Beleidigungen und Burnouts: Meta-Führungskräfte laufen davon

Valentin Köpfli
Valentin Köpfli

Zürich,

Ein beliebter Arbeitgeber ist kaum wiederzuerkennen: In Zürich macht sich bei Angestellten der Facebook-Besitzerin Meta schlechte Stimmung breit.

zuckerberg
Steht in der Kritik: Meta-Chef Mark Zuckerberg. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Meta-Führungskräfte verlassen Zürich wegen toxischer Kultur und hohem Druck.
  • Eine freundliche Arbeitsumgebung ist chaotischen Zuständen gewichen.
  • Covid-19 und das Metaversum waren ein Wendepunkt für Meta und den Zürcher Standort.

Beleidigungen, Burnouts, Massenentlassungen: Bei Facebook-Besitzerin Meta in Zürich herrschen chaotische Zustände.

Letztes Jahr haben zahlreiche Führungskräfte den Tech-Konzern verlassen. Darunter waren alle drei leitenden Direktoren am Zürcher Standort, wie eine «NZZ»-Recherche zeigt. Mehrere Personen waren wegen Burnouts krankgeschrieben.

Mitarbeitende sprechen auf internen und öffentlichen Plattformen von Chaos sowie hohem Druck. Für Angestellte ist es allerdings riskant, mit den Medien zu reden. Die Schweigeverträge der Tech-Firmen sind streng.

Ex-Kaderfrau packt aus, warum sie gekündigt hat

Britta Hummel ist eine Ausnahme. Die Ingenieurin hatte eine Führungsposition bei Meta inne.

Sie hat einen Blogbeitrag mit dem Titel «Warum ich gegangen bin» veröffentlicht. Darin prangert sie die toxische Kultur bei Meta Zürich an.

Die Ingenieurin erlitt gleich mehrmals ein Burnout. Unter anderem kritisiert sie, dass es «riskant wurde, sich zu wehren».

Vor allem US-Vorgesetzte hätten schlechte Stimmung gebracht, schreibt Hummel. Ein Beispiel: In einem Meeting habe einer von ihnen von «verdammt idiotischen» Ideen gesprochen.

Die «NZZ» sprach mit mehreren aktuellen und ehemaligen Meta-Mitarbeitenden. Ihre Erfahrungen bestätigen Britta Hummels Darstellung.

Ein Mitarbeiter klagt, er sei schikaniert worden und habe das dem HR gemeldet. Das HR habe aber nicht eingreifen wollen, weil er «als weisser Mann per Definition kein Opfer sein könne».

Die Mitarbeitenden beschreiben das schnelle Wachstum des Tech-Standorts. Der Wandel bei Meta Zürich war besonders drastisch.

Während dem Lockdown ging's bergab

Das Zürcher Büro entstand aus der Firma Zurich Eye. Dieses Spin-off der ETH und Universität Zürich kaufte Facebook 2016.

Bis vor wenigen Jahren war nicht nur der Lohn attraktiv. Mitarbeitende beschreiben freundliche und motivierte Kollegen. Netter Umgang und gute Stimmung seien wichtig gewesen.

Die Pandemie war laut den Mitarbeitenden ein Wendepunkt. Für Tech-Unternehmen wurde Covid-19 zum Geldsegen. Menschen waren ständig online, Werbeumsätze wuchsen.

Hast du schon einmal in einem toxischen Umfeld gearbeitet?

Dann rief Mark Zuckerberg 2021 das Metaversum aus. Die Zürcher Ingenieure waren nicht erfreut, wie die Zeitung schreibt. Das Metaversum erschien ihnen abgehoben. Es war ein unkonkreter Traum, weit weg von ihrer täglichen Arbeit.

Bewertungssystem verstärkt Konkurrenzdruck

Meta bewertet seine Mitarbeitenden derweil zweimal jährlich. Performance-Bögen messen die Leistung. Solche Systeme sind in Tech-Firmen üblich.

In den letzten Jahren wurden diese Berichte wichtiger, wie die Mitarbeitenden berichten. Denn: Eine niedrige Bewertung kann eine Kündigung nach sich ziehen. Einen guten Job zu machen, garantierte keine Stellensicherheit mehr.

Chaos und Druck nehmen weiter zu

Meta war schon immer chaotisch, analysiert die Zeitung. Bei guter Stimmung sei das Chaos allerdings erträglich gewesen.

Ab 2022 wurde es schlimmer. Umstrukturierungen wurden häufiger, der Druck stieg. Teamleiter sollten etwa in Checklisten abhaken, wie oft Angestellte ins Büro kommen.

Meta reagierte nicht auf eine Anfrage der Zeitung.

Kommentare

User #5243 (nicht angemeldet)

Top! Erinnert mich an die BLT in Basel.

User #1078 (nicht angemeldet)

Zu viele Menschen geben für solche eine gierige Witzfigur praktisch ihr Leben auf, anstatt ihr den Rücken zuzuwenden und sie im Regen stehen zu lassen!

Weiterlesen

Mark Zuckerberg
22 Interaktionen
Los Angeles
Meta
Lizenzvertrag
Künstliche Intelligenz
438 Interaktionen
Gute Jobs bald weg?
Gesundheit Aargau
4 Interaktionen
Ursache und Hilfe

MEHR AUS STADT ZüRICH

ZSC
Rappi bodigt Kloten
1 Interaktionen
Spital Wetzikon
Streik Bus Winterthur
3 Interaktionen
Nach Streik
-
«Tiefe Dankbarkeit»