Lohnungleichheit: Wann verdienen Frauen gleich viel wie Männer?
Die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau geht weiter zurück. Bis das Geschlecht gar keine Rolle mehr spielt, dauert es laut Expertin trotzdem noch lange.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau gehen laut dem Bund zurück.
- Doch: Nach wie vor verdienen Frauen für die gleiche Arbeit weniger als Männer.
- Das zeigt, «dass es noch viel zu tun gibt», ist die Gewerkschaft Unia überzeugt.
- Und: Von der Lohngleichheit «sind wir noch weit entfernt», sagt eine Expertin.
Aus einer kürzlich veröffentlichten Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamts für Statistik geht hervor: Die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern geht weiter zurück. Doch Frauen verdienen noch immer weniger als Männer.
2024 lag der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern bei 8,4 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lag er noch bei 9,5 Prozent.
Je höher die Position, desto grösser ist dabei die Differenz. Frauen in Kaderpositionen verdienten durchschnittlich 10'077 Franken, Männer 11'715 Franken – ein Minus von 14 Prozent für die Frauen.
Bei Stellen ohne Führungsverantwortung betrug der Unterschied 5,2 Prozent.
«Frauen holen in der Bildung auf»
Wirtschaftsgeografie-Professorin Heike Mayer von der Universität Bern forscht unter anderem zu nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung.
Sie sagt zu Nau.ch: «Es ist erfreulich, dass sich die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern zwischen 2022 und 2024 verringert haben.»

Sie gehe davon aus, dass sich die Unterschiede auch weiterhin verkleinern würden.
Denn: «Frauen holen in der Bildung auf. Sie steigen in Berufe ein, die vor 20 Jahren noch nicht denkbar waren. Und sie sind immer mehr in Führungspositionen anzutreffen.»
Inzwischen seien an der Universität Bern beispielsweise 60 Prozent der Studierenden Frauen, so Mayer.
Es dauert noch lange, bis Geschlecht keine Rolle mehr spielt
Es werde jedoch noch sehr lange dauern, bis das Geschlecht im Lohn keine Rolle mehr spielen werde.
Mayer begründet: «Ein Teil der Differenz ist einerseits unerklärbar und andererseits auf strukturellen Faktoren beruht.»
Für Lohngleichheit müssten Frauen gleich in allen Bildungsbereichen, Berufen, Branchen und in Führungspositionen vertreten sein. «Davon sind wir noch weit entfernt», sagt Mayer.
Zudem würden noch subjektive Faktoren wie Vorurteile, Diskriminierung oder auch die ungleiche Last bei der Care-Arbeit eine Rolle spielen. Frauen übernehmen noch immer mehr Arbeit bei der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen als Männer.
Gewerkschaft fordert kürzere Arbeitszeiten
Auch die Gewerkschaft Unia ist überzeugt: «Dass der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern immer noch besteht, zeigt, dass es noch viel zu tun gibt.» Denn noch immer erhalten Frauen auch für die gleiche Arbeit weniger Lohn.

Die Gewerkschaft fordert daher die Unternehmen auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen.
Zudem brauche es eine gerechte Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit. «Dazu braucht es eine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit», so Unia-Ökonomin Noémie Zurlinden.
Unerklärbare Lohnungleichheit ist «Diskriminierung»
Auch die Gewerkschaft Syndicom zeigt sich «empört», dass die Lohnungleichheit noch immer bestehe.
«Unerklärbare Unterschiede sind als Diskriminierung zu ahnden. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist keine Verhandlungssache, sondern ein Grundrecht», betont Sprecherin Romi Hofer.
Immerhin: «Wir sehen einige Fortschritte.» Zufrieden sei Syndicom angesichts der Zahlen aber nicht. Es brauche über alle Stufen hinweg weniger Lohnschere.

Die Gewerkschaft fordert daher verbindliche Massnahmen für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Care-Arbeit, auch für Männer und Väter.
Wann die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau tatsächlich Geschichte ist, lässt sich kaum sagen: «Ein Datum können wir nicht nennen, aber die Richtung ist eindeutig: Sofortige Umsetzung, konsequente Kontrolle und Sanktionen, wo Rechte gebrochen werden», so Hofer.

















