CNN-Korrespondentin Clarissa Ward berichtete täglich aus dem unter der Herrschaft der Taliban stehenden Kabul. Sie ging grosse Risiken ein – und erntete Lob.
US-Reporterin Clarissa Ward berichtet aus Afghanistan. - CNN

Das Wichtigste in Kürze

  • Für CNN berichtete Korrespondentin Clarissa Ward täglich aus Kabul.
  • Afghanistans Hauptstadt befindet sich unter der Kontrolle der Taliban.
  • Die 41-jährige Journalistin zeigt dennoch keine Berührungsängste.

Clarissa Ward, 41, ist eine gestandene Journalistin. Ihr Lebenslauf liest sich wie ein Bestseller. «Seit mehr als 15 Jahren berichtet Ward von den Fronten in der ganzen Welt, von Syrien, Irak, Afghanistan und Jemen über die Ukraine bis hin zu Georgien – während des russischen Einmarsches im Jahr 2008 – und dem Iran», heisst es auf der Webseite ihres Arbeitgebers CNN. Für diesen steht die Yale-Absolventin seit fünf Jahren vor der Kamera.

Bis ihr am Samstag die Flucht gelingt, berichtet Ward täglich aus Kabul, das vor einer Woche an die Taliban gefallen ist. Insbesondere für Frauen derzeit kein sicherer Ort – das weibliche Geschlecht hat im Islamismus eine unterwürfige Rolle.

Der Unterschied in der Berichterstattung von Clarissa Ward zu vor der Machtübernahme der Taliban ist deutlich sichtbar: Die US-Amerikanerin bedeckt nun ihre Haare und trägt ein langes, schwarzes Überkleid namens Abaya.

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Clarissa Ward, CNN-Chef-Korrespondentin.
Taliban
Seit in Kabul die Taliban an die Macht gekommen sind, muss sich Ward bei ihrer Arbeit verschleiern.

Trotzdem wird die Korrespondentin und ihr Team regelmässig von Taliban-Kämpfern bedroht und belästigt. Die Tatsache, dass Ward eine Frau ist, gefällt den Islamisten nicht. «Sie haben mir gesagt, ich solle zur Seite gehen, weil ich eine Frau bin», sagt Ward in einem Beitrag. An anderer Stelle wird ihr gesagt, sie solle ihr Gesicht bedecken, vorher würde man nicht mit ihr reden.

Ward fordert Taliban heraus

Ohne Scheu oder Berührungsängste geht sie dennoch auf die Taliban zu, stellt bewaffneten Kämpfern Fragen, versucht verzweifelten Afghanen zu helfen. Auf die Schüsse, die regelmässig im Hintergrund zu hören sind, reagiert Ward maximal mit einem kurzen Zusammenzucken.

Afghanistan
Taliban-Kämpfer patrouillieren in Kabul.
Afghanistan Kabul situation
Menschen bemühen sich, die Begrenzungsmauer des internationalen Flughafens Hamid Karzai zu überqueren, um aus Afghanistan zu fliehen.
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Ein Hubschrauber des US-Militärs von Typ Chinook fliegt über der US-Botschaft in Kabul.
Afghanistan Taliban niederlande
Taliban-Kämpfer stehen Wache vor dem internationalen Flughafen Hamid Karzai in Kabul, Afghanistan, Montag, 16. August 2021.
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Taliban-Kämpfer sitzen in einem Raum des Präsidentenpalastes.

Spricht sie in die Kamera, dann lässt sie sich auch nicht von einer Gruppe Taliban mit Gewehren hinter sich beunruhigen. Stets behält sie die Ruhe und die Übersicht. «Es ist seltsam, sie singen ‹Tod für Amerika›, aber wirken dennoch freundlich», stellt Ward während einer Übertragung fest.

Wie finden Sie die Berichterstattung von Clarissa Ward?

Mit ihrer Berichterstattung aus den Hotspots in Kabul, wie etwa dem Flughafen, zeigt sie, wie die Situation vor Ort wirklich ist.

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«Es ist keine Angst in ihren Augen zu sehen», schreibt dieser Twitter-User über Clarissa Ward. Es würde grosse Überzeugungskraft brauchen, um sie dazu zu bringen, Kabul zu verlassen, ist er überzeugt.
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«Die Frau hat Eier», findet Damian Piza.
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Für Jennifer Lewerenz ist Clarissa Ward ein «Badass».
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Tiare lobt den Einsatz von Ward und ihrem Team in Afghanistan.
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«Sie ist der Inbegriff von Professionalität und Mut.»
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Dieser Twitter-User sorgt sich um die Sicherheit von Clarissa Ward.

Für viele ist sie eine Heldin, ein Vorbild. Auf Twitter wird sie als «Journalistin mit den grössten Eiern» gefeiert. Einige sorgen sich auch um ihre Sicherheit. Für Clarissa Ward jedoch gehört das Risiko zu ihrem Job. Nau.ch frage CNN erfolglos an, wie es um ihre Sicherheit stehe.

Zum Schluss entkommt sie Afghanistan ohne einen Kratzer: Am Samstag wird sie mit einer Maschine der US-Airforce in Sicherheit gebracht.

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