Betrugs-Posts verhelfen Facebook zum Milliarden-Umsatz
Nutzerschutz bleibt Nebensache: Facebook tut ernüchternd wenig gegen Betrugs-Posts – weil die Plattform selbst davon profitiert.

Das Wichtigste in Kürze
- Auf Facebook kursieren KI-generierte Fake-Posts, die auf betrügerische Seiten locken.
- Meta verdient Milliarden mit Betrugsanzeigen und stoppt Teams, wenn der Umsatz sinkt.
- Algorithmen verstärken die Scam-Spirale, während ein geplantes Gesetz zahnlos bleibt.
Warum löscht Facebook das nicht? Diese Frage dürfte sich so mancher User des Social-Media-Riesen bereits gestellt haben. Auf der Plattform kursieren regelmässig betrügerische Posts, die mit KI erstellt wurden.
Hinterlegt sind etwa gefälschte Links, die Nutzer beispielsweise zu einer dubiosen Bitcoin-Börse führen. Dort verlieren die Opfer ihr Geld an die Kriminellen.
Melden Sie den Betrug, kommt eine ernüchternde Auto-Antwort des Meta-Unternehmens: «Wir haben diese Seite geprüft und festgestellt, dass sie nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstösst».
Die Tatenlosigkeit von Facebook hat einen simplen Grund: Das Unternehmen profitiert von den ganzen Fake-Videos, wie der «Beobachter» berichtet.
Interne Richtlinien schützen Betrüger
Der Verdienst ist nicht ohne. Gemäss einer Reuters-Recherche verdient Meta zehn Prozent seines Jahresumsatzes mit Betrugs-Anzeigen. Das entspricht etwa zwölf Milliarden Dollar pro Jahr. Das sind umgerechnet rund 9,3 Milliarden Franken.
Brisant: Der Konzern hat sogar interne Richtlinien gegen die eigene Betrugsbekämpfung erlassen, wie die Nachrichtenagentur weiter berichtet. Sobald die Anti-Betrugs-Teams zu erfolgreich arbeiten, greifen sogenannte Revenue-Guardrails ein. Diese Mechanismen stoppen weitere Massnahmen gegen Betrug.
Die Teams dürfen nur tätig sein, bis der Umsatz um 0,15 Prozent sinkt. Das entspricht etwa 140 Millionen Dollar oder 108 Millionen Franken.
Danach müssen sie ihre Arbeit einstellen. Der Schutz der Werbeeinnahmen steht also über dem Nutzerschutz.
Meta kassiert von Betrügern sogar höhere Werbegebühren als von normalen Nutzern. Dadurch werden kriminelle Anzeigen noch profitabler.
Algorithmus zieht Opfer in Betrugs-Spirale
Das Werbepersonalisierungssystem legt noch eine Schippe drauf: Nutzer, die auf betrügerische Inhalte klicken, erhalten noch mehr davon. Weil der Algorithmus jeden Klick als Interesse interpretiert, geraten Opfer in eine Abwärtsspirale aus Scam-Anzeigen.

Meta dementiert die Vorwürfe teilweise. Die internen Schätzungen seien nur theoretische Hochrechnungen, erklärt der Konzern gegenüber Reuters.
Die geleakten Dokumente würden kein vollständiges Bild der Betrugsbekämpfung zeigen. Meta investiere erhebliche Mittel in den Kampf gegen kriminelle Anzeigen.
Gesetz trägt keine Früchte – vorerst
Der Bundesrat plant ein neues Gesetz gegen solche Praktiken. Das «Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen» umfasst 16 Seiten. Es verlangt lediglich die Kennzeichnung von Werbung als solche, schreibt der «Beobachter».
Das geplante Gesetz schreibt ein Meldeverfahren für Nutzer vor. Die Konzerne müssen aber keine illegalen Inhalte entfernen. Zu einer parlamentarischen Beratung kam es bisher noch nicht. Und die gefälschten Videos laufen derweil weiter auf Facebook.
Auch Mona Vetsch fiel einer der Betrugsmaschen auf der Plattform zum Opfer. Bereits im Januar berichtete Nau.ch über immer wiederkehrende KI-Videos von der Schweizer Moderatorin.





















