Mexiko-Kartell wird wohl noch brutaler – Gefahr für WM?
Ende Februar tötete Mexikos Militär den Boss des Jalisco-Kartells «El Mencho». Ein Experte erklärt, was der Machtkampf um die Nachfolge für WM-Touris bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Tod von «El Mencho» hinterlässt im Kartell Jalisco Nueva Generación ein Machtvakuum.
- Ein Experte warnt: Das könnte beim Kartell zu noch extremerer Gewalt führen.
- Er glaubt aber nicht, dass diese die Sicherheit der WM-Spiele diesen Sommer gefährden.
- Die Nati-Gruppenspiele finden in den USA & Kanada statt. Der Ticketverkauf läuft harzig.
Gegen Ende Februar gelang Mexikos Militär ein riesiger Schlag im Kampf gegen die Drogen-Kartelle: Bei einer grossen Operation gegen das Kartell Jalisco Nueva Generación kam Drogenboss Nemesio Rubén «El Mencho» Oseguera Cervantes (†59) ums Leben.
Das hat in vielen Teilen des Landes eine Welle der Gewalt ausgelöst. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben.
Dabei soll nur in wenigen Monaten die WM 2026 unter anderem in Mexiko stattfinden. Nach den Ereignissen um «El Menchos» Tod wurden Zweifel laut, ob die Fussball-Spiele unter diesen Umständen überhaupt stattfinden können.
«El Mencho» Nachfolger könnte «gefährlicher sein»
Nau.ch hat bei Christopher Hernandez-Roy vom «Center for Strategic and International Studies» nachgefragt, was für Auswirkungen «El Menchos» Tod hat. Für ihn ist klar: «Ein Nachfolger von ‹El Mencho› könnte noch gefährlicher sein. Insbesondere wenn Machtkämpfe zu einer Zersplitterung und extremer Gewalt führen.»
Ein neuer Anführer des Jalisco-Kartells könnte «mit brutalen Mitteln versuchen, seine Kontrolle zu festigen oder aggressiv zu expandieren». In der Vergangenheit habe die Ausschaltung von Kartell-Chefs oft zu einer kurzfristigen Zunahme der Instabilität geführt. Und nicht die allgemeine Bedrohungslage entschärft.
Deshalb sind Drogen-Kartelle in Mexiko so mächtig
Christopher Hernandez-Roy erklärt, was die mexikanischen Kartelle so mächtig macht: «Die geografische Lage, die Nachfrage nach Drogen in den USA (weltweit grsster Drogenmarkt), schwache Institutionen, Korruption, enorme Gewinne und ein reichliches Angebot an illegalen Waffen aus den Vereinigten Staaten.» Grosse Gruppen wie das Sinaloa-Kartell und das Jalisco-Kartell hätten sich zu diversifizierten kriminellen Unternehmen entwickelt: Sie kontrollieren die Produktion, die Transitkorridore und die illegale Besteuerung.
«Korruption und begrenzte lokale staatliche Kapazitäten ermöglichen es den Kartellen, Polizei und Regierungen zu infiltrieren. Kartelle bieten auch Arbeitsplätze in marginalisierten Regionen und festigen so ihren Einfluss als hybride kriminell-territoriale Akteure», sagt der Experte.
Das Jalisco-Kartell funktioniert laut Hernandez-Roy so: «Die oberste Führung legt die Strategie fest und überwacht den internationalen Handel, während regionale Bosse die Territorien kontrollieren und die Gewinne nach oben weiterleiten. Ein bewaffneter Flügel sorgt für Disziplin und bekämpft Rivalen. Das Kartell verwaltet die Drogenproduktion, die Logistik und die Geldwäsche und diversifiziert sich in Erpressung, Kraftstoffdiebstahl und illegalen Bergbau. Die Einnahmen fliessen nach oben, die Autorität nach unten.»
Nach «El Menchos» Tod fehle es dem Jalisco-Kartell an einem klaren Leader. «‹El Menchos› eigener Sohn sitzt in den USA im Gefängnis und ist damit aus dem Rennen», erklärt Hernandez-Roy.
Ein Anwärter sei ‹El Menchos› Stiefsohn und ehemaliger Stellvertreter, Juan Carlos Valencia González. Die mexikanischen Behörden hätten ausserdem mehrere hochrangige regionale Bosse, gegen die ermittelt werde, als mögliche Nachfolger identifiziert.
Experte zur WM: «Austragungsorte werden streng gesichert sein»
Laut Hernandez-Roy agiert das Kartell als zentralisierte, militarisierte kriminelle Organisation. Diese zentralisierte Struktur habe eine rasche Expansion ermöglicht. Führungswechsel seien deswegen «potenziell destabilisierend und gewalttätig».
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum sieht für die Fussball-Fans trotzdem «nicht das geringste Risiko», wie sie Ende Februar beteuerte. Experte Hernandez-Roy glaubt nicht, dass die Gewalt der Kartelle die WM-Fans wesentlich abschrecken wird. Jedenfalls «sofern es nicht vor den Spielen zu erheblichen und weit verbreiteten Gewaltausbrüchen kommt».
Grossveranstaltungen wie die WM würden mit einer umfangreichen Sicherheitskoordination einhergehen. Und: «Die Kartelle haben wenig Interesse daran, ein weltweit beachtetes Turnier zu stören, das die Wirtschaft ankurbelt. Und Möglichkeiten zur Erpressung bietet.»
Lokal werde es wahrscheinlich zu Gewaltausbrüchen kommen. Aber: «Die Austragungsorte werden streng gesichert sein, wodurch die Risiken für Besucher verringert werden», so der Experte.
Keine Nati-Spiele in Mexiko
Insgesamt wird in Mexiko in drei Stadien gespielt, unter anderem in Guadalajara, der Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco. Dort werden unter anderem Mexiko, Südkorea und Kolumbien spielen.
Die Schweiz wird keines ihrer Spiele in Mexiko bestreiten. In der Gruppe spielt die Schweizer Nati in San Francisco, Los Angeles sowie in Vancouver gegen Mit-Gastgeber Kanada. Sollte es die Nati in die K.O.-Phase schaffen, würde sie ebenfalls keine Spiele in Mexiko absolvieren.
Dennoch könnte es durchaus Schweizer Fussball-Fans an die WM-Spiele nach Mexiko ziehen. Zumal man bei der Fifa bereits vor der Auslosung Tickets für Spiele kaufen konnte.
Also bevor klar war, wer seine Spiele wo austrägt. Damals sprach der Welt-Fussball-Verband von bereits rund zwei Millionen verkauften Tickets.
Auf Anfrage will die Fifa nicht sagen, wie viele WM-Tickets in die Schweiz verkauft worden sind. Auch die Swiss will sich zu keinen Buchungszahlen zu einzelnen Ländern äussern. Die Airline verweist lediglich darauf, dass sie kein Ziel in Mexiko anfliegt.
Edelweiss: Erhöhte Nachfrage nach Vancouver-Flügen
Die Fluggesellschaft Edelweiss, die in Mexiko Cancun anfliegt, verweist auf Anfrage von Nau.ch darauf, dass sich rund um die Destination «kein mexikanischer Spielort in unmittelbarer Nähe» befindet.
Mediensprecher Andreas Meier erklärt: «Für WM-Fans sind in unserem Streckennetz insbesondere Vancouver und Seattle als direkte Austragungsorte interessant.»
Eine erhöhte Nachfrage beobachte Edelweiss derzeit auf den Kanada-Verbindungen, insbesondere nach Vancouver und Calgary. «Beide Destinationen weisen bereits jetzt sehr gute Vorausbuchungen auf.»
Und: «Das gilt beispielsweise für den Zeitraum rund um das Spiel der Schweizer Nationalmannschaft in Vancouver am 24. Juni.» Meier hält aber auch fest: Mit Ausnahme einzelner Zeiträume rund um spezifische Spiele lasse sich nicht sagen, inwiefern die WM einen direkten Einfluss auf die Buchungen habe.
SFV: Hohe Preise für WM 2026
Die Nachfrage nach Tickets für die Spiele der Nati «war im Vergleich zur EURO24 in Deutschland deutlich tiefer». Das erklärt Stefan Baumgartner vom Schweizerischen Fussballverband (SFV) auf Anfrage von Nau.ch.
Das Kontingent mit den 500 vergünstigten Tickets pro Spiel sei sofort vergriffen gewesen. Doch: «Das restliche Kontingent wurde wohl aufgrund der hohen Preise nicht vollständig ausgeschöpft.»
An der EM 2024 in Deutschland sei die Nati von 10'000 bis 25'000 Schweizer Zuschauern pro Spiel unterstützt worden. Im Vergleich dazu müsse «der Fan aus der Schweiz für ein Spiel in den USA viel für einen langen Flug (und zusätzliche Inlandflüge oder Mietwagen) bezahlen, neun Stunden Zeitverschiebung in Kauf nehmen und verhältnismässig viel fürs Hotel und auch für den Eintritt ins Stadion bezahlen».
Dies dürften laut dem SFV die Hauptgründe für die «noch geringe Nachfrage» sein. «Inwiefern die geopolitische Lage auch eine Rolle spielt, ist schwierig zu beurteilen», so Baumgartner.
Aber: «Wir rechnen damit, dass die Nachfrage steigen wird, sollten wir uns für die K.O.-Phase qualifizieren.»

























