats müssen die Club-Betreiber ein Ausweisdokument verlangen.

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Das Zertifikat für Genesene des Coronavirus könnte wohl bald verlängert werden. - Keystone

Die Niederlande setzt allerdings nicht nur auf die Impfstoffe von Moderna und Biontech. Auch diejenigen von Astrazeneca und der Janssen-Impfstoff kommen zum Einsatz. Umstritten ist etwa, dass bereits am ersten Tag nach der einzig nötigen Janssen-Dosis ein Zertifikat ausgestellt wird. Der optimale Schutz tritt jedoch erst nach zwei Wochen auf.

Coronavirus: Superspreader-Event wird untersucht

Wie es zu den Massen-Ansteckungen mit dem Coronavirus kommen konnte, wird noch untersucht. Die Behörden führten nun Gespräche mit den Betreibern, erzählt Bürgermeister Onno van Veldhuizen der Lokalzeitung «Tubantia». Auch die Firma, welche die Eingangskontrolle durchführte, sei involviert.

Van Veldhuizen spekuliert, «mit ziemlicher Sicherheit seien QR-Codes ausgetauscht worden». Dies würde auch zu der Aussage eines 20-Jährigen gegenüber der Zeitung passen. Tim Boxen war in jener Nacht mit 17 Freunden feiern. Wenige Tage später wurden neun davon positiv auf das Coronavirus getestet.

Gemäss Boxen hätten Jugendliche ihre QR-Codes untereinander ausgetauscht, um in den Club zu kommen. «Alles war manipuliert», wird er zitiert.

Der Betreiber versichert, die Vorgaben so gut wie möglich erfüllt zu haben. Alle Besucher seien beim Eingang kontrolliert worden. Tommy de Groot vom «Aspen Valley» kritisierte hingegen, dass die Besucher sich bereits 40 Stunden im Voraus testen können. Zwischen dem Test und dem Club-Besuch könnten so «locker 33 Kontakte mit potenzieller Ansteckung stattfinden».

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