Die UNO warnt vor «extremen» Nahrungsmittelengpässen in der äthiopischen Konfliktregion Tigray. Humanitäre Hilfe ist derzeit stark erschwert.
Proteste gegen die Entwicklungen in Tigray vor der US-Botschaft in Pretoria
Proteste gegen die Entwicklungen in Tigray vor der US-Botschaft in Pretoria - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • In der äthiopischen Konfliktregion Tigray herrscht ein extremer Mangel an Nahrungsmitteln.
  • Humanitäre Hilfsorganisationen haben Schwierigkeiten, Zugang zu der Region zu erhalten.
  • Gemäss Tigrays Ex-Regierung starben vergangene Woche 369 Kinder unter fünf Jahren.

Die UNO hat auf «extreme» Nahrungsmittelengpässe in der äthiopischen Konfliktregion Tigray hingewiesen. Die Region im Osten Äthiopiens sei faktisch von der Umwelt abgeschlossen, erklärte das Welternährungsprogramm (WFP) am Freitag. Fast 40 Prozent der Bewohner von Tigray hätten viel zu wenig zu essen.

Die im Norden gelegene Region wird von einem Konflikt zwischen der äthiopischen Zentralregierung und der Gruppe Volksbefreiungsfront Tigray (TPLF) erschüttert. Wegen eines dramatischen Treibstoffmangels waren humanitäre Hilfsorganisationen zuletzt gezwungen, ihre Aktivitäten in der Region herunterzufahren. Hilfen müssen zum Teil zu Fuss ausgeliefert werden.

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Flüchtlinge aus der äthiopischen Konfliktregion Tigray. Foto: Marwan Ali/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

In dem aktuellen Bericht des WFP heisst es, 4,6 Millionen Einwohner von Tigray, 83 Prozent der Bevölkerung, lebten ohne Nahrungsmittelsicherheit. Bei zwei Millionen sei dieser Zustand schwer ausgeprägt.

Das WFP machte auch auf zunehmende Hungerprobleme in den Regionen Amhara und Afar aufmerksam. Diese wurden in den vergangenen Monaten ebenfalls von Kämpfen heimgesucht.

Humanitäre Pause dringend nötig

«Wir tun alles, damit unsere Konvois mit Lebensmitteln und Medizin durch die Frontlinien hindurchkommen», sagte der WFP-Ostafrika-Direktor Michael Dunford. Wenn die Feindseligkeiten aber anhielten, so müsse eine «humanitäre Pause» eingelegt werden, damit Millionen Hungernde versorgt werden könnten.

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Flüchtlinge aus der äthiopischen Konfliktregion Tigray sind in der Region al-Qadarif angekommen. Äthiopiens Regierung hatte nach Monaten der Spannungen mit der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) vor einer Woche eine Offensive gegen die Rebellengruppe und Regierungspartei von Tigray begonnen. Foto: Marwan Ali/AP/dpa - sda - Keystone/AP/Marwan Ali

Der Konflikt zwischen der äthiopischen Regierung und der TPLF hatte im November 2020 mit einer Offensive der Regierungstruppen begonnen. 2021 breiteten sich die Kämpfe auf Tigrays Nachbarregionen Afar und Amhara aus.

Tigray unter Blockade

Tigray ist nach UN-Angaben seit Monaten einer faktischen Blockade unterworfen. Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) erklärte, die internationalen Hilfsorganisationen hätten keinen Treibstoff mehr. Sie müssten ihre Lieferungen nun zu Fuss zu den Hilfsbedürftigen tragen.

Tigrays ehemalige Regierung teilte in dieser Woche mit, wegen der Blockade der Hilfen seien 369 Kinder unter fünf Jahren gestorben. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht.

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