Taliban nehmen Frauen ohne Ganzkörperschleier fest
Taliban nehmen Frauen ohne Ganzkörperschleier in Herat fest – die UNO zeigt sich alarmiert über Verhaftungen wegen Verstössen gegen die Kleiderordnung.

Das Wichtigste in Kürze
In der westafghanischen Stadt Herat haben Laut dem «Spiegel» Taliban-Behörden Frauen wegen angeblicher Verstösse gegen die Kleidervorschriften festgenommen. Zeugen berichteten, wie Sittenpolizisten Frauen, die keinen Ganzkörperschleier trugen, in Transporter verfrachtet hätten.
Imame hatten am Freitag in Moscheen im Namen des Tugendministeriums angekündigt, Frauen dürften das Haus nur noch vollverschleiert verlassen. Kurz darauf begannen auf den Strassen die Kontrollen und Festnahmen.
Ein Menschenrechtsbeobachter sprach gegenüber der Agentur AP von mindestens 16 Inhaftierungen seit Freitag. Darunter soll sich laut «L'essentiel» auch eine schwangere Frau befinden.
Peitsche und Transporter
Eine 23-jährige Zeugin schilderte, wie sie zwei Beamte beobachtet habe, von denen einer eine Peitsche trug. Die beiden hätten «zwei Frauen, die keinen Tschador trugen, in ein Fahrzeug gesetzt», wird sie vom «Spiegel» zitiert.
Taxifahrer wurden angewiesen, keine Frauen ohne Tschador mehr zu befördern. Seitdem wagen sich kaum noch Frauen auf die Strasse, wie ein AFP-Journalist vor Ort beobachtete.
Das zuständige Tugendministerium wies Festnahmen zunächst zurück und bezeichnete die Kleiderordnung als «göttliches Gebot und ein geltendes Gesetz». Es gebe «nichts Ungewöhnliches» in Herat, hiess es aus der Pressestelle.
UNO und Proteste
Die UN-Hilfsmission Unama äusserte sich besorgt über die Festnahmen und Inhaftierungen wegen «angeblicher Nichteinhaltung der Kleiderordnung», berichtet der «Spiegel». Die Mission hatte die Vorfälle bereits am Montag öffentlich kritisiert.
In der Folge der Verhaftungen brach laut den «Salzburger Nachrichten» in Herat eine Demonstration für Frauenrechte aus. Sicherheitskräfte der Taliban lösten den Protest Augenzeugen zufolge gewaltsam auf, wobei ein Mensch getötet und mehrere verletzt wurden.

Der Leiter der Herats Sittenpolizei, Scheich Azizur Rahman al-Muhādschir, wies Berichte über Schleierkontrollen zurück. Er erklärte, seine Inspektoren hätten lediglich Anleitung zur Einhaltung des islamischen Hidschab gegeben.
Taliban zwingen Frauen in die Unsichtbarkeit
Seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 wurden die Rechte von Frauen in Afghanistan schrittweise ausgehöhlt.
Wie der «Spiegel» berichtet, sind Frauen seither weitgehend aus dem Bildungs- und Arbeitsleben sowie dem öffentlichen Raum ausgeschlossen.
Anfang des Jahres hatte die Taliban-Führung ein Sittengesetz verabschiedet, das Gewalt gegen Frauen faktisch legalisiert. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk bezeichnete Afghanistan daraufhin laut dem «Spiegel» als «Friedhof für Menschenrechte».
















