Die Corona-Pandemie hat den Abschluss des G7-Aussenministertreffens in London beeinträchtigt.
Indiens Aussenminister Subrahmanyam Jaishankar mit seinem US-Kollegen Antony Blinken in London
Indiens Aussenminister Subrahmanyam Jaishankar mit seinem US-Kollegen Antony Blinken in London - POOL/AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Der indische Aussenminister Subrahmanyam Jaishankar sagte seine persönliche Teilnahme an der Konferenz wegen Verdachtsfällen in seiner Delegation kurzfristig ab, obwohl er schon den weiten Weg nach London zurückgelegt hatte.

«Aus Gründen der Vorsicht und auch aus Rücksicht auf andere habe ich mich entschlossen, meine Termine virtuell durchzuführen», schrieb er auf Twitter.

Britischen Medien zufolge begab sich die gesamte indische Delegation wegen zwei Corona-Verdachtsfällen in Selbstisolation. Das Land gilt derzeit als Epizentrum der Pandemie und hat mit einer dramatischen Ausbreitung des Virus zu kämpfen.

Indien ist nicht Mitglied der G7, in der sich wirtschaftsstarke westliche Demokratien zusammengeschlossen haben. Zu den Gesprächen in London hatten die britischen Gastgeber das asiatische Land aber ebenso eingeladen wie Südkorea, Australien und Südafrika.

Aus dem britischen Aussenministerium hiess es, man bedauere sehr, dass Jaishankar nicht persönlich an den G7-Beratungen teilnehmen könne. «Aber genau aus diesem Grund haben wir strenge Covid-Regeln und tägliche Tests eingeführt», sagte ein ranghoher Diplomat.

Alle Delegationsteilnehmer müssen während der Konferenz täglich einen Antigen-Test vornehmen. Nach der Ankunft wurde zudem ein PCR-Test fällig. Bei den Beratungen sind die Minister mit Plexiglasscheiben voneinander getrennt.

Britische Medien wiesen darauf hin, dass sich Innenministerin Priti Patel am Dienstag mit Jaishankar getroffen hatte. Die Ministerin begab sich aber offenbar nicht in Selbstisolation. Britische Regierungskreise wiesen darauf hin, dass die Gesundheitsbehörde Public Health England keine Gefahr sehe.

In Indien nehmen die Corona-Fälle seit Wochen dramatisch zu. Krankenhäusern geht seit knapp zwei Wochen immer wieder der medizinische Sauerstoff aus und sie sind wie auch Krematorien überlastet. In den vergangenen Tagen wurden jeweils mehr als 300 000 Neuinfektionen erfasst. Es wird von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgegangen.

Beim G7-Treffen sollte es unter anderem um die Versorgung von ärmeren Ländern mit Impfstoff gehen. Damit wolle man auch der «Impfstoffdiplomatie» von China und Russland etwas entgegensetzen. China hat nach offiziellen Angaben mehr als 100 Millionen Dosen Impfstoff ins Ausland geliefert. Rund 80 Länder und drei internationale Organisationen bekommen demnach Unterstützung aus China. Es ist unklar, was geschenkt und was günstig oder zu Marktpreisen ins Ausland geliefert wird. Das von russischen Forschern entwickelte Vakzin Sputnik V ist nach Angaben aus Moskau mittlerweile in mehr als 60 Ländern zugelassen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief die G7 dazu auf, Impfstoff zu exportieren anstatt ihn für eine Auffrischung - «Booster» genannt - zurückzuhalten. Grossbritannien hat genügend Impfstoff bestellt, um die Bevölkerung drei Mal zu impfen, hat aber noch keine Dosis an ein anderes Land geliefert.

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