Burka vs. Bikini: Netz-Aktion beleuchtet Lage in Afghanistan
Nutzerinnen sozialer Netzwerke versuchen, auf das schwere Schicksal von Frauen in Afghanistan aufmerksam zu machen: Sie veröffentlichen dabei Bilder, die ihr eigenes Leben mit dem von Afghaninnen kontrastieren. «ich hab kein bock auf Schule oder Arbeit», heisst es etwa bei TikTok vor dem Hintergrund eines lächelnden Mädchens in sommerlichem Kleid. Einmal mit dem Finger wischen, dann steht da vor dem Hintergrund einer Frau in blauer Verschleierung: «du darfst in die Schule oder Arbeit?»

Seit fast fünf Jahren herrschen die islamistischen Taliban wieder in Afghanistan. Mit Gesetzen und Erlassen beschränken sie seither die Rechte von Frauen und Mädchen.
In Netzwerken wie TikTok und Instagram verbreiten sich häufig Trends, bei denen Nutzer Beiträge in ähnlichen Formaten veröffentlichen, jedoch den Inhalt jeweils leicht abändern. Dabei sind die Trends in der Regel nicht zentral gesteuert – User springen schlicht auf vorherige Posts auf.
Wie gross der sogenannte «me vs Afghan woman»-Trend ist, ist schwer einzuschätzen, besonders reichweitenstarke Accounts halten sich bisher zurück. Aber mittlerweile kursieren nicht nur die Beiträge selbst, sondern auch Videos, in denen mit Kritik sowie Fürsprache auf die Posts reagiert wird.
Christina Ihle vom Afghanischen Frauenverein mit Sitz in Hamburg befürwortet die Aktion, um Aufmerksamkeit für die Lage im Land zu schaffen: «Die Rechte von Mädchen und Frauen in Afghanistan sind seit 2021 mit weit mehr als 100 Erlassen massiv eingeschränkt». Es gebe unter anderem keinen Schulbesuch mehr nach der sechsten Grundschulklasse und strenge Überwachung von Kleiderordnungen.
Erst vor einem Monat hatten Taliban-Sittenwächter in der westafghanischen Stadt Herat Dutzende Frauen wegen angeblicher Verstösse gegen Kleiderregeln festgenommen und eine Demonstration dagegen brutal niedergeschlagen. Dabei wurden nach UN-Angaben mindestens zwei Menschen – darunter ein Kind – getötet.
Ein Post bei Instagram zeigt eine Userin im Bikini auf einer Luftmatratze in einem Pool. Darauf steht auf Englisch: «Ich habe Angst, dass ich von der Sonne zu braun werde.» Darunter ist ein Foto montiert, das Frauen in Burka zeigt. Es trägt die Aufschrift: «Bist du frei, die Sonne zu fühlen?»
Für Christina Ihle schaffen die Beiträge Nahbarkeit und wecken beim Publikum in erster Linie Betroffenheit. «Aber bekanntlich ist Betroffenheit ja der erste Schritt zum Wunsch, eine Situation zu verändern, zu helfen oder zumindest dazu beizutragen», sagt Ihle.
Ihle lobt auch, dass die Beiträge faktisch gut recherchiert, wenn auch zugespitzt seien: «Sie zeigen zum Beispiel oft ausschliesslich Frauen in Burka, während viele Frauen in Afghanistan auch nur Tuch und Corona-Maske tragen, um die Kleidervorschriften zu erfüllen. Dennoch: Fake, falsch oder realitätsverfälschend sind die genutzten Bilder meist nicht.»
Andere Nutzerinnen in den sozialen Medien kritisieren die Aktion: So sagt eine Frau in einem Video, sie begrüsse zwar, dass Aufmerksamkeit geschaffen werde. Aber gehe es jenen, die die Posts veröffentlichen, wirklich um die Veränderung der Situation von Frauen in Afghanistan oder eigentlich darum, mehr Likes zu kassieren, indem sie auf einen Trend aufspringen? Denn etwa finanziell erhielten Frauen in Afghanistan keine Vorteile aus der Aktion.














