Für Labubus werden sogar 16-jährige Arbeiter ausgebeutet
Der weltweite Hype um die flauschigen Labubus hat eine dunkle Kehrseite: In einer chinesischen Fabrik sollen auch Minderjährige ohne Schutz schuften.

Das Wichtigste in Kürze
- In einer Labubu-Fabrik arbeiteten auch 16- und 17-Jährige ohne gesetzlichen Schutz.
- Arbeiter haben Blanko-Verträge und leisten teils mehr als 100 Überstunden pro Monat.
- Der Konzern Pop Mart kündigte nach den Vorwürfen eine Untersuchung seiner Lieferkette an.
Die Labubus, kleine zahnige Fantasiewesen des chinesischen Konzerns Pop Mart, zählen zu den meistverkauften Spielzeugen der Gegenwart.
Allein im ersten Halbjahr 2025 brachte die «Monsters»-Reihe 4,8 Milliarden Yuan (545 Mio. Franken) ein. Firmenchef Wang Ning stellte für das Gesamtjahr sogar bis zu 20 Milliarden Yuan (2,27 Mia. Franken) Umsatz in Aussicht.
Doch laut einer Untersuchung der US-NGO «China Labor Watch» hat dieser Boom eine dunkle Kehrseite. In der Lieferkette der Labubus soll es zu systematischer Ausbeutung gekommen sein. Im Zentrum steht der Zulieferer Shunjia Toys in der südostchinesischen Provinz Jiangxi.
Dort schickte die Organisation ihre Ermittler für drei Monate in die Fabrik. Mehr als 50 Beschäftigte wurden befragt, darunter auch drei Minderjährige. Sie waren 16 oder 17 Jahre alt und arbeiteten an ganz normalen Montagelinien. Ihre Produktionsziele waren identisch mit jenen der Erwachsenen – besondere Schutzmassnahmen gab es nicht.
Dabei schreibt das chinesische Recht genau solche Schutzregeln für Jugendliche vor. Gefährliche oder besonders belastende Tätigkeiten sind ihnen verboten. Laut dem Bericht wurden diese Vorgaben in Shunjia ignoriert. Viele der jungen Arbeiter wussten nicht einmal, welche Verträge sie unterschrieben hatten.
Blanko-Verträge und Massenüberstunden
Wie der britische «Guardian» berichtet, beschränkten sich die Verstösse aber nicht nur auf Jugendliche. Auch erwachsene Arbeiter berichteten von massiven Rechtsverletzungen.
Sie mussten laut «China Labor Watch» Blanko-Arbeitsverträge unterschreiben, wo sie nur ihren Namen eintrugen. Angaben zu Lohn, Laufzeit oder Sozialversicherung fehlten. Für den gesamten Vorgang hatten sie nur wenige Minuten Zeit.
Gleichzeitig explodierten die Produktionsvorgaben. Teams von 25 bis 30 Personen sollten täglich mindestens 4000 Labubus montieren. Die Folge waren extreme Überstunden: Das Gesetz erlaubt in China 36 Stunden pro Monat – in der Fabrik wurden oft mehr als 100 gezählt.
Pop Mart will Hinweise prüfen
Offiziell gibt Shunjia Toys eine Jahreskapazität von 12 Millionen Figuren an. Ende 2025 kündigte das Unternehmen sogar eine Ausweitung auf 33 Millionen an. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass schon jetzt deutlich mehr produziert wird. Zwei Teams allein sollen auf mehr als 24 Millionen Labubus pro Jahr kommen.
Für CLW-Direktor Li Qiang ist das ein bekanntes Muster. Wenn die Nachfrage sprunghaft steigt, wächst der Druck auf die Arbeiter ebenso schnell.

Pop Mart reagierte auf die Vorwürfe. Ein Sprecher erklärte, der Konzern nehme den Schutz der Beschäftigten sehr ernst. Die Zulieferer würden regelmässig kontrolliert – die neuen Hinweise würden nun geprüft. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wolle man strenge Korrekturmassnahmen verlangen.
Shunjia Toys war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Der Boom der Labubus hat Schattenseiten
Der Fall zeigt die dunkle Seite des Labubu-Booms. Neben den offiziellen Fabriken floriert ein Markt für Fälschungen. Diese sogenannten «Lafufus» entstehen oft in Heimwerkstätten. Kontrollen gibt es dort nicht.
Menschenrechtsorganisationen sehen darin ein strukturelles Problem. Chinesische Unternehmen drängen mit grosser Geschwindigkeit auf die Weltmärkte. Die Arbeitsstandards halten mit diesem Tempo oft nicht Schritt.

«China Labor Watch» fordert deshalb mehr Transparenz von Pop Mart. Dazu gehören unabhängige Beschwerdestellen für Arbeiter und eine offenere Lieferkette. Nur so lasse sich verhindern, dass der globale Erfolg der Labubus weiter auf Kosten von schlecht geschützten Fabrikarbeitern geht.












