Der seit mehreren Jahrzehnten in Grossbritannien lebende tansanische Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah hält den Brexit für eine Fehlentscheidung seiner Wahlheimat. «Ganz einfach, ich denke, es ist ein Fehler», sagte Gurnah am Freitag bei einer Pressekonferenz in London. Aber es komme eben auf den Willen der Menschen an. Er mache sich Sorgen über die Kräfte hinter dem Votum, die ihre Hoffnungen auf Freiheiten setzen, die Grossbritannien einst ohne die EU genossen habe. «Das hat etwas Nostalgisches, aber auch etwas von Selbstbetrug», sagte er.
Literaturnobelpreis Abdulrazak Gurnah
Der tansanische Schriftsteller Abdulrazak Gurnah aufgenommen am Rande einer Pressekonferenz. Gurnah wurde am Donnerstag mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. - dpa

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  • Zur rigiden Migrationspolitik, die die britische Regierung seit dem EU-Austritt vertritt, sagte der einst selbst geflüchtete Gurnah: «Man hat neue Ankömmlinge, aber immer die gleiche alte Medizin.» Die heute in Grossbritannien ankommenden Asylsuchenden sähen sich viel Feindseligkeit gegenüber.

Es sei erstaunlich, wie die britische Innenministerin Priti Patel eine so harte Linie vertreten könne, obwohl ihre Familie selbst eine Einwanderungsgeschichte habe.

Gurnah wurde 1948 auf der Insel Sansibar geboren, die zu Tansania gehört, und kam als Flüchtling Ende der 1960er Jahre nach Grossbritannien, wo er seither lebt. Er erhält den prestigeträchtigen Preis «für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten», wie das Komitee bei der Bekanntgabe sagte.

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